WUNDEN

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Gut verheilt

Ob zu Hause oder beim Sport: Unfälle können leicht passieren. Oberflächliche Schnitt- und Schürfwunden kann man selbst versorgen. Bei Bisswunden, Verbrennungen oder tieferen Wunden ist es besser, zum Arzt zu gehen.

In der warmen Jahreszeit ist die Lust auf Freizeitsportarten wie Radfahren, Fußballspielen oder Wandern groß. Doch schon die Wahl von ungeeignetem Schuhwerk oder ein falscher Schritt auf unwegigem Gelände kann zu Stürzen führen. Auch die eigenen vier Wän- de sind alles andere als sicher: Statistisch gesehen passieren die meisten Unfälle zu Hause oder in der näheren Wohnumgebung. Im Vorjahr verletzten sich laut Kuratorium für Verkehrssicherheit 39 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher im eigenen Haushalt. 36 Prozent hatten Unfälle in der Freizeit oder beim Freizeitsport. Ein kurzer Moment der Unachtsamkeit genügt, man ver- knöchelt sich, gerät aus dem Gleichgewicht, fällt auf den Boden und schon klafft eine blutende Wunde.


Wunde ausspülen

Was tun, wenn das Malheur geschehen ist? „Zuerst muss man die Wunde mit sauberem, handwarmem Wasser ausspülen, um Schmutz, Steinchen usw. zu entfernen“, erklärt Dr. Elfriede Wilfinger, die Chefärztin vom Roten Kreuz Niederösterreich. Vorsicht gelte bei großflächigen Wunden, warnt Wilfinger: „Diese nicht mit eiskaltem Wasser ausspülen, weil das für Verletzte unangenehm ist und zu einer Unterkühlung führen könnte.“ Anschließend versorgt man die Wunde mit einer keimfreien Wundauflage, die mit einem Dreiecktuch oder Verband fixiert wird. Außerdem: Vorher abklären, ob die betroffene Person außer der Wunde noch andere Schmer- zen hat. „Nach der Wundversorgung sollte man den Betroffenen hinsetzen lassen und einige Zeit beobachten.“


Tiefe Schnittwunden nähen lassen

Kleine Schnittwunden kommen im Alltag häufig vor. So kann es leicht dazu kommen, dass man sich beim Kochen mit dem Messer in den Finger schneidet oder beim Hantieren mit einer scharfen Rasierklinge verletzt. Sind nur die oberen Hautschichten betroffen, kann die Wunde mit einem einfachen Pflaster versorgt werden. Problematisch sind tiefere Schnittwunden, bei denen auch Blutgefä- ße, Nerven oder Sehnen verletzt sind, was zu starken Blutungen und zu Gefühlsstörungen führen kann. In diesem Fall sollte man ei- nen Arzt aufsuchen, der die Wunde innerhalb der ersten sechs Stunden nähen und verschließen muss, damit sie gut heilen kann. Wer sich eine Biss-, Riss-, Platzwunde oder Wunde im Gelenksbereich zugezogen hat (siehe Interview), sollte sich ebenfalls unbe- dingt in ärztliche Behandlung begeben.


Infektionsrisiko

In diesen Fällen besteht oft die Gefahr einer Infektion durch Bakterien, die sich durch Rötungen und Schwellungen sowie Empfin- dungen von Hitze und Schmerz bemerkbar macht. „Zusätzlich sondert die Wunde nach einer Infektion meist auch ein übel riechen- des gelb-grünliches Sekret ab“, weiß die Expertin. Durch bestimmte Bakterien kann bei tiefen Wunden auch ein Wundstarrkrampf (Tetanus) auftreten, der Muskelkrämpfe hervorruft. Alle zehn Jahre empfiehlt sich daher die Auffrischung der Tetanusimpfung. Grundsätzlich erfordern schlecht heilende oder infizierte Wunden ein spezielles Wundmanagement, das nur der Arzt vornehmen kann.

Unter Experten ist nach wie vor umstritten, ob Wunden besser an der Luft heilen oder feucht gehalten werden sollen. Laut neueren Studien ist die Heilung an der Luft bei kleineren Wunden von Vorteil. „In der letzten Phase der Wundheilung, in der sogenannten Epi- thelisierungsphase, soll die Wunde trocken gehalten werden, am besten an der Luft ohne Verband“, bestätigt Wilfinger. Ist die Wun- de abgeheilt, erfolgt die Narbenpflege. Dazu sind geeignete Salben oder Öle im Handel erhältlich.


Jacqueline Kacetl

Interview

Jede Phase erfordert andere Wundauflage

Welche Wundauflagen empfehlen Sie, um ein Verkleben mit Wundsekret zu vermeiden?

Jede Wundheilung verläuft in Phasen und jede Phase braucht eine entsprechende Wundauflage. Am Beginn steht die sogenannte Reinigungs- oder Exudationsphase. Hier nässt die Wunde und es dauert etwa drei Tage, bis das aufhört. Deshalb sind gut saugende, luftdurchlässige Wundauflagen empfeh- lenswert. Anschließend folgt die Granulationsphase, in der wieder frisches, neues Gewebe aufgebaut wird. Hier braucht die Wunde Schutz und soll leicht feucht gehalten werden. Deshalb sind Hydroge- lverbände gut und heilungsfördernd. Zum Abschluss folgt die Epithelisierungsphase, in der sich die oberflächliche Zellschicht verdichtet und zum vollständigen Wundverschluss führt. Geeignete Wun- dauflagen für die Erstversorgung sind luftdurchlässige Pflaster mit Wundpolster, Silikonschaumstoff -Wundauflagen bei stark nässenden Wunden und metallbeschichtete Wundauflagen bei Schürfwunden, Verbrennungen und Verätzungen, da sie das Risiko der Wundverklebung verringern und luftdurchläs- sig sind- .


Warum heilen selbst oberflächliche Schürfwunden oft langsam ab und womit kann man die Wundheilung beschleunigen?

Das kann an der Lage der Wunde liegen, etwa über einem Gelenk, wo das Wundareal keine Ruhe hat (z. B. Schürfwunde am Kniegelenk), an einem falschen Verband (verklebt, wird immer wieder aufgeris- sen) oder auch wegen einer Grunderkrankung (Durchblutungsstörungen oder Mangelernährung). Die Wundheilung kann durch Ruhigstellen, einen fachgerechten Wundverband sowie die Behandlung einer bestehenden Grunderkrankung beschleunigt werden- .


Bei welcher Art von Verletzungen sollte man unbedingt zum Arzt?

Viele kleine Wunden können von Ersthelfern selbst versorgt werden. Dennoch gibt es Situationen, in denen das Aufsuchen eines Arztes bzw. Absetzen eines Notrufs ratsam ist :

-der Verletzte hat in den letzten zehn Jahren keine Tetanusimpfung erhalten.

-Große Wunden: ab ca. 2 cm Breite und 5 mm Tiefe

-Bisswunden (Infektionsgefahr)

-Wunden in Gelenksnähe (Gefahr der Gelenksinfektion)

-Wunden am Hand- und Fußrücken (wegen möglicher Verletzung der Sehnen)

-Wunden mit Fremdkörpern

-Augenverletzungen

-Stich- und Schusswunden

-Wunden im Bereich der Geschlechtsorgane

-Verbrennungen ab dem zweiten Grad

-Verätzungen

-Erfrierungen

Dr. Elfriede Wilfinger,

Chefärztin und Vize-

präsidentin des Roten

Kreuzes Niederöster- reich

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 09/2018