BLUTDRUCK

FotoS: fotolia/ ratmaner, Herz-Kreislauf-Zentrum Groß Gerungs

Regelmäßige Bewegung und ausgewogene Ernährung sind eine gute Prophylaxe gegen Bluthochdruck.

Unter Druck

Ist Bluthochdruck eine Alterskrankheit? Trifft er nur Übergewichtige? Ist niedriger Blutdruck immer ungefährlich?

Prim. Univ.-Doz. Dr. Sebastian Globits, Leiter des Herz-Kreislauf- Zentrums Groß Gerungs

In einem gesunden Körper reguliert sich der Blutdruck von selbst. Was aber, wenn er zu hoch oder zu niedrig ist? Zu diesem Thema wird viel spekuliert, es gibt viele Irrmeinungen, die sich hartnäckig halten. Manches, was kolportiert wird, ist allerdings richtig. GESUND&LEBEN bat den Ärztlichen Leiter des Herz-Kreislauf-Zentrums Groß Gerungs, Prim. Dr. Sebastian Globits, zum Faktencheck.


Niedriger Blutdruck ist nicht gefährlich

„Das ist grundsätzlich richtig“, bestätigt der Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie und Internistische Intensiv- medizin. Menschen mit niedrigem Blutdruck leben sogar deutlich länger und haben ein geringeres Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall als Menschen mit Bluthochdruck. Allerdings kann die sogenannte Hypotonie manchmal zu Symptomen wie Schwindel, Müdigkeit oder Abgeschlagenheit führen. „Das wird subjektiv oft als unangenehm empfunden, ist aber keineswegs gesundheitsgefährdend“, sagt Globits.


Bluthochdruck ist eine Alterskrankheit

„Das stimmt nicht“, stellt der Experte klar. „Bluthochdruck ist im Gegenteil eine echte Volkskrankheit, von der ein- einhalb Millionen Österreicherinnen und Österreicher in verschiedenen Lebensaltern betroffen sind.“ Erschre- ckendes Detail am Rande: 50 Prozent dieser Menschen wissen gar nichts von ihrem Gesundheitsproblem, nur zehn Prozent können als „gut behandelt“ bezeichnet werden.


Nur übergewichtige Menschen haben zu hohen Blutdruck

„Das stimmt nicht, aber: Übergewicht per se erhöht den Blutdruck“, sagt der Kardiologe. „Jedes Kilo zu viel ver- ursacht einen mmHG (Millimeter Quecksilbersäule) mehr Blutdruck. Das bedeutet im Umkehrschluss auch, dass ein Betroffener, der zehn Kilo abnimmt, seinen Blutdruck um zehn mmHg senken kann.“


Bluthochdruck wird vererbt

„Das kann, muss aber nicht der Fall sein“, stellt der Facharzt fest. Es gibt bisweilen genetische Ursachen für Hy- pertonie, aber viel gewichtiger sind die Lebensstilfaktoren Übergewicht, Bewegungsmangel, zu hoher Salzkon- sum und falsche Stressbewältigung.


Bluthochdruck verläuft symptomlos

„Das stimmt in den allermeisten Fällen“, sagt Sebastian Globits. Zwar gibt es Symptome wie immer wiederkeh- rende Kopfschmerzen oder Nasenbluten, die auf hohen Blutdruck hinweisen können. Auch Schwindel kann in manchen Fällen durch Bluthochdruck ausgelöst werden. Männer ab 50, die unter erektiler Dysfunktion leiden, haben oft auch das Problem einer langjährigen unbehandelten Hypertonie, aber wie gesagt: Häufig verläuft Blut- hochdruck symptomlos.


Rauchen und Alkoholkonsum fördern Bluthochdruck

„Zwischen Rauchen und Bluthochdruck besteht kein unmittelbarer Zusammenhang. Ein hoher Alkoholkonsum aber erhöht den Blutdruck sehr wohl“, stellt der Internist klar. Interessant in diesem Zusammenhang: Ein maßvol- ler Alkoholkonsum kann den Blutdruck kurzfristig senken, denn Alkohol hat gefäßerweiternde Eigenschaften.


Salz ist ungünstig bei Bluthochdruck

„Das ist voll und ganz zu bestätigen“, sagt der Experte. „Unser Körper braucht zwar Salz, aber wir konsumieren etwa neun Gramm pro Tag, das ist das 30-Fache der Kochsalz-Menge, wie sie in der Natur vorkommt. Zu viel Kochsalz kann von der Niere nicht ausgeschieden werden und verbleibt in der Blutbahn. Dort zieht es Flüssig- keit aus dem Gewebe an, das Blutvolumen nimmt zu und damit der Blutdruck.“ Die Empfehlung des Facharztes lautet: Nicht mehr als drei Gramm pro Tag.


Stress treibt den Blutdruck in die Höhe

„Auch das stimmt“, lautet hier das Expertenurteil. „Bei Stress produziert die Nebenniere das Hormon Adrenalin, das den Herzschlag beschleunigt und den Blutdruck erhöht. Das ist an sich ein normaler Vorgang und entwick- lungsgeschichtlich gesehen ein überlebensnotwendiges Notfallprogramm des menschlichen Körpers, das es er- laubt, angemessen auf Gefahren zu reagieren. Kampf und Flucht sind heute kaum mehr angebracht, aber Ärger ist ein großer Stressauslöser unserer Zeit. In unserer ‚Ärgergesellschaft‘ steigt für viele permanent im wahrsten Sinne des Wortes der Druck.“


Medikamente gegen Hypertonie müssen lebenslang eingenommen werden

Dem widerspricht Sebastian Globits. Er betont, dass vor jeder Medikamenteneinnahme die Lebensstiländerung stehen muss. Tatsächlich weiß man heute, dass regelmäßige Bewegung wie Laufen, Radfahren, Schwimmen (Ausdauersportarten) das beste Antihypertensivum ist, denn dabei wird das Herz-Kreislauf-System gekräftigt und der Blutdruck gesenkt. Erst wenn das sowie weitere Lebensstiländerungen (Übergewicht abbauen, Salzkon- sum reduzieren, Stressbewältigung erlernen) nicht dazu führen, dass der Blutdruck sinkt, müssen nach korrekter Messung Medikamente genommen werden, in vielen Fällen tatsächlich lebenslang, aber: „Viele Bluthochdruck- patienten beginnen mit den Lebensstiländerungen erst, nachdem sie schon Medikamente bekommen haben. Wenn sie mit ersterem konsequent sind, kann es durchaus sein, dass sie Medikamente reduzieren oder sogar absetzen können.“


erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 04/2018