Altern ohne Falten

Wie Sie den Faltenwurf der Haut bremsen und verzögern können.

Die Haut ist Spiegel der Seele. Doch wer möchte schon im fortgeschrittenen Alter den Grand Canyon widerspiegeln. Tiefe Falten mögen bei Robert Redford oder George Clooney interessant wirken – die meisten Menschen fühlen sich damit jedoch einfach alt.

Falten zu bekommen ist ganz normal. Wenn die Haut altert, verliert sie an Feuchtigkeit und Straffheit. Andererseits ist klar, dass man mit 60 nicht mehr aussieht wie mit 30. Alt werden, aber nicht alt aussehen, das ist der Wunsch der zeitgeistigen 40plus-Gesellschaft. Spätestens, wenn der ungeliebte Faltenwurf zutage tritt, geraten viele in eine Krise. Nun gibt es zwei Möglichkeiten: Man bekennt sich zu seinen Furchen – oder man tut etwas dagegen.

Medizin und Wissenschaft haben in den vergangenen Jahrzehnten einiges dazu beigetragen, um den Alterungsprozess der Haut zu verzögern. Dermatologe Dr. Klaus Toblier aus Baden: „Das Altern ist ja prinzipiell etwas ganz Natürliches – wir müssen andersherum ja auch froh sein, dass wir altern dürfen und heute eine so hohe Lebenserwartung haben.“ Die Basis für eine sinnvolle Prophylaxe und Therapie der alternden Haut ist daher ein gesunder Lebenswandel – dieser ist auch die effizienteste (Haut)Krebs-Vorsorge.

Schäden durchs Leben

Der normale Alterungsprozess kennzeichnet sich dadurch, dass die Haut dünner wird, sie verliert an Elastizität, wird faltig und fahl. Auch Pigmentflecken sind eine charakteristische Alterserscheinung. Warum wir aber unbedingt gar so sichtbar altern müssen, erklärt Toblier so: „Die Haut altert, weil sie im Laufe des Lebens viele DNA-Schäden reparieren muss; meist sind es Zellschäden, die über oxidative Prozesse entstehen, Stichwort: freie Radikale, die die Haut angreifen. Im fortgeschrittenen Alter kann die Haut nicht mehr so viele Schäden reparieren, das übersteigt ihre Kapazität.“ Doch Altern muss nicht zu schnell sichtbar sein – vorausgesetzt man tut schon in jungen Jahren einiges gegen den späteren Faltenwurf. Toblier: „Genug Schlaf ist wichtig für den Regenerationsprozess der Haut. Genussgifte wie Nikotin und Alkohol sollte man meiden; und auch seine Sonnen-Gewohnheiten überdenken.“ (siehe Kasten unten)

Altern ist also ein natürlicher Prozess, der aus zwei Mechanismen besteht: der intrinsischen und der extrinsischen Hautalterung – also der genetisch bestimmten und der durch äußere Einflüsse bedingten (siehe Kasten unten).

Richtig pflegen

Um der Hautalterung wirksam vorzubeugen, sollte man schon in jungen Jahren eine entsprechende Barriere schaffen. Konkret bedeutet dies: die Haut mit guten, typgerechten Cremen zu pflegen. Aber auch wenn die ersten Falten bereits fortgeschritten sind, kann man noch einiges tun, um sie zu glätten. Toblier: „Eine Möglichkeit sind lokal angewandte Retinoide. Sie wirken der Hautalterung entgegen und reduzieren bestehende Falten.“ Diese Methode ist sowohl bei Frauen als auch bei Männern möglich. Dafür wird vier Monate lang mit Spezialcremen gepflegt, die Retinoide enthalten, also synthetisches Vitamin A. „Diese werden unter anderem seit langem in der Akne-Therapie angewendet“, sagt Toblier. Studien an 500 Patienten über einen Zeitraum von 48 Wochen haben gute Ergebnisse gezeigt. Dabei wurde das Retinoid Tretinonin einmal täglich in Form einer Creme aufgetragen. Das Ergebnis nach dem knappen Jahr: Die Haut war weniger faltig, rau und schlaff, die Pigmentflecken verringerten sich. Toblier: „Durch die Hemmung bestimmter Kollagen zerstörender Enzyme kann eine Weiterbehandlung mit Vitamin A die positiven Effekte verlängern.“

Dass die Sexualhormone weniger werden, ist ebenfalls ein Charakteristikum des Alterungsprozesses. Bereits sichtbare Falten können daher auch mit einer lokalen Hormonersatz-Therapie gelindert werden, die man ebenfalls in Form einer Creme täglich anwendet. Diese Methode empfiehlt sich jedoch nur für Frauen; für Männer fehlen derzeit noch systematisierte Studien.

Den Unterschied von  natürlichem Altern und extrinsischem Altern durch Photoaging sieht man an der Beschaffenheit des Kollagens: Beim natürlichen, genetisch vorherbestimmten Altern bleiben die Kollagenfasern in ihrer Struktur vorhanden, werden aber weniger. Hier setzt die Hormontherapie mit Östriol 0,3 % und Östradiol 0,01 % an. Eine Studie der Wiener Universitäts-Hautklinik nach 16 Wochen Anwendung zeigt eine Besserung der Faltentiefe um 89 Prozent, weiters eine gesteigerte Hautfeuchte und eine signifikante Zunahme des Kollagens. Darüber hinaus bleibt jedoch der Hormonserumspiegel unverändert.

Neue Methoden

Neue Techniken im Kampf gegen Falten sind Elektro-Poration und Mikro-Poration, beide für Männer und Frauen geeignet. Dabei bewirken niederfrequente Ströme, dass sich die Hautkanäle öffnen und Substanzen wie Hyaluronsäure (auch ihr Anteil verringert sich mit zunehmendem Alter) und Vitamine besser in die Haut dringen können. Diese völlig schmerz- und nadelfreie Methode führt dazu, dass die Haut aufquillt, weil sie durch die eingeschleuste Hyaluronsäure das Wasser besser binden kann. Diese Methode gilt als risikofrei. Einziger Wermutstropfen: Ob der Erfolg bestehen bleibt, darüber gibt es noch keine Langzeitstudien.
Dass ohne Pflege jedoch zu 100 Prozent Falten auftreten, das ist erwiesen.

Text: Doris Simhofer
Foto: Fotolia

7 Tipps gegen das Altern

Lebensgewohnheiten, die das Altern verzögern und vor Hautkrebs schützen:

  1. Schlafen Sie ausreichend!
  2. Achten Sie auf genügend Bewegung in der Natur!
  3. Überdenken Sie Ihre Ernährungsgewohnheiten!
  4. Verzichten Sie auf Nikotin und Alkohol!
  5. Vermeiden Sie Stress!
  6. Überdenken Sie Ihre Sonnengewohnheiten!
  7. Verzichten Sie auf Solariumsbesuche!

Wie Sie dem sichtbaren Alter entkommen

  • Pflegen Sie Ihre Haut mit speziellen Produkten, die auf den Hauttyp abgestimmt sind: Trockene Haut etwa braucht mehr Fett, fette Haut mehr Feuchtigkeit.
  • Achten Sie, dass Sie ausreichend Radikalen-Fänger zu sich nehmen: Nahrungsmittel, die reichlich die Vitamine ACE enthalten, sind ideal – aber auch ACE-Cremen, die Sie äußerlich anwenden können.
  • Anwendung von Retinoiden oder Fruchtsäuren: Diese hemmen die Proteinasen, also jene Enzyme, die Kollagen zerstören.
  • Sorgen Sie für ausreichend UV-Schutz: keine Mittagssonne, kein Sonnenbraten, Kopfbedeckung, Sonnenbrille, Sonnenschutzmittel (gegen UVA- und UVB-Strahlung).

Die vielen Gesichter des Alterns

Was passiert bei der intrinsischen Hautalterung?

  • Die Mitoserate in der Basalzellenschicht reduzieren sich. Fazit: Die Regeneration der Hornschicht lässt nach, es erfolgt eine Reduktion der Barriere-Funktion der Haut.
  • Die Talgdrüsen zeigen eine geringere Aktivität. Fazit: Es kommt zu Hauttrockenheit.
  • Aktivitätssteigerung von Proteinasen und Elastasen. Fazit: Kollagenverlust
  • Kollagen und Kollagenvorstufen werden in geringerem Maß nachgebildet. Fazit: Es kommt zu Elastizitäts- und Spannungsverlust und zu Faltenbildung.

Was passiert bei der extrinsischen Hautalterung?
Sie entsteht durch Einflüsse von außen:

  • Umweltverschmutzung, Genussgifte, Stress und Lebensstil
  • UV-Strahlung – zu viel Sonneneinstrahlung bewirkt eine vorzeitige Hautalterung (Photoaging)
  • Zellschädigung und Zelluntergang: Die Erbsubstanz der Zellen verändert sich, sie entarten.
  • Es werden immunologische Prozesse in Gang gesetzt, die die Haut schädigen.
  • Kollagenfasern werden durch aktivierte MMP (Matrix-Metallproteinasen) zerstört, die Haut wird dadurch schlaffer.
  • Akute UV-Schädigung – vorwiegend bedingt durch UVB-Strahlung – bewirkt einerseits eine Rötung, Schwellung und Blasenbildung der Haut, andererseits einen massiven Kollagenverlust, der irreparabel ist.
  • Chronische UV-Schäden werden durch UVA- und UVB-Strahlung verursacht und bewirken Hautalterung, Hyperpigmentierung, Alterswarzen, Äderchen, Angiome (kleine Blutschwämmchen) und bösartige Veränderungen (Basalzell-, Stachelzellenkarzinom, Melanom).