Die „Bewegte Klasse“

Die „Bewegte Klasse“ für die Volksschule, Hauptschule und AHS-Unter-   stufe ist gleichzeitig Bewegungsprogramm für Kinder und Fortbildung für Lehrer vor Ort durch ein Expertenteam. Kinder einer „Bewegten Klassen“ lernen aktiver und mit allen Sinnen. Unterricht bedeutet Spaß und Abwechslung und fördert die sozialen Kompetenzen durch Kommunikation innerhalb der Gruppe.

Beim Aktiven Lernen spielt auch die Erlebnispädagogik eine große Rolle. Fantasie und die Macht der inneren Bilder stehen im Mittelpunkt der Bewegungseinheiten. Es gibt mehr als nur eine richtige Lösung, Teamarbeit ist nötig, Probieren und Fehlermachen sind dabei genauso wichtig wie die individuellen Strategien, die tatsächlich zum Ziel führen. Die Anmeldung zur „Bewegten Klasse“ erfolgt immer am Ende des Schuljahres für das kommende Schuljahr.

Informationen:
www.gesundheitsforum.at

Informationen:

www.diegesundeschule.at

Gesund leben in der Schule

Bereits 11.000 Schüler in NÖ nehmen am neuen Programm zur Gesundheitsförderung teil.

Gesund leben – das muss jeder Mensch auf seine Weise lernen und üben. Vorbilder und Vorlieben sind dabei ebenso maßgeblich wie die vielen kleinen Gewohnheiten und Impulse, die wir im Alltag setzen. Kinder und Jugendliche übernehmen im Bereich Lebensstil viele Gewohnheiten aus dem eigenen Elternhaus – vom Speiseplan bis zum Bewegungsverhalten. Wissenschaftliche Studien belegen, dass neben der Familie auch die Schule eine wichtige Rolle dabei spielt, wie der Nachwuchs mit seiner Gesundheit umgeht.
Deshalb setzt das Land Niederösterreich bei der Gesundheitsförderung auf die Schulen: Bewährt hat sich seit Jahren das Projekt „Bewegte Klasse“ in den Volksschulen, ein Erfolgsprogramm des Gesundheitsforum NÖ in Kooperation mit dem Landesschulrat für NÖ (siehe Seite 9). Dieses Projekt gibt es seit dem vorigen Schuljahr auch in Hauptschulen und AHS-Unterstufen. In diesem Schuljahr nehmen insgesamt 11.000 Schüler in 200 Schulen an diesem Programm teil.

Piratenschatz im Säuresee

Wie funktioniert die „Bewegte Klasse“? Da gibt es dann zum Beispiel das Thema Piraten und eine wilde Geschichte: Alle Piraten sollen gemeinsam einen Schatz aus einem Säuresee bergen. Eigentlich geht es um Bewegung, um Strategien, wie man Aufgaben gemeinsam löst, um gute Ideen und um die Rollenverteilung in der Gruppe, sagt Experte Mag. Ulrich Pammer: „Der See, der nicht berührt werden darf (Durchmesser: 4 m), wird mit einem Seil am Boden ausgelegt. Dahinter steht ein Baum (bzw. die Sprossenwand). Mitten im See liegt ein Apfel, der mit der Hand aufgehoben werden soll. Als einziges Hilfsmittel dafür gibt es ein zusätzliches Kletterseil oder ein Tau. Nun beraten die Piraten sich untereinander, wie der Schatz zu heben sei.
Die Aufgabe fordert Kreativität und Solidarität.“ Nach dem Schatzheben im Turnsaal zeichnen die Kinder das Erlebte. Pammer: „Die individuellen inneren Bilder werden dabei aktiviert. Wo befinden sich die Kinder selbst auf ihrer Zeichnung? Fächerübergreifend werden zu den Bildern dann Geschichten erfunden und aufgeschrieben.“

Mehr als eine Turnstunde

Damit ist die „Bewegte Klasse“ viel mehr als das 1x1 auf der Sprossenwand lernen – es geht auch um psychische Gesundheit und soziales Lernen. „So ist es auch in den ,Gesunden Schulen‘”, sagt Mag. Markus Mitmannsgruber, Projektleiter in der Agentur für Gesundheitsvorsorge, der die Schulen in Zusammenarbeit mit dem Landesschulrat für NÖ betreut, „denn am erfolgreichsten sind Programme, die die gesamte Schule miteinbeziehen.“ Wie in der WHS Berndorf: Gemeinsame Projekte und Workshops, Sportwoche, Gesunde Jause, der Lovebus, ein Kräutergarten, ein attraktiver Pausenraum und Aktives Lernen sind nur einige Beispiele, was dort zum Gesundsein beiträgt. Im vorigen Schuljahr starteten zehn Projektschulen, mit September sind 30 neue Schulen dabei. Jede Schule hat eine Steuerungsgruppe, die vorzugsweise aus Direktion, Lehrern, Schularzt, Schulpsychologe und Elternvertretern bestehen sollte. Ein Experte des Gesundheitsforum NÖ berät und hilft beim Planen und Umsetzen. Auch die Schüler werden in die Entscheidungsprozesse einbezogen. Für die Schulen selbst bringt das Programm jede Menge Vorteile, wie neue Impulse zur Gesundheitsförderung, Imagewerbung und zusätzliche Unterrichtsmodule  in den Bereichen Ernährung, Bewegung, psychosoziale Gesundheit, Gesundheitsvorsorge, schulische Umwelt und Ökologie.

Schulen brauchen Gesundheitsförderung

Über 4.000 Schüler und Lehrer in den Pilotschulen wurden gefragt, wie ihnen das Programm „Gesunde Schule“ gefällt und was es bringt. Das Resümee: 

  • 74 % begrüßen den Themenschwerpunkt „Gesundheit“.
  • 80 % würden gerne in der Schule mehr für ihre Gesundheit tun.
  • 87 % stufen die Resonanz ihrer Kollegen auf das Projekt „Gesunde Schule“ in NÖ als gut bis eher gut ein.
  • Über 95 % der Lehrer finden es gut, dass das Projekt „Gesunde Schule“ an ihrer Schule stattfindet.

Eine gute Bilanz für den Start. Und hervorragende Aussichten für die insgesamt 40 „Gesunden Schulen“ in Niederösterreich.

 

Text: Riki Ritter-Börner, Herbert Wojta
Foto: Roland Voraberger

„Gesundheit ist das Wichtigste“

Im Gespräch mit GESUND+LEBEN erklärt LR Wolfgang Sobotka, warum Investitionen bei den Kindern und Jugendlichen sich besonders lohnen.

G+L: Nach der „Bewegten Klasse“ jetzt die „Gesunde Schule“ – warum?
Sobotka: Gesundheit ist wohl das Wichtigste, was wir unseren Kindern für ihre Zukunft mitgeben können. Mit der „Gesunden Schule“ ermuntern wir dazu, die ersten Schritte in ein nachhaltig gesundes Leben zu setzen.

G+L: Reicht die Erziehung der Eltern nicht aus?
Sobotka: Das kann man so nicht sagen. Was die Eltern den Kindern mitgeben, ist entscheidend. Deshalb bekommen Eltern in den NÖ Landeskliniken das „tut gut“-Babykochbuch mit auf den Weg, damit sie wissen, wie sie ihr Kind nach dem Stillen gesund ernähren können. Das Elternhaus ist entscheidend, etwa die gemeinsamen Mahlzeiten, das gemeinsame Spazieren und Wandern, Schwimmen und Schifahren, das prägt Kinder.

Viele Jugendliche konsumieren reichlich Fast Food, obwohl ihre Eltern das wesentlich seltener am Speiseplan haben. Und daraus folgen viele gesundheitliche Probleme. Deshalb brauchen wir eine konsequente Linie in der Gesundheitsvorsorge, zu der auch die Schulen gehören.

G+L: In vielen Schulen wird verantwortungsbewusst und gesundheitsfördernd gearbeitet. Reicht das nicht aus?
Sobotka: Nur durch ganzheitliche Veränderungen im System Schule gibt es langfristige Erfolge. Das beginnt damit, wie der Getränkeautomat befüllt ist und endet nicht zuletzt bei einem gesunden Umgang mit Prüfungsstress. Dazu gehört auch noch viel mehr, von der Grundeinstellung der Lehrer bis zum bewegungs- anregenden Pausenhof wie im Wr. Neustädter Gymnasium Zehnergasse. (Anm.: siehe G+L 05/08)

G+L: Das bedeutet, die Schulen müssen sich auf Dauer verändern?
Sobotka: Das müssen sie laufend, denn wie sollen sie sonst die Kinder und Jugendlichen auf eine sich verändernde Welt vorbereiten? Das Wichtigste dabei ist, dass Gesundheit ein durchgängiges Prinzip ist. Nur wenn jeder von uns lernt, eigenverantwortlich einen gesunden Lebensstil zu pflegen, werden wir es schaffen, dass die Gesundheitserwartung mit der steigenden Lebenserwartung mithält, dass das Leben unserer Kinder also nicht nur länger als unseres ist, sondern auch gesünder.