BERUFSBILD

FOTOS: NADJA MEISTER

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Leder, Hämmer und Zangen sind Basisausstattung für das Maßhandwerk.

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Stefanie Kroihs stellt nach professioneller Fußanalyse Einlagen, Schuhzurichtungen und orthopädische Maßschuhe her.

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Zeigt her eure Schuhe!

In Zwettl liegt die seltene Profession der orthopädischen Schuhmacherei in den Händen einer gesundheitsbewussten jungen Frau- .

Die Entscheidung für ihre Berufswahl fiel ihr nicht schwer: Als sie mit 16 die Liste der Lehrberufe studierte, war Stefanie Kroihs sofor- t klar, dass sie orthopädische Schuhmacherin werden wollte: „Ich habe mich einerseits für Medizin und die Vorgänge im menschliche- n Körper interessiert, andererseits bin ich ein Mensch, der das Handwerk und die Kreativität liebt“, sagt die 36-jährige Jungunternehm- erin, die im Zentrum von Zwettl eine Werkstätte und ein Geschäft für orthopädische Schuhe und Zubehör betreibt. Gesagt, getan: D- ie junge Wienerin absolvierte ihre Lehre in einem Meisterbetrieb in der Bundeshauptstadt, schloss sie ab, entschied sich dann dafür, e- in soziales Jahr mit Arbeit mit psychisch kranken Menschen abzuleisten, und nachdem sie das mit viel Engagement hinter sich gebrac- ht hatte, kehrte sie zum orthopädischen Schuhmacherhandwerk zurück, absolvierte die Meisterprüfung und machte sic- h

selbständig- .


Von null an

In der Zwischenzeit hatte die Liebe sie ins Waldviertel gezogen, und als sie Räume für ihren zukünftigen eigenen Betrieb suchte, fiel ihre Wahl auf Zwettl. Die ebenerdige Lage eines Geschäftslokals inmitten der Fußgängerzone sagte ihr sofort zu, und mit ein wenig Unterstützung ihres ehemaligen Chefs, von dem sie einige Kunden aus dem Waldviertel übernehmen durfte, legte sie los: „Ich habe praktisch bei null begonnen, zudem gibt es in Zwettl noch einen zweiten orthopädischen Schuhmacher. Und so war ich in der A- nfangszeit glücklich, wenn drei Kunden in der Woche zu mir kamen. Aber gerade das forderte mich heraus- .“

Um sich zu spezialisieren, machte Stefanie Kroihs eine Zusatzausbildung in Podoorthesiologie. „Das ist ein Verfahren, bei dem erwor- bene Fehlhaltungen und Fehlstellungen des Körpers mittels einer Therapiesohle korrigiert werden, die die Körperhaltung durch Anr- egung von Fußrezeptoren normalisiert. So kann der Körper lernen, Abweich-Haltungen aus eigener Kraft auszugleichen. Die Methode ist eine optimale Ergänzung zu Physiotherapie und Osteopathie“, erklärt die Fachfrau in Sachen Fußgesundheit. In einer Zusatzaus- bildung hat sie sich noch viel Fachwissen zu Gesundheit und Ernährung angeeigne- t.


Qualität & Eigeninitiative

So gestärkt setzte sie auf Qualität und Eigeninitiative, stellte sich mit Infoflyern bei den Ärzten der Umgebung vor und begann, Vorträ- ge über Fußgesundheit zu halten. Langsam entwickelte sich ihr kleiner Betrieb, in dem sie heute noch zwei Gesellinnen und zwei Meister des orthopädischen Schuhemachens beschäftigt und Kunden von Jung bis Alt versorgt. „Die Füße spielen im wahrsten Sinn des Worts eine tragende Rolle in unserem Leben. Auf ihnen gehen wir im Lauf des Lebens im Schnitt rund viermal um den Erdball. Ist diese Basis gestört, hat das Auswirkungen auf den gesamten Körper: Knie-Hüftbeschwerden, Rücken- und sogar Kopfschmerzen kö- nnen ihre Ursache in Senk-, Spreiz- oder Knickfüßen haben“, sagt Stefanie Kroihs. Sie findet es schade, dass wir unseren Füßen meist viel zu wenig Beachtung schenken- .


Fundament des Körpers

Von Kindheit an viel barfuß gehen, Schuhe bedacht kaufen und ein wenig mehr Achtsamkeit für das Fundament unseres Lebens sind wichtige Tipps der orthopädischen Schuhmachermeisterin, die naturgemäß vor allem dann zum Zug kommt, wenn schon etwas im A- rgen liegt. Doch Beschwerden bei Sprunggelenken, Knien, Hüfte und Wirbelsäule kann vorgebeugt und auch abgeholfen werden. „Ei- nlagen dienen dazu, den Fuß zu unterstützen, zu korrigieren, Druckstellen zu entlasten und zu betten, sodass dieser wieder in die opt- imale Lage kommt und unsere Körperstatik wieder im Lot ist.“ Die Vorschreibung für eine orthopädische Einlage stellt der Arzt, eine professionelle Fußanalyse erfolgt dann im Betrieb von Stefanie Kroihs, die mit elektronischer Fußdruckmessung, statischem Fußab- druck, Blaudruck, Trittschaum und Ganganalyse arbeitet und je nach Problem orthopädische Maßanfertigungen herstellt, Bettungs-, Diabetiker-, Sport- und neuromuskulären Einlagen.


Orthopädisches Maßwerk

Wer etwa einen Beinlängenausgleich, Sohlenverbreiterungen oder diverse Rollen benötigt, wird mit sogenannten orthopädischen Schuhzurichtungen versorgt. Das sind Adaptierungen von Konfektionsschuhen nach individuellen Bedürfnissen. Erst wenn Einlage- nversorgung und Schuhzurichtungen nicht mehr ausreichen, um den Fuß optimal zu versorgen, kommt die individuelle handwerkliche Maßanfertigung eines orthopädischen Schuhs zur Anwendung. „Das brauchen Menschen mit diabetischem Fußsyndrom, Neurop- athie, Angiopathie, hochgradigen Fußfehlstellungen, Lähmungen oder Amputationen im Bereich des Fußes“, erklärt die orthopädische Schuhmachermeisterin. Sie achtet stets darauf, dass die in ihrem Betrieb angefertigten Schuhe auch modischen Ansprüchen gen- ügen. Stefanie Kroihs legt in ihrer Arbeit Wert darauf, den Körper als Ganzes zu betrachten. Ihre berufliche Hauptaufgabe sieht sie da- rin, Menschen, die Probleme mit den Füßen haben, mittels orthopädischer Versorgung schmerzfreies Gehen zu ermöglichen und die Funktionalität ihres Bewegungsapparates wieder herzustellen. Einen Appell an uns alle hat die sympathische junge Frau: „Schuhe müssen sich nach den Füßen richten, nicht umgekehrt. Das ist kein Verbot von High Heels oder spitz zulaufenden Schuhen, aber auch frau sollte so oft wie möglich alltagstaugliches Schuhwerk tragen und für den notwendigen Ausgleich sorgen. Tun Sie Ihren Fü- ßen regelmäßig Gutes und verwöhnen Sie sie mit Fußbädern, Gymnastik und Massagen, denn sie tragen uns wirklich weit.“


Gabriele Vasak

Fuß-Fakten


-Kaum ein anderes Körperteil leistet so viel Arbeit wie die Füße. Sie tragen unser Körpergewicht, halten uns im Gleichgewich- t und bringen uns zum Ziel- .

-Die Füße bestehen aus 27 Gelenken, 26 Knochen, 32 Muskeln und Sehnen, 107 Bändern und 1.700 Nervenenden.

-Die Achillessehne kann bis zu eine Tonne Gewicht aushalten. Im Laufe eines Tages müssen die Füße einem Druck und Ge- wicht von durchschnittlich 2.520 Tonnen standhalten. Schon alleine wenn wir stehen, trägt unsere Ferse drei Viertel unseres Körpergewichts- .

-Die Haut der Fußsohle ist mit über 500 Schweißdrüsen pro Quadratzentimeter ausgestattet, die für gesunde Füße und eine bes- sere Bodenhaftung beim Barfußlaufen sorgen.

-98 Prozent der Babys kommen mit gesunden Füßen zur Welt. Laut einer Studie aus 16 europäischen Ländern leiden aber 60 Prozent der Erwachsenen an einer Fehlstellung, die dann zu Rücken- und Gelenksbeschwerden führt, weil der Körper versuch- t, die falsche Haltung wieder auszugleichen- .

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 10/2018