KUREN & REHABILITATION EXTRA - SCHWEFELWASSER

Tiefenentspannt

Schwefelwasserkuren wirken nicht nur positiv bei Rheuma und Hauterkrankungen, sondern auch bei vielen Zivilisationskrankheiten und psychischem Stress.

Seit Jahrtausenden baden die Menschen in Schwefelwasser oder trinken es, um ihrer Gesundheit Gutes zu tun. Seit langem gilt als wissenschaftlich gesichert, dass Schwefel vor allem bei Beein- trächtigungen des Bewegungsapparats und bei Hauterkrankungen positive Wirkungen entfaltet. Deshalb ist man im Kurzentrum Ludwigstorff in Bad Deutsch-Altenburg zu Recht stolz auf die haus- eigene Quelle mit der höchsten Schwefelkonzentration in ganz Österreich. „Mit ihren heilenden Kräf- ten bildet sie die Basis für unsere Therapieerfolge bei Erkrankungen des Bewegungsapparats, Rheuma, Osteoporose, Wirbelsäulenerkrankungen, aber auch bei Erkrankungen der Haut wie Neu- rodermitis oder Psoriasis“, sagt Dr. Monika Winter-Steinhofer, Ärztliche Leiterin des Kurzentrums.


Entspannung & Heilung

Wie bei allen Thermalbädern wirkt die Wärme des Wassers, diese Wirkung wird durch den Schwe- felwasserstoff verstärkt. Die Muskeln entspannen sich, das Bindegewebe wird besser dehnbar, Blut- gefäße erweitern sich, Herzschlag und Stoffwechsel werden angeregt und die Durchblutung der Haut wird verbessert. „Durch die Haut gelangt der Schwefelwasserstoff in den Körper und trägt zur Heilung bei – hemmt beispielsweise Gelenkentzündungen oder hilft, Gelenkknorpel wieder aufzu- bauen“, erklärt die Expertin. Damit sind thermale Schwefelbäder, nach ärztlicher Verordnung und unter therapeutischer Aufsicht in speziellen Wannen durchgeführt, bestens geeignet zur Behand- lung von degenerativen Abnützungs-erscheinungen, bei Beschwerden nach Verletzungen oder Operationen.

Das zweite große Anwendungsgebiet der medizinischen Schwefelbäder betrifft Erkrankungen der Haut. „Der in den Bädern gelöste Schwefelwasserstoff kann Körperzellen und -gewebe sehr schnell durchdringen. In der Haut beeinflusst er Abwehr- und Entzündungsvorgänge, wie sie etwa bei Poso- riasis oder Neurodermitis auftreten“, sagt Winter-Steinhofer, die von sehr guten Therapieerfolgen bei Anwendung des „gelben Goldes“ berichtet.

Im Schwefelwasser liegen aber noch weitere Kräfte, die es zu einem wichtigen Faktor in der Ge- sundheitsprävention machen. Diskutiert wird etwa, ob Schwefel auch ein sogenannter Radikalfänger ist, der effektiv gegen jene unbe-rechenbaren und zerstörerischen Moleküle wirkt, die durch unseren Körper schwirren, Krankheiten begünstigen und dafür sorgen, dass wir altern. Diesen Prozessen kann man durch das Zuführen von externen Radikalfängern – Antioxidantien – entgegensteuern. Möglich ist dies etwa durch natürliche Antioxidantien in zahlreichen Nahrungsmitteln. Seit kurzem ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass auch Schwefelwasser die Widerstandskraft gegen oxidativen Stress stärkt und somit einen wertvollen Beitrag in der Prävention leisten kann. Denn je weniger freie Radikale, umso weniger anfällig ist der Körper gegenüber vielen Krankheiten. Tatsächlich ist es der im Schwefelwasser enthaltene zweiwertige Schwefel, der Redoxsysteme bildet, die die freien Radi- kale abfangen beziehungsweise eine Verminderung ihrer Bildung bewirken und so die Zellen von Schädigungen befreien können.


Wider das „böse“ LDL-Cholesterin

Außerdem kann Schwefel einen Beitrag zur Senkung des „bösen“ LDL-Cholesterins leisten. Der po- sitive Einfluss des Schwefelwassers auf den Fettstoffwechsel wurde ebenfalls in einer wissenschaftli- chen Studie untersucht. Dafür wurden zwei Gruppen von Menschen miteinander verglichen: die

eine nahm regelmäßig Schwefelwasser zu sich, die andere Leitungswasser. Bei je- nen Personen, die Schwefelwasser tranken, konnte unter kontrollierten Ernährungs- bedingungen eine Senkung des LDL-Cholesterins festgestellt werden.


Burnout- & Stressprävention

Die positiven Wirkungen von Schwefel beschränken sich nicht nur auf körperliche Er- krankungen: „Schwefel hat auch eine entspannende Wirkung, sodass wir jetzt aktiv Synergien zwischen den klassischen Therapien und dem Schwefel nutzen wollen“, erklärt Winter-Steinhofer. Also hat man das Angebot des Kurzentrums auch für alle, die aktiv etwas für ihre psychische Gesundheit tun wollen, erweitert und bietet nun ein Wochenarrangement zur Burnout- und Stressprävention an. Ein multiprofessionel- les Team gibt Anleitung zur Burnout-Prophylaxe und Stressbewältigung. Vorträge für Patienten vermitteln darüber hinaus, wie Stresssymptome die Psyche beeinflussen oder wie Zeitmanagement erfolgreich hilft, Kräfte zu sparen. Psychologen erklären, wie Angst und Depression die Schmerzwahrnehmung beeinflussen und wie das Schmerzgedächtnis gelöscht werden kann. Ergänzt wird das Angebot durch wohltu- ende Schwefelbäder, denn warmes Schwefelwasser wirkt positiv auf das vegetative Nervensystem und ist ein probates Mittel für den Stressabbau für alle, die beruflich oder privat ständig im oberen Drehzahlbereich agieren oder agieren müssen. „In die- ser einen Woche wollen wir mit Ihnen gemeinsam Methoden entwickeln, um Ihre Kräfte zu stärken, damit Sie Ihre persönlichen Ziele verfolgen und Belastungen standhalten können. Dabei erarbeiten wir individuelle Themen, die Ihnen erlauben, Grenzen und Stressfaktoren zu erkennen und eigene Bedürfnisse wahrzunehmen.

Ziel dieser Woche ist eine Bewusstseinsschärfung. Uns liegt daran, dass Sie es nach diesem Aufenthalt schaffen, die erarbeiteten Maßnahmen in Familie und Beruf umzusetzen“, sagt Winter-Steinhofer.


So gelingt der Kurswechsel

Das Angebot richtet sich an alle, die phasenweise gestresst, müde, unruhig oder angespannt sind, aber noch nicht in einem voll ausgebildeten Burnout stecken. Denn gerade für diese Zielgruppe helfen auch kurzfristig erlernbare Ent- spannungsmaßnahmen, um die Person wieder ins Gleichgewicht zu bringen. „Zur Prävention ist eine Kurzzeitinterven- tion von einer Woche angemessen. Wer bereits in einem Burnout steckt, braucht aber dringend eine längere Erho- lungspause vom Alltag“, sagt die Expertin. Sie betont, dass schon in der Prävention durch die Kombination von Maß- nahmen, die Körper, Psyche und Geist ansprechen, oft ein Kurswechsel gelingt. Damit kann die Gefahr tiefgreifender Erschöpfung, die zum Burnout führen kann, gebannt werden. Was letzten Endes bedeutet, dass Sie sich wieder wohl- fühlen, neue Freude am Leben verspüren und mit Kraft ans Werk gehen können – kurz, dass Sie sich bei sich selbst wieder zu Hause fühlen.

FOTOs: istockkphoto , Herz-Kreislauf-Zentrum GroSS Gerungs

Zur Burnout-

Prävention ist

eine Kurzzeit-

Intervention

von einer

Woche ange- messen.

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 04/2017