Der sanfte Weg zur Fitness
Nordic Walking zählt zu den beliebtesten Sportarten der Österreicher und ist ein optimales Ausdauertraining für sportliche Einsteiger. Richtig ausgeführt beansprucht man dabei bis zu 90 Prozent der Muskulatur.
„Klack, klack, klack, klack …“ hört man sie meist schon von weitem – die Nordic Walker, die bewaffnet mit dünnen, langen Stöcken seit Jahren unaufhörlich und in Scharen durch die Gegend marschieren.
Seinen Ursprung hat das schnelle Gehen mit Stöcken in Finnland, wo diese Sportart 1997 als Sommertrainingsmethode für Skilangläufer entwickelt wurde. Mittlerweile hat sich Nordic Walking auch in Österreich zu einer Trendsportart entwickelt. Es ist zu einer der beliebtesten Freizeitbeschäftigungen und zum Hobby einstiger Stubenhocker geworden.
Nordic-Walking-Pionier aus NÖ
Einer der Ersten, der hierzulande mit dieser Sportart in Berührung kam und sie seither nicht mehr missen möchte, ist Stefan Grubhofer. Der Niederösterreicher ließ sich Ende der 1990er-Jahre trotz anfänglicher Skepsis gegenüber der unbekannten Sportart zum Nordic-Walking-Professional-Instructor ausbilden: „Die Firma Exel, ein Erzeuger von Stöcken, hat für die Sportunion Österreich Trainer aus dem Fitness- und Aerobicbereich mit der Sportart vertraut gemacht. Dabei wurde uns schnell klar, dass Nordic Walking mehr ist als Walken mit Stöcken – es ist eine Ganzkörpersportart.“ Denn mit der richtigen Technik werden bis zu 90 Prozent aller Muskeln beansprucht, wesentlich mehr als beim Walken ohne Stöcke oder beim Laufen.
Überzeugungsarbeit vonnöten
Nordic Walking als sinnvolle sportliche Betätigung in der Bevölkerung zu verankern, war in den Anfangsjahren harte Überzeugungsarbeit. Das musste auch Stefan Grubhofer erkennen, der als Meinungsbildner das Nordic Walking in den Vereinen etablieren sollte: „Es war schwierig, die Leute zu motivieren und zu überzeugen.“ Selbst bei den Damen in Niederöblarn, die bei Grubhofer davor schon Walking-Kurse zur Gewichtsreduktion besucht hatten, stieß der heutige Sportland-NÖ-Koordinator mit der Neo-Sportart anfangs auf Widerstand. Grubhofer: „Sie haben mir zwar vertraut, weil sie gewusst haben, dass ich normalerweise keinen Blödsinn mit ihnen mache. Aber sie wollten beim Training nicht gesehen werden. Wir sind dann halt nicht durch den Ort, sondern entlang der Enns marschiert.“ Nach einigen Einheiten und erkennbaren Fortschritten nahmen die Kursteilnehmerinnen dann doch ihren Mut zusammen und riskierten den Gang durch den Ort. Kommentare wie „Na, habt’s die Ski vergessen“ blieben da nicht aus. Trotz aller Geringschätzung und Skepsis war der Siegeszug des Nordic Walking aber nicht mehr aufzuhalten. Denn: Es spricht einfach zu viel für diese Sportart.
Ganzkörpertraining in der Natur
Warum wurde Nordic Walking trotz aller Startschwierigkeiten doch noch zur Trendsportart? „Es ist einfach eine wahnsinnig schöne Sport- und Freizeitbeschäftigung, die von jedermann und jederfrau jeden Alters und jeder Leistungsfähigkeit – egal ob Sporteinsteiger, mäßig Fortgeschrittener oder Leistungssportler – gemacht werden kann und das alleine, zu zweit, in der Gruppe und vor allem draußen in der Natur“, fasst Stefan Grubhofer die Vorteile in einem Satz zusammen. Zusätzlicher Pluspunkt: Nordic Walking ist ein verhältnismäßig kostengünstiger Sport. „Die billigen Stöcke kosten 30, die mittleren 70 und die teuren 110 Euro. Die hat man aber dafür dann mindestens fünf Jahre“, weiß der Walking-Experte.
Vom Einsteiger bis zum Profi
Optimal ist Nordic Walking laut Grubhofer für Sporteinsteiger, die etwas im Ausdauer- oder Kräftigungsbereich tun wollen. Aber auch Menschen mit Übergewicht, die abnehmen wollen, oder all jene, die nach Verletzungen wieder sportlich aktiv werden wollen, sind mit Nordic Walking gut beraten, denn die Gelenke werden im Vergleich zu anderen Sportarten wie etwa Laufen geschont. Geeignet, wenn auch noch viel zu selten praktiziert, ist es auch als Ausgleichs- und Regenerationstraining für Leistungssportler. Denn obwohl die Belastung beim Nordic Walking sehr oft belächelt wird, kann sich der Trainingseffekt, der oft unterschätzt wird, mehr als sehen lassen.
Richtige Technik wichtig
Im Vergleich zum Walken ohne Stöcke erzielt man beim Nordic Walking bei vergleichbarer Stoffwechselbeanspruchung nämlich fünf bis 15 Herzschläge pro Minute mehr; es ist also eine bis zu 20 Prozent höhere Herz-Kreislauf-Aktivität feststellbar.
Auch der Kalorienverbrauch ist höher als beim herkömmlichen Walken. Außerdem ist beim Nordic Walking, vorausgesetzt man beherrscht die richtige Technik, ein größerer Anteil der Körpermuskulatur beteiligt. Die wird aber nicht nur gestärkt. Grubhofer: „Wenn man wirklich mit den Armen schwingt, dann hat man auch eine Entspannung in den Muskelpartien im Rücken, in den Schultern und im Nacken. Das ist ein wesentlicher Punkt für Bürohengste wie mich.“ Ein guter Grund also, öfters zu den Stöcken zu greifen.
Text: Ingrid Vogl
Foto: BigShot