GESUND WERDEN & BLEIBEN - REISEAPOTHEKE

FOTO: FOTOLIA/ SILENCEFOTO/RACAMANI

Check dein Gepäck!

Reiselust statt Frust: Was alles dabei sein sollte, um vor unliebsamen Überraschungen wie Durchfall oder Sonnenbrand gewappnet zu sein.

Sonne tanken, entspannen und abschalten: Urlaubszeit ist für die meisten die schönste Zeit im Jahr. Reisen steht wieder hoch im Kurs. Nach einer repräsentativen Umfrage des Verkehrsclubs ÖAMTC wollen rund sechzig Prozent der Österreicherinnen und Österreicher heuer verreisen. Eine Steigerung um sieben Prozent gegenüber dem Vorjahr. Flugreisen haben zwar an Be- liebtheit gewonnen, dennoch fahren viele nach wie vor am liebsten mit dem Auto in den Urlaub. Die beliebtesten Destinationen sind Italien, Kroatien und Spanien. Zwölf Prozent planen eine Fernreise. Jeder Fünfte verbringt die Ferienzeit lieber in heimi- schen Gefilden.



Medikamente ins Handgepäck

Vor allem bei Fernreisen ist es ratsam, sich mindestens vier Wochen vor dem Urlaubsantritt über notwendige Impfungen zu in- formieren (siehe Infokasten Seite 25). Auch die Reiseapotheke sollte man schon zu Hause auf Vollständigkeit überprüfen, um

am Urlaubsort bei plötzlichen Beschwerden gleich das passende Medikament zur Hand zu haben. Denn nichts ist zeitraubender, als im Urlaubsland die nächste Apo- theke suchen zu müssen. Außerdem sind viele Medika- mente im Ausland oft nicht in vergleichbarer Qualität er- hältlich. Am besten verstaut man Arzneimittel im Hand- gepäck, denn Koffer können verloren gehen oder beim Transport starken Temperaturschwankungen ausgesetzt sein.

Individuelle Beratung durch Hausarzt oder Apotheker ist besonders wichtig, wenn man Dauermedikamente braucht: Unbedingt über etwaige Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten sprechen! Bei chronischen Er- krankungen: Klären, ob die regelmäßig eingenommenen Arzneimittel die Sonnenempfindlichkeit erhöhen und man sich vor zu viel UV-Strahlung noch besser schützen muss.


Wundversorgung

Barfuß zu gehen ist gesund – nichts ist schöner, als die Füße bei einem Strandspaziergang von Sand und Meer um- spülen zu lassen. Doch selbst im Urlaubsparadies kann es zu kleinen Verletzungen kommen: ein unachtsamer Tritt auf spitze Muscheln oder Glasscherben, und schon ist eine Schnittverletzung da und blutet. Hat man Wasser dabei, sollte man die Wunde damit sofort reinigen, mit Wunddesinfektionsmittel behandeln und ein Pflaster aufkleben. Neben Des- infektionsmittel, Wundheilsalbe und Pflaster kann man für den Fall größerer Verletzungen auch Wundkompressen, elas- tische Mullbinden, Klebebänder sowie eine Schere und eine Pinzette mitnehmen.

Sonnenschutz

Bei Aufenthalten in südlichen Ländern sind Sonnenschutzmittel ein absolutes Muss. Vor allem in äquatornahen Regionen wird die UV-Strahlung oft unterschätzt, aber auch in unseren Breiten kann man leicht einen Sonnenbrand bekommen. Der Sonnen- schutz sollte immer an das Reiseziel und den eigenen Hauttyp angepasst werden, um Langzeitfolgen wie Hautkrebs oder vor- zeitige Hautalterung zu verhindern.

Wie viel Sonne die Haut verträgt, kann man mit der Bestim- mung des Hauttyps grob einschätzen. In Europa unterscheidet man vier Hauttypen. Hauttyp I hat sehr helle Haut und nur eine sehr kurze Eigenschutzzeit. Ohne entsprechenden Schutz läuft dieser Typ schon nach wenigen Minuten Gefahr, einen Sonnen- brand zu bekommen. Deshalb brauchen Menschen dieses Hauttyps Sonnenschutzmittel mit sehr hohem Lichtschutzfaktor. War man zu lange in der Sonne und die Haut rötet sich, helfen kühlende Gels und Salben.


Insektenstiche

In Reiseländern, in denen Malaria, Gelb-, Dengue- und Chi- ckungunyafieber oder die japanische Enzephalitis verbreitet sind, muss man sich vor Mücken schützen. Zu den am häufigs-

ten durch Moskitos übertragenen Infektionen zählt das Denguefieber. Es ist weltweit auf dem Vormarsch. Steigende Infektionszahlen gibt es in Südostasien, Australien und Lateinamerika. Weil es Symptome wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen hervorruft, wird es oft mit einer Grippe verwechselt und bleibt unentdeckt. Eine Schutzimpfung gegen Denguefieber gibt es noch nicht. In Risikoländern ist ein guter Schutz vor Moskitos dringend anzuraten. Sprays zur Mückenabwehr, die auf die Haut, aber auch auf die Kleidung gesprüht werden, gehören unbedingt in die Reiseapotheke. Den Juckreiz von Insektenstichen lindern Gele und Salben mit antihistaminischen Wirkstoffen.


Augentropfen

Bei trockenen Augen ist die Tränenproduktion gestört. Die Folgen: Die Augen brennen, jucken, kratzen und sind ge- rötet. Das unangenehme Trockenheits- und Fremdkörpergefühl kann auf Reisen verstärkt auftreten. Denn im Urlaub sind die Augen erhöhtem Stress ausgesetzt: Trockene Kabinenluft im Flugzeug, Klimaanlagen in Hotels und Reise- bussen, UV-Strahlung, Windböen und chlorhaltiges Wasser in Schwimmbecken setzen den Augen zu. Besonders Kontaktlinsenträger haben mit Augentrockenheit zu kämpfen, weil die Augenoberfläche nicht ausreichend mit Trä- nenflüssigkeit versorgt wird. Wegen der trockenen Luft belasten Langstreckenflüge die Augen besonders stark. Be-

feuchtende Augentropfen mildern die Beschwerden, weil sie den schützen- den Tränenfilm wiederherstellen.


Magen–Darm-Beschwerden

Durchfall zählt zu den häufigsten und wohl unangenehmsten Reisebeschwer- den. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) leiden sogar dreißig bis fünfzig Prozent der Reisenden unter der sogenannten Reisediarrhoe. Meistens tritt Durchfall am Beginn des Urlaubs auf und kann von Bauchschmerzen, Erbre- chen und Fieber begleitet werden. Dazu kommt der Verlust von Wasser und Elektrolyten. Dieser Mangel wird am besten durch (in der Apotheke erhältli- che) Elektrolytlösungen ausgeglichen. Tabletten mit dem Wirkstoff Loperamid und Kohletabletten helfen. Ausgelöst wird der Reisedurchfall durch Bakterien, Viren oder Parasiten, die durch das Essen oder das Trinkwasser in den Kör- per kommen. Es gilt daher, besonders bei Speiseeis, Eiswürfeln, Salaten und ungeschältem Obst Vorsicht walten zu lassen. Neben Durchfall kann auch Verstopfung den Urlaub vermiesen. Sollten Gegenmaßnahmen wie ballast- stoffreiche Ernährung, Bewegung und Flüssigkeitszufuhr nicht helfen, kann man zu abführenden Mitteln greifen.


Übelkeit &

Schmerzen

Auch Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen, Fieber, Grippe sowie Kopf-, Glieder- und Zahnschmerzen sollten in die Reiseapotheke. Wenn plötz- lich die Nase zu rinnen beginnt, ist ein abschwellendes Nasenspray hilfreich. Erkältungen treten leicht nach häufigen Aufenthalten in klimatisierten Räumen auf. Klimaanlagen trocknen die Nasenschleimhäute aus, wodurch sie anfälli- ger für Krankheitserreger werden. Und schließlich die sogenannte Reise- krankheit, die sich mit Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen und Schwindel be- merkbar macht. Verursacht wird dieses unangenehme Phänomen durch eine Reizung des Gleichgewichtsorgans. Das Schwanken von Flugzeugen, Autos, Reisebussen oder das Schlingern eines Schiffes kann die Beschwerden aus- lösen. Gegen Reiseübelkeit können Reisekaugummis oder Tabletten helfen.


Gut ausgestattet

Auch das gehört in die Reiseapotheke:

Ohrentropfen: Schwimmen und Tauchen können zu Entzün- dungen des äußeren Gehörgangs führen.

Sonnenallergie: Allergikerinnen und Allergiker sollten spezi- elle Sonnencremen für sehr empfindliche Haut verwenden. Juckreizstillende und kühlende Gele wirken bei akuten Be- schwerden.

Mittel gegen Lippenherpes: Reisestrapazen schwächen das Immunsystem und begünstigen das Auftreten der Bläs- chen gerade im Urlaub.

Stumpfe Verletzungen: Bei Prellungen, Quetschungen oder Verstauchungen helfen spezielle Salben und entzündungs- hemmende Medikamente.

Fieberthermometer: Wegen dem Zerbrechlichkeitsrisiko lie- ber ein digitales Produkt statt ein quecksilberhaltiges Ther- mometer aus Glas mitnehmen.

Dauermedikamente in ausreichender Menge einpacken.



JACQUELINE KACETL

Sicher auf Reisen

Gesundheitsämter sowie Reise- und Tropenmediziner informie- ren über weltweit auftretende Erkrankungen und führen Imp- fungen durch.


Magistrat St. Pölten, Gesund- heitsamt; Heßstraße 6, 3100 St. Pölten, Tel.: 02742/333- 2517

Bezirkshauptmannschaft Krems, Gesundheitsamt; Drinkweldergassse 15, 3500 Krems, Tel.: 02732/9025- 30861

Bezirkshauptmannschaft Zwettl, Gesundheitsamt; Am Statzenberg 1, 3910 Zwettl, Tel.: 02822/9025-42570

Magistrat Wiener Neustadt, Gesundheits- amt; Neuklos- terplatz 1/2. Stock, 2700 Wie- ner Neustadt, Tel.: 02622/373- 740

Dr. Gerhard Diridl Facharzt für Innere Medizin, Tropenmedi- zin; Anton-Bruckner-Straße 9, 3300 Amstetten, Tel.: 07472/67799, 0664/2643682

RECHTZEITIG IMPFEN LASSEN


Fernreisen: Lassen Sie Ihren Impfstatus mehrere Wochen vor dem Abfahrtstermin überprüfen und planen Sie eine reisemedizinische Beratung ein.

Bei Reisen in Entwicklungsländer sollten Sie sich gegen Typhus, Hepatitis A+B, Diphtherie, Teta- nus und Kinderlähmung impfen lassen.

Impfungen gegen Gelbfieber, japanische Enze- phalitis, Tollwut und Hepatitis B müssen in einem bestimmten zeitlichen Abstand vor dem Abreise- tag erfolgen, um ihre Wirkung zu entfalten.

Beratung und Hilfe rund um das Thema Impfun- gen bieten Anlaufstellen in ganz Niederösterreich (siehe Seitenleiste auf links oben).

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 05/2017