Die richtige Nordic-Walking-Technik

Nordic Walking funktioniert im Prinzip wie der klassische Diagonalschritt beim Skilanglauf; die Technik ist relativ schnell erlernbar. Beim Grundschritt in der Ebene wird der Fuß deutlich vor dem Körperschwerpunkt aufgesetzt. Die Abroll-Linie des Fußes führt vom Fersenaußenrand zur Großzehe. Diese Linie sollte genau in Fortbewegungsrichtung zeigen. Gleichzeitig mit dem Aufsetzen des Fußes erfolgt der Stockeinsatz mit dem gegenüberliegenden Arm: Bei flottem Schritt wird der Stock auf Höhe der gegenüberliegenden Ferse aufgesetzt, bei langsamerem Tempo etwas hinter der Fersenlinie.
Der Unterarm zeigt beim Stockeinsatz leicht unter die Waagrechte. Dann wird das hintere freie Bein aktiv nach vorne geschwungen. Der gegenüberliegende freie Stock pendelt ebenfalls nach vorne. Der Arm ist dabei leicht gebeugt. Während man das freie Bein leicht gebeugt nach vorne führt, wird das Standbein von der Hüfte über das Knie bis zum Sprunggelenk kräftig durchgestreckt und vom Boden abgestoßen. Die Beinstreckung wird mit einem kräftigen Stockschub unterstützt. Dabei öffnet sich die Hand und die Finger werden gestreckt. Am Ende des Stockeinsatzes ist der Arm deutlich hinter der Hüftlinie und im Ellbogen weitgehend gestreckt. Nun ist alles bereit für den nächsten Schritt.

Der sanfte Weg zur Fitness

Nordic Walking zählt zu den beliebtesten Sportarten der Österreicher und ist ein optimales Ausdauertraining für sportliche Einsteiger. Richtig ausgeführt beansprucht man dabei bis zu 90 Prozent der Muskulatur.

„Klack, klack, klack, klack …“ hört man sie meist schon von weitem – die Nordic Walker, die bewaffnet mit dünnen, langen Stöcken seit Jahren unaufhörlich und in Scharen durch die Gegend marschieren.
Seinen Ursprung hat das schnelle Gehen mit Stöcken in Finnland, wo diese Sportart 1997 als Sommertrainingsmethode für Skilangläufer entwickelt wurde. Mittlerweile hat sich Nordic Walking auch in Österreich zu einer Trendsportart entwickelt. Es ist zu einer der beliebtesten Freizeitbeschäftigungen und zum Hobby einstiger Stubenhocker geworden.

Nordic-Walking-Pionier aus NÖ

Einer der Ersten, der hierzulande mit dieser Sportart in Berührung kam und sie seither nicht mehr missen möchte, ist Stefan Grubhofer. Der Niederösterreicher ließ sich Ende der 1990er-Jahre trotz anfänglicher Skepsis gegenüber der unbekannten Sportart zum Nordic-Walking-Professional-Instructor ausbilden: „Die Firma Exel, ein Erzeuger von Stöcken, hat für die Sportunion Österreich Trainer aus dem Fitness- und Aerobicbereich mit der Sportart vertraut gemacht. Dabei wurde uns schnell klar, dass Nordic Walking mehr ist als Walken mit Stöcken – es ist eine Ganzkörpersportart.“ Denn mit der richtigen Technik werden bis zu 90 Prozent aller Muskeln beansprucht, wesentlich mehr als beim Walken ohne Stöcke oder beim Laufen.

Überzeugungsarbeit vonnöten

Nordic Walking als sinnvolle sportliche Betätigung in der Bevölkerung zu verankern, war in den Anfangsjahren harte Überzeugungsarbeit. Das musste auch Stefan Grubhofer erkennen, der als Meinungsbildner das Nordic Walking in den Vereinen etablieren sollte: „Es war schwierig, die Leute zu motivieren und zu überzeugen.“ Selbst bei den Damen in Niederöblarn, die bei Grubhofer davor schon Walking-Kurse zur Gewichtsreduktion besucht hatten, stieß der heutige Sportland-NÖ-Koordinator mit der Neo-Sportart anfangs auf Widerstand. Grubhofer: „Sie haben mir zwar vertraut, weil sie gewusst haben, dass ich normalerweise keinen Blödsinn mit ihnen mache. Aber sie wollten beim Training nicht gesehen werden. Wir sind dann halt nicht durch den Ort, sondern entlang der Enns marschiert.“ Nach einigen Einheiten und erkennbaren Fortschritten nahmen die Kursteilnehmerinnen dann doch ihren Mut zusammen und riskierten den Gang durch den Ort. Kommentare wie „Na, habt’s die Ski vergessen“ blieben da nicht aus. Trotz aller Geringschätzung und Skepsis war der Siegeszug des Nordic Walking aber nicht mehr aufzuhalten. Denn: Es spricht einfach zu viel für diese Sportart.

Ganzkörpertraining in der Natur

Warum wurde Nordic Walking trotz aller Startschwierigkeiten doch noch zur Trendsportart? „Es ist einfach eine wahnsinnig schöne Sport- und Freizeitbeschäftigung, die von jedermann und jederfrau jeden Alters und jeder Leistungsfähigkeit – egal ob Sporteinsteiger, mäßig Fortgeschrittener oder Leistungssportler – gemacht werden kann und das alleine, zu zweit, in der Gruppe und vor allem draußen in der Natur“, fasst Stefan Grubhofer die Vorteile in einem Satz zusammen. Zusätzlicher Pluspunkt: Nordic Walking ist ein verhältnismäßig kostengünstiger Sport. „Die billigen Stöcke kosten 30, die mittleren 70 und die teuren 110 Euro. Die hat man aber dafür dann mindestens fünf Jahre“, weiß der Walking-Experte.

Vom Einsteiger bis zum Profi

Optimal ist Nordic Walking laut Grubhofer für Sporteinsteiger, die etwas im Ausdauer- oder Kräftigungsbereich tun wollen. Aber auch Menschen mit Übergewicht, die abnehmen wollen, oder all jene, die nach Verletzungen wieder sportlich aktiv werden wollen, sind mit Nordic Walking gut beraten, denn die Gelenke werden im Vergleich zu anderen Sportarten wie etwa Laufen geschont. Geeignet, wenn auch noch viel zu selten praktiziert, ist es auch als Ausgleichs- und Regenerationstraining für Leistungssportler. Denn obwohl die Belastung beim Nordic Walking sehr oft belächelt wird, kann sich der Trainingseffekt, der oft unterschätzt wird, mehr als sehen lassen.

Richtige Technik wichtig

Im Vergleich zum Walken ohne Stöcke erzielt man beim Nordic Walking bei vergleichbarer Stoffwechselbeanspruchung nämlich fünf bis 15 Herzschläge pro Minute mehr; es ist also eine bis zu 20 Prozent höhere Herz-Kreislauf-Aktivität feststellbar.
Auch der Kalorienverbrauch ist höher als beim herkömmlichen Walken. Außerdem ist beim Nordic Walking, vorausgesetzt man beherrscht die richtige Technik, ein größerer Anteil der Körpermuskulatur beteiligt. Die wird aber nicht nur gestärkt. Grubhofer: „Wenn man wirklich mit den Armen schwingt, dann hat man auch eine Entspannung in den Muskelpartien im Rücken, in den Schultern und im Nacken. Das ist ein wesentlicher Punkt für Bürohengste wie mich.“ Ein guter Grund also, öfters zu den Stöcken zu greifen.

 

Text: Ingrid Vogl
Foto: BigShot

Positive Effekte von Nordic Walking

  • Spaßfaktor: Hoch durch die Bewegung in der Natur; mit einem Partner oder in der Gruppe kann man sich auch währenddessen unterhalten. Auch für Einsteiger ist eine schnelle Leistungssteigerung möglich.
  • Herz-Kreislauf-System: Im Vergleich zum Walken (ohne Stöcke) ist die Herzfrequenz um fünf bis 15 Schläge erhöht.
  • Fettabbau: Je nach Intensität der Belastung läßt sich ein Energieverbrauch von 400 bis 750 Kalorien pro Stunde erzielen. Das heißt: Damit kann man abnehmen. Bei richtiger Dosierung der Belastung verbrennt man Fettreserven rund um Hüfte, Oberschenkel und Bauch.
  • Kraft: Bis zu 90 Prozent aller Muskeln werden beansprucht. Besonders gestärkt werden Rücken-, Bauch-, Gesäß-, Oberschenkel- und Wadenmuskulatur. Durch den Stockeinsatz wird mit der richtigen Technik auch die Arm- und Schultermuskulatur gekräftigt.
  • Ausdauer: Es ist der optimale Ausdauersport für sportliche Einsteiger.
  • Schonung der Gelenke: Knie- und Hüftgelenke werden im Vergleich zum Laufen geschont. Die Stoßbelastungen sind beim Laufen etwa drei- bis viermal so hoch wie beim Nordic Walken, das daher ideal für ältere oder bislang inaktive Menschen mit Gewichts- oder Gelenkproblemen ist. Auch in der Rehabilitation nach Verletzungen und Operationen kommt Nordic Walking zum Einsatz.

10 Tipps zum Nordic Walking

  1. Ärztliche Untersuchung: Wer mehr als fünf Jahre keinen Sport betrieben hat, wer älter als 35 Jahre ist, wer regelmäßig Medikamente nehmen muss, wer an Krankheiten des Herz-Kreislauf-Systems oder an Verletzungen laboriert, der sollte beim Arzt unbedingt abklären, ob es Einwände gegen sportliche Aktivitäten wie Nordic Walking gibt.
  2. Kurs als Einstieg: Wer Nordic Walking regelmäßig betreiben will, sollte die Technik von Grund auf richtig lernen. Am besten macht man das in einem der zahlreichen Kurse, die im ganzen Land angeboten werden. Denn die Korrektur eines erfahrenen Trainers fehlt beim Eigenstudium.
  3. Besonderheiten der Stöcke: Die richtigen Stöcke sind beim Nordic Walking das Um und Auf. Skistöcke sind keinesfalls geeignet. Nordic-Walking-Stöcke bestehen meist aus Karbon oder Aluminium, sind möglichst leicht und stabil und je nach Karbon-Anteil mehr oder weniger elastisch. Der Griff ist ergonomisch geformt, eine spezielle Handschlaufe ermöglicht das freie Schwingen des Stockes. Eine Hartmetall-Spitze sorgt für optimalen Halt in Erdreich oder Schotter. Für Asphalt gibt es eigene Asphaltpads, Hartgummiaufsätze zur Dämpfung und Geräuschverminderung.
  4. Verschiedene Arten von Stöcken: Bei den Nordic-Walking-Stöcken unterscheidet man zwischen Teleskopstöcken und fixen Stöcken. Teleskopstöcke sind längenverstellbar und haben den Vorteil, dass man im bergigen Gelände die Stocklänge an die Gegebenheiten anpassen kann –bergauf etwas kürzer einstellen als in der Ebene oder bergab. Wer vor allem in der Ebene unterwegs ist, sollte zu Stöcken mit fixer Länge greifen.
  5. Richtige Länge der Stöcke: Nur mit der richtigen Stocklänge ist eine optimale Technik möglich. Die optimale Länge: Stock senkrecht am Boden aufsetzen, wobei der Oberarm am Oberkörper anliegt. Der richtige Winkel vom Oberarm zum Unterarm beträgt etwa 90 Grad. Wichtig: Mit den Sportschuhen testen, mit denen man trainiert.
  6. Passende Schuhe: Für den Anfang reichen Laufschuhe, Trekkingschuhe oder bequeme outdoorgeeignete Sportschuhe. Sie sollten nicht zu hoch sein (also keine Bergschuhe!), um genügend Bewegungsfreiheit beim Knöchel zu haben. Wichtig ist ein guter Fersenhalt und ausreichend Spielraum im Zehenbereich: vor der großen Zehe etwa eine Daumenbreite Platz.
  7. Optimale Bekleidung: Bei regelmäßigem Training ist Sportbekleidung empfehlenswert, am besten Funktionsbekleidung. Optimal wäre auch eine Pulsuhr. Einsteiger profitieren anfangs von speziellen Nordic-Walking-Handschuhen, die Reibungen durch die Stockschlaufe verhindern.
  8. Dauer und Häufigkeit des Trainings: Für Einsteiger und Untrainierte sind zwei bis drei Einheiten zu 30 bis 45 Minuten pro Woche empfehlenswert. Nach etwa 15 Minuten Belastung sollte man eine dreiminütige Pause zum Regenerieren einlegen, dann wieder 15 Minuten trainieren, drei Minuten Pause etc. Fortgeschrittene können die Zahl der Einheiten auf vier pro Woche mit einer Dauer von einer Stunde erhöhen.
  9. Mehr als nur gehen: Nordic-Walking-Stöcke sind ein vielseitiges Sportgerät. Staffelspiele, Gleichgewichtsspiele, Koordinationsspiele oder auch spezielle Kräftigungs- und Dehnungsübungen lassen sich bei einem Training in der Gruppe bestens einbauen. Zum Beispiel Liegestütze auf den Stöcken.
  10. Intensivere Trainingsformen: Nordic Walking hat den Ruf, sportlich nicht wirklich anspruchsvoll zu sein. Zu Unrecht. Denn wem das herkömmliche Nordic Walking zu wenig anstrengend und zu wenig intensiv ist, der sollte es einmal mit Diagonalsprüngen (Nordic Jumping) oder Nordic Running probieren. Das geht ziemlich an die Substanz.

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Praunias, Josef; Aigelreiter, Helmut

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