Ein Mann für alle Fälle

Dr. Robert Griessner, Anästhesist und Leiter des NÖ Gesundheits- und Sozialfonds, will hohe Qualität der Kliniken halten und ausbauen.

Dr. Robert Griessner übernimmt nach dem Wechsel von Dr. Andrea Kdolsky in die Bundespolitik auch die medizinische Leitung der NÖ Landeskliniken-Holding. Er kennt wie kein anderer die gesamte Gesundheitslandschaft in Niederösterreich. Seit 2002 organisiert er als Geschäftsführer des NÖ Gesundheits- und Sozialfonds NÖGUS die Finanzierung der Krankenhäuser im Land, davor hat er das vom Bund geschaffene neue „Leistungsorientierte Krankenanstalten-Finanzierungssystem“ für NÖ eingeführt. In den Anfängen der NÖ Landeskliniken-Holding war er bereits einmal interimistischer Geschäftsführer, jetzt kommt er als Geschäftsführer für den medizinischen Bereich zurück.

Schwerpunkt Ausbildung

Für den gelernten Anästhesisten steht die Aus- und Weiterbildung des Personals ganz oben auf der Prioritätenliste: „Sie muss kontinuierlich verbessert werden. Denn nur gut ausgebildete Ärzte treffen die richtigen Entscheidungen, tun das schnell und sorgen so optimal für die Patienten. Nichts ist teurer als ein schlecht ausgebildeter Arzt, der unsicher ist und deshalb zahlreiche unnötige Untersuchungen machen lässt, weil er sich so absichern will.“
Sehr wichtig ist Griessner auch die optimale Ausbildung der Turnusärzte: „Wir wollen den Hausarzt künftig aufwerten, er soll die erste Adresse für alle medizinischen Fragen sein. Dafür müssen wir aber auch die Ausbildung der künftigen Hausärzte optimieren. Nur wenn Hausärzte starke Partner der Kliniken sind, schaffen wir die integrierte Versorgung unserer Patienten.“

Optimale Abläufe

Die Qualität der Versorgung in den Kliniken steht für Griessner im Mittelpunkt seiner Arbeit als Holding-Manager. „Dabei geht es um optimale Abläufe. Denken Sie zum Beispiel an die Operationssäle: Wenn die Abläufe da nicht optimal gemanagt werden, müssen die Patienten unnötig lang warten, aber auch die Ärzte, das ganze Personal. Das ist ungeheuer frustrierend, das weiß ich noch aus meiner Zeit als Anästhesist in Neunkirchen.“ Da in den Kliniken Anästhesisten fehlen und generell schwer zu bekommen sind, gehe es darum, ihre Arbeitsbedingungen zu verbessern und den Beruf wieder attraktiver zu machen.

„Verbesserte Abläufe heben die Zufriedenheit aller Mitarbeiter, das beschränkt sich nicht nur auf den OP. Da können wir noch viel tun – und damit auch die Zufriedenheit der Patienten stärken.“
Denn wenn Ärzte und Pfleger keine Zeit mit Warten und Reibungsverlusten verschwenden müssen, können sie sich besser und in Ruhe um ihre Patienten kümmern.

Schwerpunkte setzen

In allen fünf Versorgungsregionen des Landes gibt es Grundversorgungs-Kliniken, die die gesamte Palette der Notversorgung und die wichtigsten Leistungen anbieten. „Aber spezielle Leistungen wird es nur in bestimmten Kliniken geben. Es ist wichtig, dass sich Spezialisten entwickeln können. Wenn ein Arzt eine schwierige Operation nur zweimal pro Jahr durchführt, kann er sie einfach nicht so gut können, wie wenn das sein tägliches Brot ist.“
Wo welche Schwerpunkte entstehen oder ausgebaut werden, will Dr. Robert Griessner in der nächsten Zeit festlegen: „Durch meine Tätigkeit im NÖGUS habe ich eine ganze Reihe an Planungserfahrung und kenne die Spitalslandschaft gut. Das kommt jetzt auch den Kliniken zugute.“

Dr. Robert Griessner

Nach dem Medizinstudium an der Universität Wien absolvierte Dr. Griessner die Turnusausbildung zum Praktischen Arzt im Krankenhaus Neunkirchen, danach die Ausbildung zum Facharzt für Anästhesiologie und Intensivmedizin. 1986 bis 1992 war er 1. Oberarzt an der Abteilung für Anästhesiologie und Intensivmedizin am Krankenhaus Neunkirchen.

Er absolvierte den Universitätslehrgang für Krankenhausmanagement an der WU Wien und war ab Juli 1996 für 18 Monate Konsulent der NÖ Landesregierung für die Einführung des neuen Leistungsorientierten Krankenanstaltenfinanzierungssystems (LKF-System). Seit 2002 ist er Geschäftsführer im Niederösterreichischen Gesundheits- und Sozialfonds (NÖGUS), Bereich Gesundheit, und war von Juli 2004 bis September 2005 bereits interimistischer Geschäftsführer der NÖ Landeskliniken-Holding. Seit Jänner 2007 führt er den medizinischen Teil der Holding und den NÖGUS. Der in Ternitz lebende Manager ist verheiratet und hat drei Kinder.

Gesundheitszentrum für die Zukunft

Gleichenfeier für St. Pöltens 2. Med. Seit vier Jahren wird am Landesklinikum St. Pölten neu- und umgebaut. Ziel dieses 250-Millionen-Euro-Projektes ist es, bis 2012 ein Gesundheitszentrum für die Zukunft zu schaffen.  Anfang Februar gab es die Gleichenfeier für den Neubau der 2. Medizinischen Abteilung, 2008 soll das Haus fertig sein; das Land NÖ investiert 33 Millionen Euro. 7.000 Kubikmeter Beton und 868 Tonnen Stahl wurden für den Neubau verarbeitet. Die 2. Medizinische Abteilung wird drei Ambulanz- und drei Bettengeschoße bieten und mit den neuesten nuklearmedizinischen und endoskopischen Geräten ausgestattet. Derzeit betreut die Abteilung unter Primar Dr. Karl Dam neben einigen Spezialambulanzen drei Bettenstationen mit insgesamt 79 Betten und im Vorjahr 2.600 stationäre Patienten.

St. Pölten als größtes Klinikum in Niederösterreich (24 Abteilungen, 1.100 Betten, 3.100 Mitarbeiter) ist Vorreiter der großen Spitalsoffensive, für die das Land Niederösterreich in den nächsten Jahren insgesamt 950 Millionen Euro zur Verfügung stellen wird.

2 Millionen Euro für Ärzte-Fortbildung

„Bestausgebildete Mitarbeiter sind der Garant dafür, dass die medizinische Qualität für den Patienten stimmt.“ Unter diesem Motto stehen für Finanzlandesrat Mag. Wolfgang Sobotka sämtliche Investitionen in die Aus- und Weiterbildung des medizinischen Personals der NÖ Landeskliniken-Holding. In vielen Bereichen wird da investiert, seit heuer gibt es einen speziellen und sehr umfassenden Bildungskatalog für alle Häuser der Holding.

Es geht nicht nur um reines Fachwissen, auch menschliche Qualitäten sind gefragt, gerade wenn es um Menschen und ihre Gesundheit geht. Deshalb gibt es allein heuer zwei Millionen Euro für die Fortbildung der NÖ Spitalsärzte. Das Geld steht vom Turnusarzt bis zum Chefarzt für alle Spitalsärzte zur Verfügung. Unter anderem stehen Seminare zum Thema Kommunikation mit dem Patienten oder Teamführung auf dem Programm. Ein Schritt, den auch Ärztekammer-Präsident Dr. Lothar Fiedler sehr schätzt: „Das medizinische Wissen verdoppelt sich alle fünf Jahre – da muss jeder Arzt viel Zeit in die eigene Fortbildung investieren.“ Er lobt besonders, dass die Holding sämtliche Bildungsmaßnamen der Mitarbeiter dokumentiert.