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| ![]() Diagnose: AusgebranntEs trifft die Eifrigsten und Vorbildlichsten: Überzogene Erwartungen und 100 Mails und mehr pro Tag, ständig klingelt das Telefon, eine Besprechung nach der anderen, mehrmals pro Woche Termine bis spät in den Abend, praktisch rund um die Uhr erreichbar sein. Oder aber gar keinen Job haben, deswegen zunehmend verzweifeln, sich unnötig fühlen und keinen Sinn mehr im Alltag sehen. Oder Tag und Nacht für die Kinder da sein, daneben einen Haushalt in Schuss halten, vielleicht noch Geld dazuverdienen und sich in der Nacht vom schreienden Baby den wohlverdienten Schlaf rauben lassen. Oder all seine Energie in eine kriselnde Beziehung stecken, um jeden Preis Konflikte vermeiden, die eigenen Bedürfnisse hintanstellen und dann doch irgendwann einsehen müssen, dass es keine Rettung mehr gibt. Notfallprogramm mit TückenDabei ist Stress eigentlich eine gute Sache: Als selbstverständliche körperliche Reaktion auf eine Herausforderung ermöglicht er es uns, mit Druck, Spannung oder Veränderung umzugehen. Erkennen wir eine Situation als kritisch oder gefährlich, werden in Sekundenschnelle Stresshormone (u. a. Adrenalin) in die Blutbahn ausgeschüttet und so die Energiereserven des Körpers freigesetzt. Für unsere Vorfahren war dieser Mechanismus in akuten Gefahrensituationen, etwa bei der Begegnung mit einem Feind, überlebensnotwendig. Stress führt zur Erregung des vegetativen Nervensystems, zu einem erhöhten Blutzucker- und Cholesterinspiegel sowie zu einer gesteigerten Muskelspannung – allesamt wesentlich für eine maximale Handlungsbereitschaft. Gleichzeitig werden Darmtätigkeit und Immunabwehr heruntergeschraubt, um Ressourcen einzusparen. Stress ist nicht gleich Stress„In normalen Mengen ist Stress nicht schädlich, ganz im Gegenteil: Er treibt uns an, setzt Kraft frei und ist damit die Voraussetzung, dass wir auf unsere Umwelt reagieren können“, erklärt Mayer das Prinzip des positiven Stress. Bei der Jagd sind wir früher vor einem Angreifer geflohen oder haben selbst die Verfolgung aufgenommen, dabei wurden die freigesetzten Stresshormone auch wieder abgebaut; heute wird das freigesetzte Adrenalin meist nicht verbraucht. Gefährlich wird Stress, wenn die Herausforderung zur Überforderung wird. Primar Dr. Andreas Remmel, Ärztlicher Leiter des Psychosomatischen Zentrums Waldviertel Eggenburg, erklärt, wann es kritisch wird: „Wenn die Belastungen größer sind als meine Möglichkeiten, mit ihnen umzugehen, sprechen wir von negativem Stress, auch Distress genannt.“ Wenn Stress krank machtUnser Körper reagiert eindeutig auf diesen negativen Stress: Die Symptome können Müdigkeit, Erschöpfung, Unruhe, Konzentrationsstörungen oder auch Schlafstörungen sein. Wenn wir diese Warnzeichen zu lange ignorieren, droht Schlimmeres: „Permanenter Stress belastet Herz, Immunsystem und Psyche. Häufige Folge sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen, vermehrte Infektanfälligkeit, ein erhöhtes Schlaganfallrisiko, Magen-Darm-Erkrankungen, Erschöpfung, Leistungsverlust und Verspannungen“, warnt Remmel. Doch nicht nur organisch schlägt sich eine zu hohe Stressbelastung nieder, auch psychisch kann ein eklatantes Zuviel an Stress verheerende Folgen haben: „Wenn wir mit akuten oder chronischen Überforderungen konfrontiert sind, kommen wir körperlich und seelisch zumeist in einen Alarmzustand. Wir können uns mit diesen Belastungen auseinandersetzen und versuchen, diese Probleme aufzulösen. Oder aber wir bündeln unsere Energie noch lange, um durchzuhalten, länger zu arbeiten oder noch mehr zu erreichen. Dabei ignorieren wir unsere eigenen Belastungsgrenzen und Bedürfnisse. Wenn dies zu lange geschieht, erlöschen unsere Kräfte irgendwann. Die Folge ist dann eine massive körperliche, emotionale und geistige Erschöpfung“, erklärt Remmel den typischen Verlauf eines Burnouts und betont, dass es sich dabei um das Endstadium eines schleichenden Prozesses handelt und nicht um einen kurzfristigen Zustand. Totale ErschöpfungBetroffene verlieren ihre Motivation, ihre Kräfte, ihre seelische und körperliche Stabilität. Sie sind gleichgültig, frustriert und werfen sich oft vor, versagt zu haben. Obwohl sie sich einsam fühlen, gehen sie Freunden und Bekannten meist aus dem Weg. Auch körperlich schlägt sich die Überbeanspruchung nieder, etwa in Form von Rückenschmerzen, Verdauungsstörungen oder andauernder Müdigkeit. Erloschenes FeuerIn den späten 70ern als „Manager-Krankheit“ entdeckt, schlägt das Phänomen Burnout heute auch immer öfter außerhalb der Chefetagen zu: „In unserer hektischen und schnelllebigen Zeit kann es jeden treffen“, betont Psychotherapeutin Mayer. Typisch für die Betroffenen ist, dass sie einst „Feuer und Flamme“ für ihre Aufgabe waren und dafür besonderes Engagement gezeigt haben. „Gefährdet sind daher alle, die vor lauter „Brennen“ zu lang ihre sonstigen Bedürfnisse vernachlässigen“, erklärt Mayer. Besonders gefährdet: „Zum Beispiel besonders ehrgeizige Menschen mit hohen Erwartungen oder Perfektionisten. Oder doppelt belastete erwerbstätige Mütter. Überdurchschnittlich oft sind Menschen aus helfenden Berufen betroffen; Ärzte, Lehrer oder Altenpfleger, die es nicht schaffen, sich ausreichend abzugrenzen und an Problemen verzweifeln, die außerhalb ihres Einflussbereichs liegen.“ GegenstrategienDer erste Schritt aus dem Burnout ist Selbsterkenntnis: „Man muss sich das Problem eingestehen und sich damit auseinandersetzen, denn von allein vergeht ein Burnout nicht“, betont Primar Remmel, „und auch Schlaf- und Beruhigungsmittel lösen nicht das Problem, sondern überdecken nur die Symptome. Ein fortgeschrittenes Burnout gehört in jedem Fall in die Hände von Experten.“ Erste Hilfe: bewusste Erholung und ein kritischer Blick aufs eigene Umfeld, um die Stressfaktoren zu bestimmen und seine Lebensbereiche neu strukturieren zu können. Besondere Aufmerksamkeit gehört dem „inneren Antreiber“, um die eigenen Ansprüche und Erwartungen mit den persönlichen Möglichkeiten und Fähigkeiten abzustimmen. Neues LebenZiel einer Burnout-Therapie ist, den eigenen Lebensstil nachhaltig zu verbessern. „Die Patienten müssen zurückfinden zu einer Work-Life-Balance, also zu einem ausgewogenen Verhältnis zwischen beruflichen und privaten Anforderungen, bei dem kein Lebensbereich zu kurz kommt“, zerstreut Psychotherapeutin Mayer die Hoffnung auf einen Erfolg oberflächlicher Ansätze: „Wir sprechen von einer ernsten Störung, die tief in der Seele sitzt. Was sich da über lange Zeit angestaut hat, verschwindet nicht über Nacht wieder. Die Betroffenen müssen meist wochenlang, in schweren Fällen gar ein Jahr aus dem Berufsleben aussteigen.“ Auf sich schauenDamit es gar nicht erst so weit kommt, rät Mayer, aktiv etwas gegen die chronische Überforderung zu tun: „Entspannen kann man lernen, und übermäßigen Stress entweder vermeiden oder zumindest abbauen, durch Sport zum Beispiel.“ Wichtig ist eine gesunde Psycho-Hygiene: „Wenn man immer wieder seine Ideale, Ziele und Ambitionen hinterfragt, sich selbst vernünftige Limits setzt und darauf achtet, seine Energien in alle Lebensbereiche zu investieren, schwindet das Risiko, auszubrennen.“ Text: Roland Goiser Schrittweises AusbrennenBurnout-Erkrankungen entstehen nicht über Nacht, vielmehr gibt es meist deutliche Warnhinweise und typische Verlaufsmuster.
Körper und SeeleWenn seelische Probleme sich auf die körperliche Gesundheit niederschlagen, beginnt für die Betroffenen oft ein langer Leidensweg. G+L: Aus welchen Gründen kommen die Patienten in Ihre Klinik? Psychosomatisches Zentrum Waldviertel EggenburgGrafenbergerstraße 2 MIP - Mödlinger Institut für PsychotherapieBrigitte Mayer
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