VERSORGUNG

FotoS: Katharina Gossow, NÖ Landeskliniken-Holding

Lukas, 16, ist mit seiner Mama DGKP Helena Schlehr, die auch im Klinikum Baden arbeitet, zur Kontrolle bei OÄ Dr. Birgit Winkler. Der Bruch vom Radun- fall heilt gut.

Im interdisziplinären Schockraum in Baden werden lebensgefährlich verletzte oder erkrankte Menschen von multiprofessionellen Teams behandelt, vom schweren Unfall bis zum Herzversagen. Beim Besuch von GESUND&LEBEN stellten Ärztinnen und Ärzte der Unfallabteilung die Situation für das Foto nach. Im Schockraum anwesend sind immer Anästhesist und Anästhesie-Pflegekraft, ein Facharzt der jeweils benötigten Richtung, eine Pflegekraft und ein Radiologe. Alle weiteren Experten werden je nach Bedarf dazugeholt. Das Team kümmert sich darum, die Vitalfunktionen aufrechtzuerhalten und be- schließt gemeinsam, in welcher Reihenfolge die Behandlungsschritte erfolgen.


Zweimal pro Tag – morgens und um 13 Uhr – treffen sich die verfügbaren Ärztinnen und Ärzte der Orthopädie und Traumatologie an den Standorten Ba- den und Mödling, um per Videokonferenz einzelne Fälle sowie das OP-Programm des nächsten Tages zu besprechen. Beim 13-Uhr-Termin schaltet sich die Unfallchirurgie aus Hainburg dazu. Auf den Bildschirmen sind dabei auch die jeweiligen Radiologie-Bilder zu sehen.



Der Rettungshubschrauber landet am Dach des neugebauten Klinikums Baden und bringt Verunfallte direkt in den Schockraum. Wunden verbinden, den Heilungsverlauf kontrollieren und wieder neu verbinden gehört zum Tagesgeschäft auf der Unfallabteilung.

Bestens gerüstet für Unfälle

Spezialisierung und Schwerpunkt-Bildung gilt für die Zukunft der medizinischen Versorgung als idealer Weg. Im Landesklinikum Baden-Mödling gelingt dies bereits durch die Aufteilung von Unfallversorgung und Orthopädie auf beide Standorte.

Prim. Univ.-Prof. DDr. Thomas Kle- stil leitet die

Abteilung für Or- thopädie und Traumatologie an den beiden Standorten Baden und Mödling so- wie das Satelli- ten-Department in Hainburg. Zudem ist er als Profes- sor an der Donau- Universität Krems in Lehre und For- schung tätig.

Ein Sturz mit dem Rad, das Knie blutet und das Handgelenk tut entsetzlich weh. Unfälle passieren, rund um die Uhr. Deshalb steht auch das Trauma-Zentrum am Standort Baden des Landesklinikums Baden-Mödling rund um die Uhr bereit. An diesem Vormittag warten im hellen freundlichen Aufnahmebereich, wie jeden Tag, Menschen mit kleineren Blessuren. Da ein dick geschwollener Knöchel, dort eine gröbere Schürfwunde. Das Team kümmert sich um die Frischverletzten, gleichzeitig läuft die Nachsorge mit Verbandwechseln und Kontrollen: Teams aus Pflegekräften, Ärztinnen und Ärzten begutachten Verletzungen, legen Verbände an, kontrollieren Röntgenbilder, prüfen die Heilungsfortschritte und entscheiden, wie die weitere Behandlung aussieht. Auf der anderen Seite des Trauma-Bereichs im neuen Klinikum in Baden werden jene Patienten versorgt, die liegen müssen. Rasch küm- mern sich Pflegekräfte und Ärzte um die Begutachtung und Versorgung, alles läuft ruhig und konzentriert ab. Weit weg von „Emergency Room“ oder „Greys Anatomy“. Ist das immer so?


OPs sind gut ausgelastet

„Den interdisziplinären Schockraum brauchen wir zum Glück nicht täglich“, sagt Prim. Univ.-Prof. DDr. Thomas Klestil, Leiter der Orthopädie und Traumatologie am Landesklinikum Baden- Mödling, der auch das Satelliten-De- partment am Landesklinikum Hainburg mitbetreut (siehe Infokasten Seite 44) und außerdem als Professor an der Donau-Universität Krems in Lehre und Forschung tätig ist.  Denn während im Erdgeschoß des Licht durchfluteten Neubaus in Baden die Akutversorgung und Nachbehandlung erfolgt, operieren im ersten Stock zwei komplette Teams in den beiden Operationssälen: Brüche verschrauben, Handgelenke stabilisieren, damit alles gut zusam- menwachsen kann. Und Metallteile aus geheilten Knochen wieder entfernen.


Operationsplan einhalten

Gleichzeitig läuft am anderen Standort der Orthopädie und Traumatologie (Unfallchirurgie) in Mödling unter Standortleiter OA Dr. Geza Sarvari, Ph.D. ein ebenso intensives Programm: Hier werden in zwei Operationssälen – einer für Prothetik und einer für tagesklinische Eingriffe – alle geplanten orthopädischen Operationen geleistet. Schwerpunkt sind Hüft- und Knieimplantate, der Bedarf steigt. Hier operieren die gleichen Ärztinnen und Ärzte wie am Standort Baden. Denn das ist dem engagierten Leiter der Abteilung, Thomas Klestil, wichtig: Um eine konstante Abklärungs- und Behandlungsqualität gewährleisten zu können, setzt er das etwa 50-köpfige ärztliche Team wechselweise an beiden Standorten ein: „So ist gewährleistet, dass jede und jeder die Möglichkeit hat, sich sowohl in der Akutversorgung als auch bei den geplanten Operationen in der Orthopädie kontinuierlich weiterzu- entwickeln. Meine Mannschaft bleibt damit standortübergreifend ein Team.“


Keine Doppelgleisigkeiten

Was bringt diese Teilung von Unfall- und orthopädischer Versorgung? „Sehr viel“, betont Klestil. So können Dop- pelgleisigkeiten vermieden werden: „Am Standort Mödling können wir uns jetzt ganz auf geplante Operationen einstellen.  Hier werden im Rahmen der interdisziplinären Ambulanz ebenso kleinere Verletzungen und unfallchir- urgische Notfälle versorgt, auch die Unfallversorgung von Kindern und Jugendlichen ist rund um die Uhr gewähr- leistet.“ Durch die zunehmende Lebenserwartung steigt auch der Bedarf nach neuen Hüft- und Kniegelenken. Weil hier nur mehr geplante Operationen gemacht werden, hält der Zeitplan „fast zu 100 Prozent“, weil keine un- erwarteten Unfälle dazwischenkommen; die Patienten können sich auf den Eingriff einstellen und kommen dann auch dran. Auch tagesklinische orthopädische Operationen sind in Mödling eingetaktet. „Und in Baden läuft die Unfallversorgung, wo wir rund um die Uhr auch für Polytraumen und andere schwere Verletzungen bereitstehen.“ Diese Trennung hat auch praktische Vorteile, wie einen geringeren Platzbedarf für die oft sehr großen OP-Sets, „Riesenkisten“, die man etwa für die Implantation einer neuen Hüfte braucht: „Früher musste man die an beiden Standorten vorrätig haben. Jetzt ist das nicht mehr erforderlich.“


Video-Konferenzen

Täglich zweimal treffen sich alle verfügbaren rztinnen und Ärzte zur gemeinsamen Konferenz der Orthopädie und Unfallchirurgie von Baden, Mödling und Hainburg. Auf den großen Bildschirmen sehen die Ärztinnen und Ärzte die Kollegenschaft der beiden anderen Standorte, den OP-Plan und die jeweiligen Radiologiebilder und bespre- chen gemeinsam die anstehenden Operationen sowie komplizierte Fälle, holen sich Tipps und Informationen ein. So sind sie laufend auch über die Arbeit der anderen beiden Standorte informiert. Klestil sind diese Treffen be- sonders wichtig: „Diese täglichen Videokonferenzen sind eine gute Möglichkeit zur Qualitätskontrolle und helfen uns auch, die Risiken zu minimieren. So können wir das Management bei allfälligen Komplikationen besprechen.“


Orthopädie & Unfallchirurgie

Weil Orthopädie und Unfallchirurgie früher zwei getrennte Fächer waren (nur in Österreich), ist es Thomas Klestil wichtig, dass in seiner Stamm-Mannschaft möglichst viele Ärztinnen und Ärzte die Anforderungen beider Fächer beherrschen und dazulernen. Auch dem Team des Satellitendepartments im Klinikum in Hainburg ermöglicht Kle- stil, sich weiterzuentwickeln: Ärzte von dort können sich auf Wunsch auch in die operative Versorgung in Baden und Mödling einbringen. Übrigens: Klestil schätzt, dass er in seinem Ärzteteam die höchste Frauenquote in der Unfallversorgung in Österreich hat. Thomas Klestil ist Universitätsprofessor und hat den Lehrstuhl für Traumatolo- gie am Department für Gesundheitswissenschaften und Biomedizin an der Donau-Universität Krems inne. Auf Wunsch ist es interessierten Mitgliedern seines Teams möglich, sich am einen oder anderen Forschungsprojekt zu beteiligen. „Die kontinuierliche Auseinandersetzung mit den neuesten wissenschaftlichen Publikationen nützt natürlich unseren Patientinnen und Patienten, weil wir am Puls der Zeit sind.“


Riki Ritter-Börner

Dr. Paul Fiedler, 1. Oberarzt

und Stellvertreter von Prim. Univ.- Prof. DDr. Tho- mas Klestil

OA Dr. Geza Sar- vari, Ph.D. hat 1989 an der Medi- zinischen Fakultät der Semmelweis Universität in Bu- dapest promo- viert. In den dar- auffolgenden Jah- ren war er im Zentralen Militär- krankenhaus Bu- dapest tätig und hat dort sowohl seine Facharzt- prüfung für Ortho- pädie und ortho- pädische Chirur- gie sowie seine Facharztprüfun- gen für Unfallchir- urgie und Kata- strophenmedizin abgelegt. Ab 2006 war er Ober- arzt der Orthopä- die und Traumato- logie im St. Josef Krankenhaus in Braunau am Inn und wechselte 2012 in derselben Position ans Lan- desklinikum Möd- ling und ist nun dort Standortlei- ter.

OA Dr. Christian Sebök

leitet das Depart- ment

Unfallchirurgie im

Landesklinikum Hainburg.

Orthopädie & Traumatologie (Unfallchirurgie) Baden-Mödling-Hainburg


An der Abteilung für Orthopädie und Traumatologie des Landesklinikums Baden-Mödling (inklusive Satelliten-Department in Hain- burg) steht rund um die Uhr ein interdisziplinäres, hochqualifiziertes Expertenteam für die Behandlung von akuten und chronischen Schäden des Bewegungsapparates zur Verfügung.


-Baden: Unfallzentrum für die nördliche Thermenregion mit einem voll ausgestatteten Schockraum, hochmodernen Operations- sälen, einer Unfall-Ambulanz sowie zwei Bettenstationen. Behandlungsspektrum: gesamter Bereich der akuten Unfallchirurgie. Verletzungen: Untersuchung ohne Anmeldung jederzeit möglich. Ambulante Kontrolluntersuchungen mit telefonischer Termin- vereinbarung (02252/9004-14330). Auf WunschKontrollen auch am Standort Mödling nach telefonischer Vereinbarung (02236/9004-23202).


-Mödling: Orthopädische Chirurgie mit hochmodernen Operationssälen und Bettenstation, ambulante Vor- und Nachsorge (Or- thopädie-Ambulanz). Fokus liegt auf der Endoprothetik (Hüft- und Knie-Prothesen). Tagesklinische Operationen aus dem Be- reich Unfallchirurgie und Orthopädie wie z. B. Knie-Arthroskopien, Entfernung von Implantaten, kleinere hand- und fußchirurgi- sche Eingriffe. Verletzte Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre werden rund um die Uhr am Standort Mödling in enger Zusam- menarbeit mit der Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde versorgt. Kleinere Verletzungen und Notfälle können an der Inter- disziplinären Aufnahmestation behandelt werden.


-Hainburg: Seit März 2015 besteht im Landesklinikum Hainburg ein Department für Unfallchirurgie als Satellitendepartment: Dia- gnostik und Behandlung von Verletzungen wie zum Beispiel Wundversorgungen, konservative und operative Behandlung von Frakturen und Bandverletzungen sowie elektive Behandlung von Abnützungserscheinungen und die arthroskopische Behand- lung des Knie- oder Schultergelenkes. Komplexe Verletzungen werden am Trauma-Standort Baden versorgt

Pilotprojekt Standortleitung


Orthopädie und Traumatologie – Standort

Mödling: Das Pilotprojekt „Medizinische Standortleiter“ wurde implementiert, um die Kommunikation und die Zusammenarbeit zwi- schen den Häusern bei standortübergreifenden Abteilungen zu optimieren und die bestmögliche medizinische Versorgung an den einzelnen Standorten zu gewährleisten. Im Wesentlichen übernimmt die medizinische Standortleitung am jeweiligen Standort bis zu einem gewissen Grad die Agenden des Primarius und ist für die medizinische Versorgung und für alle organisatorischen und opera- tiven Themen vor Ort gemäß festgelegtem Tätigkeitsprofil verantwortlich. Dieses Pilotprojekt läuft bis Ende Dezember 2018 und soll danach hinsichtlich weiterer notwendiger Maßnahmen evaluiert werden. Prim. Univ.-Prof. DDr. Thomas Klestil ist der Vorstand der gesamten Abteilung des LK Baden-Mödling. Sein Stellvertreter ist der 1. Oberarzt Dr. Paul Fiedler.

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 05/2018