KUREN & REHABILITATION EXTRA

FOTO: PHILIPP MONIHART

Wieder

durchatmen

Das Klinikum Peterhof der NÖGKK in Baden bietet seit Jahresbeginn auch Rehabilitation für Menschen mit Lungenerkrankungen.

„Einmal tief Luft einsaugen, bitte. Ja, wunderbar“ – Gertraud Leyrer blickt gespannt auf das Display und folgt den Anwei- sungen ihres Atemtherapeuten. Sie trainiert ihr Zwerchfell mit einem speziellen Gerät, dem Respifit und unter Anleitung ih- res Physiotherapeuten Stefan Bilavski. Heute ist ein guter Tag, Stefan Bilavski ist mit der Leistung seiner Patientin hoch zufrieden: „Durch forciertes Einatmen können wir die Zwerch- fell-Muskeln trainieren, das ist wichtig, um Menschen mit Lungenerkrankungen eine bessere Lebensqualität zu ge- ben.“ Gertraud Leyrer hat drei Wochen intensive Rehabilitati- on im Klinikum Peterhof der NÖGKK in Baden hinter sich. „Ich bin total begeistert und überrascht – es ist der erste Re- habilitationsaufenthalt in meinem Leben. Dieses junge enga- gierte Team hat mir zu einer unglaublich hohen Lebensquali- tät verholfen.“Die vitale Pensionistin ist „vom Fach“, sie war Krankenschwester. Eine schwere Erkrankung vor wenigen Jahren machte eine Lungenoperation unausweichlich, seither ist ein Teil ihres Zwerchfells gelähmt.

Stiegensteigen oder rasches Gehen sind für die 66-Jährige eine Herausforderung. Vor ihrem Aufenthalt bekam sie kaum Luft, musste immer wieder Pausen einlegen, selbst bei leich- ten Alltagsaufgaben. Heute glänzen die Augen der Niederös- terreicherin spitzbübisch, wenn sie an die Zeit nach der Reha denkt. „Natürlich werde ich alle Übungen machen, die mir

empfohlen wurden – so alt kann ich gar nicht werden, dass ich das nicht lesen könnte“, spielt sie auf die Mappe mit Trai- ningsempfehlungen an. Sie kennt ihre Erkrankung, hat gelernt, mit ihr umzugehen und richtet den Blick in die Zukunft: „Dass ich durch meine Lungenerkrankung kaum Luft zum Atmen bekomme und das nicht mehr rückgängig gemacht wer- den kann, damit muss ich leben – aber um sich an neuer Lebensqualität zu erfreuen, dafür ist man nie zu alt.“


Lebensqualität verbessern

Für Oberärztin Dr. Martina Netz bestätigt Gertraud Leyrer jene Ziele, die sich das medizinische Team im Peterhof vorge- nommen hat: Betroffenen mit Lungenerkrankungen eine adäquate Lebensqualität zu vermitteln, aber auch, sie zu einem gesunden Lebensstil zu motivieren, der das Fortschreiten ihrer Erkrankung verhindert. Seit November ist die Fachärztin als Oberärztin im Klinikum Peterhof tätig, seit Anfang des Jahres wird hier neben Patienten mit rheumatischen und ortho- pädischen Erkrankungen auch Menschen mit Lungenerkrankungen eine Rehabilitation ermöglicht. Abgeschottet von der Hektik der Stadt, inmitten einer grünen Lunge Badens, bietet der Peterhof derzeit für 40 Patienten Rehabilitation auf höchstem wissenschaftlich-medizinischen Standard. „Der Großteil unserer Gäste leidet an der chronisch-obstruktiven Lun- generkrankung, kurz COPD, gefolgt von Asthma-Patienten“, sagt Netz. Allem voran steht eine eingehende Diagnose: Bei der Spiroergometrie wird mithilfe einer ansteigenden Belastung am Fahrrad-Ergometer die Leistungsfähigkeit des Patien- ten ermittelt. Vor und während der Spiroergometrie setzt DKGS Ursula Manhardt eine kleine Nadel ans Ohr des Patienten, „am Ohrläppchen fließt nach Vorbehandlung mit einer durchblutungsfördernden Salbe reichlich sauerstoffhaltiges Blut, so können wir eine Blutgasanalyse durchführen, um die Sauerstoffkapazität in Ruhe und bei Belastung zu ermitteln“, sagt die Fachfrau. Zusätzlich erhält der Patient eine Atemmaske, dadurch wird für Fachärztin Dr. Martina Netz nachvollziehbar, wie sich in der Tiefe der Atmung die Zusammensetzung der Atemgase bei körperlicher Belastung verändert. Bei der Body- phlethysmographie sitzt der Betroffene in einer luftdicht abgeschlossenen Kabine – um bestimmte Druckverhältnisse zu schaffen – und ist durch Mikrophon akustisch und durch einen Atemschlauch mit der Außenwelt verbunden. Schon nach wenigen Minuten kann man durch diesen absolut schmerzfreien und unbelastenden Test erkennen, wie viel Atemkapazität der Betroffene hat und wie weit die Lungenerkrankung fortgeschritten ist. Anhand dieser Untersuchungen wird ein Trai- ningsplan errechnet, der individuell auf jeden Patienten abgestimmt ist. Physiotherapeut und Atemtrainer Stefan Bilavski weiß anhand dieser Daten genau, in welchen Bereichen er seine Schützlinge besonders trainieren muss. „Unser Training wirkt sich nicht nur auf die periphäre Muskulatur aus, auch das Zwerchfell muss bei den meisten Patienten gestärkt wer- den.“ Wie das funktioniert, erklärt er in den Gruppen-Trainingseinheiten. „Gleichgesinnte motivieren einander und können helfen, einen vorübergehenden Rückschlag besser hinzunehmen“, sagt der erfahrene Atemtrainer. Außerdem schult das Training in der Gruppe seine Schützlinge für zu Hause. „Jeder erhält ein Atemmuskel-Trainingsgerät, um etwa dreimal pro Woche trainieren zu können.“ Gertraud Leyrer hat das Training mit Akribie verfolgt: „Eine so tolle Instruktion und eine der- art menschliche Umgangsweise wie am Peterhof ist beispielhaft und sehr motivierend.“


Intensive Aufklärung

Für viele Lungenerkrankungen ist das Rauchen verantwortlich. „90 Prozent der COPD-Pa- tienten sind Raucher – daher ist es eines unserer größten Anliegen, dass Betroffene das Rauchen aufgeben“, sagt Oberärztin Netz. Auch hier wird am Peterhof Abhilfe geschaffen – zur Raucherentwöhnung stehen speziell ausgebildete Psychologinnen zur Seite, die den Schritt zur letzten Zigarette erleichtern. Doch nicht nur Zigarettenkonsum, auch negative Umwelteinflüsse, wie Feinstaubbelastung oder Allergien sind im Steigen und verursachen Lungenerkrankungen wie Asthma, und das bereits im Kindesalter, erklärt Petershof-Leiterin Prim. Dr. Valerie Nell-Duxneuner: „Umweltbelastungen nehmen zu und verursachen schwere Erkrankungen. Unser gemeinsames Ziel ist, allen Betroffenen die bestmögliche medizinische Rehabilitation zu geben und sie mit entsprechender Aufklärung zu entlassen.“ Zur umfassenden Aufklärung dienen auch die Informations-Veranstaltungen im Haus berichtet Gertraud Leyrer: „Ich habe darin so viele hilfreiche Tipps bekommen, zum Beispiel, wie man Atemsprays richtig anwendet, wie ich mit meinem Sauerstoffgerät umgehen muss, und dazu viele spezielle Bewegungs- und Ernährungstipps. Die Informationen sind um- fassend – ich nehme all das dankbar mit nachhause.“Gertraud Leyrer ist eine der ersten Pa- tienten in der jüngst umgebauten Klinik; und sie verlässt den Peterhof ausschließlich mit positiven Missionen. Neben ihr steht „Charly“, ihr mobiles Sauerstoffgerät, an dessen Han- dling sie sich erst gewöhnen musste. Ob sie einkaufen geht oder sich einen Tag an der Sonne gönnt – Charly hat ihr ein Stück Lebensqualität gebracht – ein Leben, in dem sie wieder durchatmen kann. 

Medizinisches Angebot des Klinikums Peterhof


Die Ursachen rheumatischer und pulmologischer Beschwerden sind vielfältig und damit auch deren Behandlungsmethoden. Wesentlich im Sinne der Prävention ist, dass das im Heilverfahren erlernte Verhalten und die Übungen konsequent weiterge- führt werden.


Die Indikationen umfassen:

+ COPD II-IV auch mit Heimsauerstofftherapie

+ chronisches Asthma bronchiale

+ Lungengerüsterkrankungen

+ nach Lungenentzündungen, Lungeninfarkten, Lun- genoperationen (außer Transplantation)


Zusätzlich zur klinischen Diagnostik stehen zur Ver- fügung:


+ Spiro-Ergometrie

+ Bodyplethysmografie und Spirometrie

+ Blutgasanalyse in Ruhe und Belastung

+ CO-Diffusionstest (DLCO)

+ 6-Minuten Gehtestdiagnostische Ultraschallunter- suchungen

Klinikum Peterhof Rehaklinik

Sauerhofstraße 9-15

2500 Baden

Tel.: 02252/48177

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 04/2016