IM GESPRÄCH

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„Faulsein muss man sich verdienen“

Er läuft so gerne, dass er seine Leidenschaft zum Beruf gemacht hat: Florian Gschwandtner entwickelte die App „Runtastic“, die von Millionen Läuferinnen und Läufern auf der ganzen Welt verwendet wird. Der Niederösterreicher spricht über seine sportlichen Anfänge und verrät, worauf man beim Sport achten sollte.

Sport bedeutet für mich … abschalten und frei sein. Ich brauche diese Auszeit. Ein Leben ohne Sport kann ich mir nicht vorstellen. Es ist eines der schönsten Din- ge in der Welt, sich bewegen zu dürfen. Gerade die Zeit nach dem Sport fühlt sich unglaublich gut an. Man weiß, dass man gerade etwas für seinen Körper und für sich getan hat – ich liebe es!


Angefangen, regelmäßig Sport zu treiben, habe ich als Kind. Ich habe beim FCU Strengberg Fußball gespielt; später kam das Krafttraining dazu. Mit 20 Jahren war ich dann bereits vier- bis sechsmal pro Wo- che im Studio und etwas später, mit 25, begann ich dann auch wirklich mit regelmäßigem Laufen. Und dann kam Runtastic.


Ich laufe besonders gerne, weil … ich die Natur liebe und zudem beim Laufen groß denken kann. Manchmal laufe ich mit Musik, manchmal mit einem Hörbuch und hin und wieder genieße und höre ich einfach die Natur. Und ich laufe gerne, weil man ganz wenig zum Laufen benötigt. Selbst bei einem Businesstrip gehen sich im Koffer immer ein Paar Laufschuhe und ein T-Shirt aus.


Bewegung ist in unserer Gesellschaft … leider rückläufig. Das muss sich ändern und hierfür sind wir mit Runtastic mitver- antwortlich. Unser Lebensstil ist fahrlässig und wir können das so nicht hinnehmen. Adipositas und Diabetes sind die Folgen mangelnder Bewegung.


Sport ist für jeden etwas, weil ... wir auf unseren Körper Acht geben sollten und wir alle die Zeit dafür haben, wenn wir unse- re Prioritäten richtig setzen. Wer denkt, keine Zeit zu haben, soll einfach eine Stunde früher aufstehen.


Sportlichen Anfängern empfehle ich … langsam zu starten und sich kontinuierlich zu steigern. Es bringt nichts, wenn man nach der ersten Einheit so erledigt ist, dass es keinen Spaß macht.

Meiner Erfahrung nach sind die ersten drei Wochen entscheidend. Wer diese durchhält, sieht plötzlich Veränderung am Körper und dann steigt die Motivation sehr schnell.


Der innere Schweinehund spielt eine große Rolle, weil … wir dazu tendieren, faul zu sein. Natürlich sind die Couch und Netflix verlockend, aber man kann auch beides machen. Meiner Meinung nach muss man sich das

Faulsein verdienen.


Es ist wichtig, trotz sportlicher Ziele auf seinen Körper zu hören, weil … die Gesundheit im Vordergrund steht. Nur mit ei- nem gesunden Körper hat man auch Spaß beim Sport und kann Leistung erbringen. Wie überall braucht es hin und wieder auch ein Tief, damit man die Höhen dann wieder genießen kann.


Nach dem Training esse ich am liebsten … Huhn mit Salat. Das enthält gute Proteine und auch ausreichend Vitamine. Am Wochenende gibt es dann auch jede erdenklich ungesunde Mahlzeit – dieses Sündigen macht Spaß.


Der perfekte (Sport-)Tag … beginnt mit einem Morgenlauf, begleitet von Sonnenstrahlen. Dort hole ich mir die Energie für den ganzen Tag.



Daniela Rittmannsberger

Runtastic


Im Oktober 2009 gründeten Florian Gschwandtner, Christian Kaar, René Giretzlehner und Alfred Luger das Unternehmen Runtastic, das sich auf die Entwicklung von Soft- wareprodukte im Bereich Fitness spezialisierte. Mithilfe der gleichnamigen App las- sen sich beispielsweise die zurückgelegte Distanz und die Geschwindigkeit beim Sport erfassen. Nutzerinnen und Nutzer können diese aufgezeichneten Fitnessdaten außerdem auf das Fitnessportal runtastic.com hochladen und analysieren. Seit 2015 gehört Runtastic zur Adidas-Gruppe.

Zur Person


Florian Gschwandtner  wurde 1983 in Steyr geboren und wuchs in Strengberg/Bezirk Amstetten am elterli- chen Bauernhof auf. Gschwandtner besuchte die Höhere Lehranstalt für Landwirtschaft in Wieselburg, die er mit Matura abschloss. Danach studierte er „Mobile Computing“ an der Fachhochschule Hagenberg und „Supply Chain Management“ an der Fachhochschule Steyr. Gschwandtner arbeitete in verschiedenen Be- trieben, ehe er 2009 mit drei Kollegen das Health- und Fitnessunternehmen Runtastic gründete. Im August 2015 wurde Runtastic von Adidas übernommen. Florian Gschwandtner blieb Geschäftsführer des Unter- nehmens und investiert den Erlös des Verkaufs teilweise in den Aufbau österreichischer Start-ups. Seit Ok- tober 2017 ist Gschwandtner außerdem als Experte für die Themen „Digitalisierung & Innovation“ für die ös- terreichische Regierung tätig. Im selben Jahr wurde er mit dem oberösterreichischen Leistungspreis ausge- zeichnet. Der Mostviertler lebt heute in Linz.

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 06/2018