KUREN & REHABILITATION IN NÖ - THERAPIE

Das Leben wieder

genießen

FOTOS: fotolia/monropic, Foto Lutz, BVA

Im Therapiezentrum Buchenberg geht es neben allen medizinischen Maßnahmen auch um soziale Fähigkeiten und Genussfähigkeit – damit das Leben wieder Sinn macht.

„Gesundheit ist gewiss nicht alles, aber ohne Gesundheit ist alles nichts.“ Dieses Zitat des Philoso- phen Arthur Schopenhauer kommt gesunden Menschen sehr richtig vor. Doch mit den Jahren sinkt die Chance, gesund zu bleiben. Und da fragt man sich, ob es da nicht auch ein paar Abstufungen gibt. Zumindest sieht das Prim. Dr. Clemens Kaufmann so. Der Ärztliche Direktor des Therapiezen- trums Buchenberg in Waidhofen/Ybbs sagt: „Freude am Leben kann man trotz Einschränkungen haben. Wichtig ist, dass man genießen kann.“ Kaufmann muss es wissen, denn in seinem Haus behandelt und begleitet er zum Beispiel Menschen mit Multipler Sklerose – eine unheilbare Krank- heit, die in Schüben immer weitere Fähigkeiten zerstört, Menschen nach einem Schlaganfall oder auch solche mit Stoffwechselstörungen wie Diabetes, dem metabolischen Syndrom, chronischen Darmerkrankungen und ähnlichen lebensverändernden Problemen.


Hightech als Unterstützung

Natürlich brauchen diese Menschen handfeste Therapien. Die bekommen die Gäste mit neurologi- schen Erkrankungen im Therapiezentrum Buchenberg auf hochmodernen Therapiegeräten, soge- nannten Robotics, mit denen sie das Gehen komplett neu lernen können: Der Lokomat ist ein Trai- ner in Form eines Laufbandes, der mittels Bildschirm sogar einen Gang durch den Wald simuliert, wobei man sich zwischen den Bäumen durchbewegen muss ohne anzustoßen. Die unterschiedli- chen Bodenbeschaffenheiten trainiert man dann im Therapiegarten, der neben Hochbeeten für die Gartentherapie die unterschiedlichsten Oberflächen bietet: Neben Asphalt übt man auf Rinden- mulch, Steinen, Sand und Moos.

„Die hohe Schule ist dann eine Wanderung am Buchenberg. Bis man das wieder kann, unterstützt einen der Lokomat bei allen Lernschritten.“ Aber auch spezielle Geräte für das Wie- dererlangen der Funktionsfähigkeit der Schultern, der Arme und der Hand nutzt Kaufmann mit seinen multiprofessionellen Teams. Schließlich geht ohne Handfunktionen im Alltag so gut wie nichts. Und sogar ein roboterunterstütztes Therapiepferd hilft ihm dabei, auf dem man aufrecht sitzend Ausgleichsbe- wegungen üben kann und sich auf dem warmen Kunstpferde- Körper wohlfühlt – und das ganz ohne Pferdehaar-Allergie.


Selbstständigkeit

Mobilität wiederzuerlangen ist eines der wichtigsten Ziele, doch dahinter steht ein größeres: Selbstständigkeit, die Basis für Berufsfähigkeit. Was für gesunde Menschen selbstver- ständlich ist, muss man sich nach einer Krankheit oder einem Ereignis wie einem Schlaganfall mühsam wieder erarbeiten. Man braucht nur kurz innehalten in einer Tätigkeit und sich überlegen, aus wie vielen Bewegungen

und Handlungsfolgen sie zusammengesetzt ist. Etwas trinken zu können bedeutet, das Glas und das Getränk holen, einschenken, das Glas zum Mund führen, diesen mit der Flüssigkeit füllen und zu schlucken. Was, wenn die Hände nicht gehorchen oder das Schlucken ein Problem ist? „Das lernen die Menschen bei uns durch unsere multiprofessionellen Teams wieder. Es ist anstrengend, wenn man es nicht kann und neu lernen muss.“


Wieder mutig werden

Deshalb organisieren sich die Gäste am Buchenberg zum Beispiel kleine Reisen oder ein Kaffee- kränzchen: Sie laden ein, vereinbaren Raum und Zeit, kaufen ein, setzen sich zusammen, reden, trin- ken Kaffee, essen Kuchen, alles begleitet durch Therapeuten. Klingt einfach? Ist es nicht, wenn man zum Beispiel nach einem Schlaganfall kaum richtig sprechen kann oder durch eine andere Erkran- kung zu scheu geworden ist, einen anderen Menschen anzusprechen oder gar um Hilfe zu bitten.


Genießen ist wichtig

Und dann sind wir schon bei dem Thema, das Kaufmann so wichtig ist: der Genussfähigkeit. Natür- lich, der Kaffee, der Kuchen, die nette Gesellschaft, die Freude am Beisammensein und Austau- schen. Doch das geht noch weiter, wenn man wieder ein gutes Leben haben will, trotz Einschränkun- gen. Schmecken, riechen, reden, zuhören, spüren und all das auch wertschätzen und genießen. Die Freude an der Natur und die an den eigenen Fähigkeiten und an der Kreativität – das sind wichtige Faktoren. So kann zum Beispiel ein neues Hobby wie Seidenmalen oder Töpfern auch ein neues Glück im Leben bedeuten. Wenn man es wertschätzt und genießt.



RIKI RITTER-BÖRNER

Legt besonderen Wert

auf das Wiedergewinnen

der Genussfähigkeit:

Prim. Dr. Clemens

Kaufmann, Ärztlicher

Direktor des Therapiezen- trums Buchenberg

in Waidhofen/Ybbs

Regelmäßige

körperliche

Betätigung

ist ein

Stützpfeiler

eines gesunden

Lebens.

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 04/2017