Soja und Wechselbeschwerden
Die Hülsenfrucht bietet Hilfe bei Menopausenbeschwerden.
Bei einer Langzeituntersuchung an 16.000 amerikanischen Frauen vor fünf Jahren hat sich gezeigt, dass die Dauergabe von Hormonpräparaten in der Meno- und Postmenopause zu unerwünschten Wirkungen (Erhöhung des Brustkrebsrisikos und kardiovaskulären Komplikationen) führen kann. Seither sind Alternativen gefragt. Eine interessante Möglichkeit, Menopausenbeschwerden zu bessern, stammt aus Asien: Soja.
Beschwerden in der Menopause
Wenn in den Eierstöcken die Produktion der weiblichen Geschlechtshormone absinkt, treten die ersten Hormon-Mangelerscheinungen auf. Diese Phase beginnt bei Frauen in Europa vor dem 50. Lebensjahr und dauert etwa fünf Jahre, wobei Häufigkeit und Intensität der damit verbundenen Beschwerden von Frau zu Frau unterschiedlich sind. Man unterscheidet zwei große Gruppen von Störungen:
- neuropsychologische Beschwerden: Schlaflosigkeit, Müdigkeit, Gereiztheit, Angstgefühle, Depressionen
- vasomotorische Beschwerden: Hitzewallungen, Nachtschweiß, Kopfschmerzen, Herzklopfen, Schwindel
Mit Lebensstil-Modifikationen kann man in vielen Fällen den Zustand verbessern, wie etwa durch sportliche Betätigung, Gewichtsreduktion, vitaminreiche Ernährung mit 1.700 Kalorien pro Tag, Einschränken des Alkoholkonsums und Einstellen des Rauchens. Aber nicht bei allen Frauen funktioniert diese Änderung des Lebensstils so gut, dass sie sich eine Behandlung ersparen können. Dagegen Hormone zu nehmen, das wollen viele Frauen nicht, besonders wenn die Antibaby-Pille jahrelang verwendet wurde oder wenn dabei unerwünschte Begleitwirkungen aufgetreten sind.
In solchen Fällen bieten pflanzliche Produkte eine ausgezeichnete Alternative. Helfen sie nicht, kann der Frauenarzt immer noch Hormone über einen beschränkten Zeitraum verschreiben, was unbedenklich ist.
Soja kann schützen
Asiatinnen in der Menopause plagen sich nicht mit jenen Beschwerden herum, die einem Gutteil der Europäerinnen eine zeitlang so viele Probleme bereiten können. Warum? Untersuchungen stellten einen Bezug zur lebenslangen sojareichen Ernährung her. Die dafür verantwortlich gemachten Inhaltsstoffe werden nicht ganz zutreffend als Phytoöstrogene oder besser Isoflavone bezeichnet. Sie haben zwar eine ähnliche Wirkung wie das weibliche Hormon Östrogen, aber chemisch gesehen gehören sie nicht zur Klasse der Hormone.
Soja als Isoflavonquelle
Soja gehört zur Familie der Hülsenfrüchte und besitzt mit 35 bis 40 Prozent Eisweißgehalt einen hohen Nährwert. Soja enthält auch alle lebenswichtigen Aminosäuren sowie die sogenannten Isoflavonen, denen eine Östrogen-ähnliche Wirkung zugeschrieben wird. Auch unsere heimischen Hülsenfrüchte wie Kichererbsen, Linsen und Saubohnen enthalten Isoflavone, allerdings in wesentlich geringeren Mengen als Soja. Eine andere Quelle für Isoflavone wächst schon bei uns, nämlich der Rotklee.
In Asien sind durchschnittliche Verzehrmengen an Soja von 80 mg pro Tag üblich. Zum Vergleich: 100 mg Soja-Isoflavone sind enthalten in:
- 70 g unbehandeltem Sojamehl
- 80 g Misosuppe
- 147 g Mungobohnensprossen (Sojasprossen)
Die tägliche Verzehrempfehlung für Isoflavone reicht von 35 mg bis 80 mg. Da die Verweildauer der Isoflavone im Körper nur rund acht Stunden beträgt, bevor sie abgebaut und ausgeschieden werden, sollten betroffene Frauen mit stärkeren psychischen oder gefäßbedingten Störungen entsprechende Kapselpräparate zwei Mal täglich anwenden. Sonst genügt die einmal tägliche Zufuhr. Als Zeitraum für die Behandlung werden in der Literatur drei Monate genannt; eine längere Anwendung ist unbedenklich und ratsam.
Text: Mag. pharm. Dr. Alfred Klement
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