GESUND WERDEN & BLEIBEN  - VENEN

Venen-fit

bleiben

Müde und schwere Beine sind ein Alarmsignal.

Wie Sie überlastete Venen vermeiden.

Foto: istockphoto/ Dragon Images

Sie tragen eine enorme Verantwortung: Täglich fließen einige tausend Liter Blut durch die Venen. In ihnen wird das sauerstoffarme Blut in Richtung Herz transportiert. In der Lunge wird es mit Sauerstoff angereichert und von der linken Herzkammer über die Aorta (Hauptschlagader) in die Arterien gepumpt. Weil der Herzschlag an ihnen gut ertastet werden kann, werden Arterien auch Schlagadern genannt. Sie versorgen den ganzen Organismus mit Nähr- und Sauerstoffen. Dabei muss das angereicherte Blut mit hohem Druck auch an die Extremitäten, also etwa zu den Händen und Füßen ge- langen. Die Arterienwände sind daher kräftiger als die der Venen, in denen das Blut unter geringerem Druck langsamer zum Herz fließt. Die Wände der Venen sind dünner, bestehen aus elastischem Bindegewebe und geben leichter nach.


Muskelpumpe Waden

Zusätzlich sind sie mit Venenklappen ausgestattet, die den Blutfluss regulieren. Sie verschließen sich, wenn das Blut nicht mehr herzwärts fließt und verhindern so ein Ab- sacken des Blutes. Sind die Venenklappen schwach oder beschädigt, spricht man von einer venösen Insuffizienz oder Venenschwäche. Das gegen die Schwerkraft in Richtung Herz gepumpte Blut sackt wieder zurück und staut sich.

Die Folgen: geschwollene Beine und dicke Knöchel. Besonders strapazi- ös für die Venen sind langes Sitzen oder Stehen. Wenn wir etwa lange vor dem Bildschirm verharren oder im Flugzeug viele Stunden beengt und be- wegungslos sitzen, wird die Muskelpumpe in den Waden nicht genutzt. Beim Gehenoder Laufen spannen wir die Wadenmuskel an. Durch die Muskelkontraktion werden die Venen zusammengedrückt und das Blut aus den Beinen zum Herz befördert. Bei langem Sitzen sollte man daher immer Bewegungspausen einplanen.


Volkskrankheit Venenleiden

„Der Mensch ist so alt wie seine Gefäße“, schrieb der deutsche Arzt und Pathologe Rudolf Virchow bereits im 19. Jahrhundert. Eine Aussage, die bis heute nicht an Aktualität verloren hat. Denn die Venenklappen nehmen mit zunehmendem Alter ab: Mit siebzig Jahren hat sich ihre Zahl auf rund ein Fünftel reduziert. Daher steigt im höheren Alter auch das Risiko einer Venenschwäche, die von feinen Besenreisern bis zu dicken, bläulichen Krampfadern reicht. Zu den Venenerkrankungen zählen auch Entzündun- gen der oberflächlichen Venen, Thrombosen (Verschluss der tiefen Ve- nen) und das offene Bein (Beingeschwür). Weltweit zählen Venenleiden nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu den häufigs- ten Erkrankungen. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Ursachen sind das weichere Bindegewebe von Frauen und das weibliche Hormon Östrogen. Besonders bei Schwangeren steigt durch die höhere Östrogen- Konzentration die Anfälligkeit für Venenleiden.


Venenfreundlich

Im Sommer treten geschwollene Beine und Füße häufiger auf, weil sich durch die Hitze die Gefäße erweitern. Es bleibt dadurch mehr Blut in den Venen und der Rücktransport zum Herz wird erschwert. Experten raten, lange Sonnenbäder zu vermeiden und sich mit kleinen Übungen zu hel- fen. Wenn man sich zum Beispiel abwechselnd von der Ferse auf die Ze- hen stellt, stärkt das den venösen Rückstrom. Langes Stehen und Sitzen, Rauchen, Übergewicht, Bewegungsmangel und die Anti-Baby-Pille sind Gift für die Venen. Das A und O gesunder Venen ist viel Bewegung. Wie aus Studien hervorgeht, ist die Bewegungsfreude der Österreicher im All- tag im EUVergleich nicht sehr hoch. Dabei ist es so einfach, den Venen Gutes zu tun: Am besten täglich mindestens fünfzehn Minuten zu Fuß ge- hen und so oft Sport treiben wie möglich. Dazu eignen sich venenfreundli- che Sportarten wie Joggen, Nordic Walking, Radfahren oder Schwimmen.



JACQUELINE KACETL

Mythen rund um die Venen

Hartnäckig halten sich folgende Behauptungen, die aber wissenschaftlich nicht bewiesen sind.

+ Enge Hosen: Der Vorliebe für enge Hosen werden oft unliebsame Folgen wie die Entstehung bzw. Verschlimme- rung von Krampfadern zugeschrieben. Ein Zusammen- hang zwischen dem Tragen enganliegender Beinkleidung und der Bildung von Krampfadern ist medizinisch nicht be- legt.

+ Übereinandergeschlagene Beine: Es ist nicht gesund, beim Sitzen häufig die Beine übereinanderzuschlagen, weil der Blutfluss dadurch beeinträchtigt wird. Zu Krampf- adern führt diese Sitzhaltung jedoch nicht. Ein Risiko stellt eher eine sitzende oder stehende berufliche Tätigkeit aus.

+ Kalte Duschen: Morgendlich lieber kalt zu duschen, hat zweifellos positive Gesundheitseffekte. Es+stärkt das Im- munsystem, fördert die Durchblutung und strafft die Haut. Nicht nachgewiesen ist, dass regelmäßiges kaltes Du- schen eine vorbeugende Wirkung gegen Krampfadern hat.

3 Tipps für gesunde Venen

1 Schuhe: Auf hochhackige Schuhe sollte man weitge- hend verzichten. Das Tragen von High Heels behindert die Funktion der Muskelpumpe in den Waden. Zu einem kompletten Verzicht auf hohe Absätze wird bei einer be- reits vorhandenen Schwäche der Klappen in den tiefen Venen geraten. Besser ist, auf bequeme, flache Schuhe umzusteigen.


2 Reisen: Lange Reisen mit Flugzeug, Bahn, Bus oder Auto belasten die Venen. Über viele Stunden hinweg fast unbeweglich zu sitzen, erschwert den Blutfluss und führt zu einem Stau in den Beinen. Mit kleinen Bewe- gungen wie dem Auf- und Abwippen oder dem Kreisen der Füße aktiviert man die Muskelpumpe. Im Flugzeug immer wieder aufstehen und einige Minuten hin- und hergehen. Dazu viel Flüssigkeit wie Wasser und Säfte trinken. Auf Alkohol und Kaffee verzichten. Vorbeugend können auch Kompressionsstrümpfe getragen werden.


3 Bewegung: Ausreichende Bewegung sind das Um und Auf eines venengesunden Lebens. Bei sitzenden Tätigkeiten häufig die Sitzposition ändern und immer wieder Bewegungsmöglichkeiten suchen. Falls mög- lich, die Füße so oft wie möglich hochlagern. Auch in den Alltag möglichst viel Bewegung einbauen: zum Bei- spiel das Auto für kurze Strecken stehen lassen und lie- ber zu Fuß gehen, oder in der Mittagspause einen Spa- ziergang machen. Am idealsten ist regelmäßiger Sport. Das kann die Nutzung eines Heimtrainers, Venengym- nastik, Wandern, Joggen, Radfahren, Schwimmen, Tan- zen, Nordic Walking oder Skilanglauf sein.

Vorsicht bei Bluthochdruck


Wie ein Kraftwerk pumpt das Herz literweise Blut durch den Organismus. Wie in allen westlichen Industrieländern zählen Herz-Kreislauf-Erkrankungen auch in Öster- reich zu den häufigsten Todesursachen.

+  Gefahr Hypertonie: Ist der Druck, mit dem das Herz Blut in die Arterien drückt, zu hoch, können in den Gefäßen feine Risse entstehen. Bluthochdruck (Hypertonie) bleibt oft unentdeckt, sollte aber nicht unterschätzt werden: Folgen können Herzkrankheiten, Arterienverkalkung (Atherosklerose) und Herzmuskelschwäche sein. Im schlimmsten Fall kann hoher Blutdruck zum Schlaganfall führen.

+ Risiken vermeiden: Die regelmäßige Kontrolle des Blutdruckes ist empfehlenswert. Hypertonie wird von vielen nicht-beeinflussbaren Faktoren (wie erbliche Veranla- gung) verursacht. Daneben gibt es auch Risikofaktoren, die man ausschalten kann: Rauchen, Stress, falsche Ernährung, Übergewicht, Bewegungsmangel und hoher Alkoholkonsum.

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 04/2017