GESUND WERDEN & BLEIBEN  - ÄLTER WERDEN

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Dass wir altern ist ebenso natürlich wie unvermeidlich. Doch was passiert eigentlich genau im Körper, wenn Alterungsprozesse einsetzen? Und was kann man tun, um sie positiv zu beeinflussen?

„Manche Leute altern, andere reifen“, sagte der Schauspieler Sean Connery. Wollen wir es also so betrachten und uns in letz- tere Gruppe einordnen, wissen wir doch, dass auch Reifung mit Veränderungen verbunden ist. Wer älter wird, spürt meist selbst, dass die Leistungsfähigkeit abnimmt, die Energien zu schwinden beginnen, manches nicht mehr fehlerfrei funktioniert. Tatsächlich betrifft der Alterungsprozess alle Körperfunktionen. Da wir im Alter für Krankheiten anfälliger werden, gilt das Alter auch als wichtigster gesundheitlicher Risikofaktor. Trotzdem: Wie schnell oder wie langsam diese Prozesse fortschreiten, ist von Mensch zu Mensch verschieden und lässt sich zum Teil durch einen gesunden Lebensstil beeinflussen.


Frühe Hautalterung

So etwa bei der Haut, die schon ab dem 30. Lebensjahr an Elastizität und Festigkeit verliert. Die Zellen erneuern sich dann langsamer, und die Alterung zeigt sich meist deutlich sichtbar durch Falten oder Hautveränderungen wie den sogenannten Altersflecken. Beschleunigt wird der Vorgang durch äußere Einflüsse wie beispielsweise UV-Strahlung oder Rauchen. Auch

Alkohol, Stress, zu wenig Schlaf, Bewegungsmangel und schlechte Ernährung hinterlassen ihre Spuren. An- dererseits – und das ist die gute Nachricht – altert die Haut weniger rasch, wenn sie vor UV-Strahlen von Son- ne oder Solarien geschützt wird, wenn man auf den Glimmstängel verzichtet und auch sonst versucht, ein ausgewogenes, gesundes Leben zu führen.

Was die Muskelkraft betrifft, so ist sie im dritten Lebens- jahrzehnt am größten, danach werden die Muskeln schwächer, – unter anderem, weil die Anzahl der Mus- kelfasern und die Muskelmasse abnehmen und mehr Binde- und Fettgewebe in den Muskeln eingelagert wird. Jetzt funktioniert der Energiestoffwechsel nicht

mehr so wirkungsvoll. Die Muskelzellen verlieren mit zunehmendem Alter ihre Fähigkeit der Anpassung, und dies wiederum er- klärt sich durch Veränderungen im Stoffwechsel der Muskelzellen. Das Resultat ist eine verminderte körperliche Leistungsfä- higkeit und eine gewisse Schwäche, die auch oft Folge eines längerfristigen Bewegungsmangels ist. Doch auch hier kann man gegensteuern: Regelmäßiges und gezieltes Muskeltraining kann die Leistungsfähigkeit bis ins hohe Alter gut erhalten be- ziehungsweise verbessern.


Die Knochen, die man „spürt“

Die Knochen wiederum, die viele von uns im Alter „spüren“, werden mit der Zeit spröder, brüchiger und weniger belastbar, denn ihre Struktur verändert sich im Alter, und die Knochendichte nimmt ab. Auch das Knorpelgewebe verliert an Elastizität und Substanz und wird zudem durch Abnützung beansprucht. Es kommt zu Verkalkungen und Verknöcherungen oder zu krankhaften Gelenksveränderungen wie etwa Arthrose. Auch die Sehnen und Bänder verlieren an Elastizität – besonders, wenn sie nicht regelmäßig beansprucht und gedehnt werden.

Das Stichwort Elastizitätsverlust begleitet uns weiter bis hin zur Lunge. Dort nimmt in den Bronchien auch die Fläche der Ver- zweigungen, über die der Gasaustausch erfolgt, ab. Dadurch kann über die Atmung nicht mehr so viel Sauerstoff aufgenom- men werden. Was den Herzmuskel angeht, so wird dort mit höherem Alter zunehmend Fett- und Bindegewebe eingelagert. Das Herz nimmt zwar insgesamt an Gewicht zu, die Muskelmasse nimmt jedoch ab, und gleichzeitig wird ihre Leistungsfähig- keit geringer. Die Herzfrequenz sinkt, und die Transportkapazität des Kreislaufs an Sauerstoff nimmt ab. Der arterielle Blut- druck hingegen steigt.


Von Immunsystem bis Augen

Mit zunehmendem Alter sinkt auch die Aktivität des Immunsystems. Das bedeutet unter anderem, dass sich die Wundheilung verzögert und es leichter zu Infektio- nen, Tumoren oder Autoimmunerkrankungen kommen kann. Ab dem 30. Lebens- jahr nimmt außerdem der Grundumsatz – das ist der Energieumsatz, der im Ruhe- zustand benötigt wird – um rund drei Prozent pro Lebensjahrzehnt ab, mehr noch, wenn man längerfristig unter Bewegungsmangel leidet. Veränderungen an den Re- zeptoren der Zellen führen weiters dazu, dass hormonelle Steuerungsvorgänge feh- leranfällig werden.

Auch unsere Sinne verändern sich im Alter. In der Linse des Auges, in der sich von Geburt an Substanzen ablagern, kommt es zu einer Verdickung und Trübung. Die Linsen verlieren an Elastizität, und das Auge kann insbesondere im Nahbereich nicht mehr scharfstellen. Außerdem bildet sich bei vielen Menschen zumindest phasenweise nicht mehr genug Tränenflüssigkeit, was zum trockenen und dadurch ständig geröteten Auge führen kann. Schwerhörigkeit im Alter hingegen ist oft eine Folge von Überlastungen des Hörorgans durch Lärm. Aber auch Mittelohrentzün- dungen können Gehörschäden im Alter bedingen. Bleibt noch der Geschmacks- sinn, und auch da müssen wir uns im Alter mit weniger begnügen: Das Ge- schmacksempfinden geht zurück, da die Anzahl der Sinneszellen auf der Zunge und in der Nase abnimmt.


Über das leidige Gedächtnis

Zu den normalen Alterungsprozessen zählen außerdem Veränderungen im Gehirn und an den Nervenzellen sowie eine leichte Abnahme der Gehirnmasse. Das führt dazu, dass die Kapazität des Arbeitsgedächtnisses abnimmt, die Geschwindigkeit der Informationsverarbeitung zurückgeht und Aufmerksamkeit und Konzentrations- fähigkeit sinken. Es wird also schwieriger, sich an kurzfristig Gelerntes zurückzuer-

innern, aber: Das Gehirn hat Reservekapazitäten von über zehn Milliarden Ganglienzellen und 500 Mil- lionen Synapsen, die diese Defizite gut kompensieren können. Es ist bis ins hohe Alter hinein möglich, neue Lern- und Merkstrategien zu erlernen, obwohl das Gedächtnis an Leistungsfähigkeit verliert.

Was nun die Ursachen für den unaufhaltsamen Vorgang des Alterns betrifft, so sind sie nicht eindeutig geklärt. Unbestritten ist, dass Altern mit der Abnützung der Körpersysteme verbunden ist. Der menschli- che Organismus kann zwar bestimmte Schäden selbst reparieren, ist mit zunehmendem Alter aber im- mer weniger in der Lage, die auftretenden Störungen zu bewältigen. Auch die Selbstheilungsfähigkeiten funktionieren nicht mehr so fehlerfrei wie früher. Hinzu kommt, dass äußere Einflüsse die Alterung der Or- gane beschleunigen können. Überernährung, Alkohol und Nikotin, zu viel UV-Strahlung und andere Um- weltgifte, aber auch psychischer Stress tragen zu einer vorzeitigen Alterung bei.


Gene & freie Radikale

Die Wissenschaft beschäftigt sich derzeit mit verschiedenen Theorien des Alterns. Genetische Ursachen sind dabei ein Topthema: Heute weiß man, dass Zellen sich nicht unbegrenzt teilen können. Ihr Ablauf- datum ist im Erbgut festgeschrieben, und im Alter steigt auch das Risiko, dass sich die Zellen und das Erbgut verändern und Schäden entstehen. Für diese Veränderungen sind unter anderem sogenannte freie Radikale verantwortlich, aggressive Sauerstoffverbindungen, die wir mit der Nahrung oder über die Atemluft aufnehmen und die unser Körper auch selbst bildet – an sich ein normaler Vorgang, der auch notwendig ist, um beispielsweise unser Immunsystem zu aktivieren. Wenn freie Radikale allerdings über- hand nehmen oder ungehemmt im Körper reagieren, greifen sie die Körperzellen und das Erbgut an. Es wird vermutet, dass eine zu große Menge an freien Radikalen auch zu Krebs, Herzinfarkt, Grauem Star und zahlreichen anderen altersbedingten Erkrankungen führt.


Schädliche Eiweißmoleküle

Außerdem spielen vermutlich auch Eiweiße (Proteine) eine Rolle im Alterungsprozess. Sie können mit Zu- cker beziehungsweise Zuckerverbindungen Vernetzungen bilden. Dadurch wird das Protein in seiner ur-

sprünglichen Funktion gestört. Diese krankhafte, altersbedingte Vernetzung von Eiweißstoffen kann an der Entstehung von Stoffwechselstörungen, der Abnahme von Muskelmasse, Bindegewebsveränderungen, Alzheimer-De- menz oder Nierenerkrankungen beteiligt sein. Nicht zuletzt gilt es auch die Hormone zu erwähnen. Sie steuern rund um die Uhr wichtige Körperfunktio- nen, doch ihr Steuerzentrum im Gehirn verliert mit zunehmendem Alter die Fähigkeit, sie richtig zu regulieren.


Wie Sie gegensteuern können

Insgesamt geht die Altersforschung davon aus, dass verschiedene Mecha- nismen für das Altern einander beeinflussen und uns so graues Haar, Falten und Co bescheren. Doch das alles bedeutet keineswegs automatisch ein we- niger qualitätsvolles Leben, denn bestimmte körperliche Altersmerkmale kön- nen positiv beeinflusst und bis ins hohe Alter auf einem guten Niveau gehal- ten werden. So ist ein langes und selbstständiges Leben bei guter Gesund- heit durchaus möglich. Und: Das chronologische Alter in Lebensjahren sagt nicht unbedingt etwas über den körperlichen Alterszustand aus. Nicht zuletzt können wir nämlich durch regelmäßiges Training, gesunde Ernährung und ei- nen ausgewogenen Lebensstil unsere körperliche Leistungsfähigkeit bezie- hungsweise die jeweiligen Werte positiv beeinflussen.

Es ist durchaus möglich, dass zum Beispiel bei einem gut trainierten Fünfzig- jährigen bessere Werte gemessen werden als bei einem untrainierten Drei- ßigjährigen. Auf seinen Körper zu schauen und körperlich und geistig aktiv zu sein beeinflusst das biologische Alter positiv. Der Gewinn ist jedenfalls eine höhere Lebensqualität  und eine bessere Chance auf mehr Lebensjahre in guter Gesundheit. 

GABRIELE VASAK

Gewerbe Personenbetreuung

Ein neuer Online-Ratgeber bietet individuelle Informationen zu Gewerbean- meldung und weiteren häufigen Fragen in elf Sprachen. Personenbetreuerin- nen und -betreuer sind in Österreich in den meisten Fällen selbständige Un- ternehmerinnen. In dieser Rolle sind sie, bedenkt man die häufige sprachliche Barriere, mit einer Vielzahl an bürokratischen und organisatorischen Heraus- forderungen konfrontiert. Diese reichen von der Gewerbeanmeldung über die Sozialversicherung bis hin zur Registrierkassenpflicht. Um Personenbetreue- rinnen in ihrer selbständigen Arbeit zu unterstützen, hat der Fachverband für Personenberatung und Personenbetreuung der NÖ Wirtschaftskammer einen Online-Ratgeber erstellt (in Deutsch, Bulgarisch, Englisch, Lettisch, Polnisch, Rumänisch, Serbokroatisch, Slowakisch, Slowenisch, Tschechisch und Unga- risch). Der Online-Ratgeber beantwortet einige Fragen individuell und stellt Formulare und Kontaktadressen zur Verfügung.

Informationen: www.personenbetreuung.wkoratgeber.at

Personenbetreuung – zu Hause gut betreut

Die Broschüre bietet Informationen für betreuungsbedürftige Personen und de- ren Angehörige rund um den Aufgaben- bereich von Personenbetreuung, Rech- te und Pflichten, Qualitätssicherung, fi- nanzielle Zuschüsse und vielem mehr. Bestellung: NÖ Wirtschaftskammer, Tel.: 02742/8510

„Österreich braucht qualifizierte und fle- xible Betreuungs- dienstleistungen von

engagierten selbst

ständigen Personen- betreuerinnen und - betreuern. Es ist wichtig, die Weichen dafür zu stellen, dass alle, die jetzt oder in Zukunft Be- treuung, Unterstüt- zung und Ansprache benötigen, diese auch in hoher Quali- tät bekommmen.“ Dr. Gerhard Weinbör- mair, Obmann der Fachgruppe der Per- sonenberatung und Personenbetreuung in der NÖ Wirt- schaftskammer

Zahlen & Fakten

Circa 600.000 Österreicherinnen und Österrei- cher sind nicht in der Lage, ihren Alltag auf sich allein gestellt zu bewältigen und brauchen Unter- stützung. Das österreichische Durchschnittsalter beträgt heute etwa 43 Jahre. Die Lebenserwar- tung steigt nach wie vor. Die geburtenstarken Jahrgänge der Nachkriegs- und Wirtschaftswun- derjahre sind im fortgeschrittenen Alter. Etwa ein Viertel der Menschen ist heute schon älter als 60 – über zwei Millionen. 2050 werden es drei Millio- nen sein. Davon wird laut Einschätzung von Ex- perten etwa ein Drittel, also rund eine Million, Be- treuung benötigen.

Quelle: www.daheimbetreut.at

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 04/2017