Univ. Prof. Dr. Bratusch-Marrain: „Meist kommen die Patienten zu spät zu uns.“
Am Beginn der Diabetesschulung steht für Christian Mattes eine eingehende Untersuchung sowie eine genaue Blutzuckerbestimmung.
In den vergangenen 20 Jahren ist es bei keinem Patienten, der eine Diabetesschulung absolviert hat, zu Komplikationen gekommen.

Die stille Gefahr

Österreichweit gibt es rund eine halbe Million Diabetiker, in Niederösterreich sind es etwa 75.000 Betroffene. Das LK Waldviertel Horn bietet Diabetikern aktive Hilfe.

„Anfangs habe ich gar nicht begriffen, was diese Diagnose für mein Leben bedeutet“, sagt Christian Mattes. Bei einer Routinekontrolle vor zwei Jahren hat der heute 44-Jährige von seiner Diabetes-Erkrankung erfahren: Er hatte Zucker im Harn. Christian Mattes erinnert sich noch genau, wie schockiert er war. Die anfängliche Lethargie des Bankfachmannes schlug jedoch schon nach kurzer Zeit in Aktivität um: „Ich habe mich gründlich informiert und viele Stunden mit Ärzten und Fachleuten gesprochen. Schließlich wollte ich ja wissen, wie ich mit dieser neuen Situation umgehen soll.“
Wie Christian Mattes leiden in Österreich rund eine halbe Million Menschen an Diabetes, in Niederösterreich sind es 75.000. Diabetes ist am besten Weg, sich zur Volkskrankheit Nummer eins zu entwickeln. Während die Zahl der Diabetes-Erkrankungen bei Jugendlichen konstant bleibt (0,3 Prozent leiden an Typ-I-Diabetes), steigt sie mit zunehmendem Alter und Übergewicht; im Durchschnitt entsteht Diabetes im Alter von 50 Jahren. Die Krankheit kann ganz einfach und unproblematisch durch eine Blutzuckermessung festgestellt werden. Univ.-Prof. Dr. Paul Bratusch-Marrain ist Ärztlicher Leiter des LK Waldviertel Horn und einer der Top-Spezialisten Niederösterreichs für Diabetes: „Meist bekommen wir erst jene Patienten ins Haus, bei denen bereits Komplikationen aufgetreten sind. Wegen dieser Komplikationen sind sie zum Arzt gegangen und haben dadurch von ihrer Erkrankung erfahren – oft zehn Jahre zu spät. Die Menschen nehmen die Appelle zur Gesundheitsvorsorge nicht ernst genug. Diabetes spürt man nicht, man leidet nicht sofort an Beschwerden. Trotzdem wird das Gewebe durch die Erkrankung bereits sehr früh geschädigt!“

Risiko durch Folgekrankheiten

Auch Christian Mattes hat erst spät von seiner Erkrankung erfahren: „Die Blutfettwerte haben gezeigt, dass die Krankheit damals schon etwa sieben oder acht Jahre lang in meinem Körper war“, erinnert er sich. Es folgten Behandlungen mit Spritzen und Tabletten, ein Leidensweg begann. „Als die Therapie zuerst keine Besserung brachte, habe ich beschlossen, die Krankheit einfach zu ignorieren. Das hat aber nichts gebracht, sie war ja nach wie vor da.“ Am meisten beunruhigt haben ihn die Risiken von Folge-Erkrankungen, ernsthafte Gefahren für seine Gesundheit. Denn diese Folge-Erkrankungen sind keineswegs harmlos: „Wenn die Krankheit nicht früh genug erkannt wird, entwickelt sich oft Arteriosklerose und in der Folge Schlaganfall, Nierenversagen oder Beinbrand.“ Diabetes ist hauptverantwortlich für eine frühe Sterblichkeit. Dabei wäre dieses Risiko vermeidbar.“ Warum nimmt die Zahl der Diabetiker so dramatisch zu? Bratusch-Marrain sieht als Faktoren dafür „die kollektive Bewegungsverweigerung“ sowie das oft zu ungesunde und zu üppige Essen.

„Leichte Diabetes“ ist nicht harmlos

Bratusch-Marrain drängt auf Aufklärung, auch bei den Hausärzten. Denn der charakteristische Verlauf von Diabetes Typ II verleitet wie bei Christian Mattes dazu, die Krankheit nicht ernst zu nehmen: Man spürt nichts, bemerkt nichts, es gibt keine Probleme. Wird eine „leichte“ Form des Diabetes aufgespürt, wird das von vielen Patienten und leider auch Ärzten nach wie vor verharmlost, klagt Bratusch-Marrain: „Eine leichte Form gibt es nicht. Jede Form von Diabetes beinhaltet das Risiko eines frühzeitigen Todes.“
Deshalb sollte sich jeder Mensch durch einen entsprechenden Lebensstil vor Diabetes schützen. Bratusch-Marrain: „Schon in der Kindheit legt man die Basis für späteres Übergewicht. Dicke Kinder mit Diabetes Typ II, dem sogenannten Erwachsenendiabetes, sind in den USA bereits ein klinisches Problem. Bei uns ist es glücklicherweise noch nicht so weit, aber es ist zu befürchten, dass sich die Dinge auch hier in diese Richtung entwickeln. Bewegung ist für Kinder daher besonders wichtig. Eltern sollten sich dabei nicht nur auf die Schule verlassen, sondern die Freude an der Bewegung frühzeitig fördern. Möglichkeiten dazu gibt es für jedes Alter und jede Lebenssituation.“

Drei Hauptrisikofaktoren

Dass Menschen erst zum Arzt gehen, wenn ihnen etwas weh tut, ist nicht neu, weiß Bratusch-Marrain: „Gerade bei den drei Hauptrisikofaktoren – Rauchen, ungesundes Essen und Alkohol – spürt man nicht, wenn’s zu viel ist. Im Gegenteil: Diese Faktoren machen das Leben ja teilweise auch angenehmer – jedoch nur in Maßen genossen. Sie zählen aber zu jenen 60 Prozent der Todesrisiken, die beeinflussbar und daher vermeidbar wären.“ Daher sollte man den Blutzucker im Zuge einer Gesundenuntersuchung ab dem 30. Lebensjahr im Auge behalten. Vor allem, wenn auch andere Risikofaktoren bestehen, wie Übergewicht, Diabeteserkrankungen in der Familie, Übergewicht der Kinder, ein hoher Blutdruck und Ähnliches.“

Lernen mit der Krankheit umzugehen

Seit 1985 bietet das LK Waldviertel Horn spezielle einwöchige Diabetesschulungen an. Bei diesem stationären Aufenthalt lernen die Patienten alles über die Krankheit: Wie man mit Insulinspritzen umgeht, wie die richtige Therapie und Fußpflege aussehen muss und welche psychischen Auswirkungen auftreten können. Etwa 20.000 Diabetiker wurden im LK Waldviertel Horn von speziell ausgebildeten Schwestern und Ärzten geschult. Durch diese aktive und intensive Betreuung der Patienten ist es gelungen, die wesentlichen Komplikationen durch Diabetes zu vermeiden. Bratusch-Marrain: „In den vergangenen 20 Jahren hatten wir keinen einzigen Patienten, bei dem nach einer Schulung und ambulanter Betreuung Probleme mit der Niere aufgetreten sind – die häufigste Folge der Krankheit.“

Auch Christian Mattes war wegen seiner alarmierenden Blutwerte schließlich bereit, die Schulung im LK Waldviertel Horn zu absolvieren: „Ich hoffe, dass meine Werte deutlich besser werden, sodass ich im täglichen Leben mit der Krankheit gut umgehen kann.“
Eigentlich könnte er künftig ein fast alltägliches Leben führen. Von der Krankheit spürt er (noch) nichts. „Die einzige Beeinträchtigung der Lebensqualität ist, dass ich mich bei irdischen Genüssen entsprechend einschränken muss. Sonst ist ja alles erlaubt“, lacht er. Den ersten harten Schritt hat er vor gut sechs Wochen gesetzt – er hat sich das Rauchen abgewöhnt. „Bis zu 60 Zigaretten hab ich am Tag geraucht, aber keine leichten.“ Jetzt genießt er die neue Rauchfreiheit. Auch kulinarisch wird er einiges verändern müssen. Seine Schwäche sind Süßigkeiten, „die werden wir halt jetzt streichen“, meint er ein wenig schwermütig. „Dafür werde ich Sport machen, das habe ich mir fest vorgenommen. Radfahren zum Beispiel. Das geht im Sommer gut – und für den Winter fällt mir sicher auch noch was Interessantes ein“, zeigt er sich zuversichtlich.

Erfolg hängt vom Patienten ab

Diabetes kann man durch intensive Betreuung zwar nicht stoppen, sehr wohl aber die Komplikationen verhindern. Allen Diabetes-Patienten, die im LK Waldviertel Horn geschult wurden, blieb bisher eine langwierige Dialyse erspart. „Das ist auch gesundheitspolitisch interessant, wenn man bedenkt, dass 50 Prozent der amerikanischen Dialyse-Patienten Diabetiker sind“, sagt Bratusch-Marrain, „und die Behandlung eines solchen Patienten kostet umgerechnet etwa 70.000 Euro pro Jahr.“ Auch aus der Augenabteilung kommen positive Reaktionen; seit Einführung der Diabetesschulung gab es keinen Patienten mit schweren Verlaufsformen. Ein Erfolg, der einmal mehr zeigt, dass eine wirklich hilfreiche Therapie zu einem Gutteil vom Wissen und der Kooperation des Patienten abhängt.

Die Diagnose war ein tiefer Einschnitt im Leben von Christian Mattes. „Es ist eine abgedroschene Phrase, das mit der Bewusstseinsänderung. Aber wenn man es selbst einmal durchgemacht hat, weiß man, was das wirklich heißt. Ich habe viele neue Perspektiven gewonnen, möchte sehr viel tun, um meine Gesundheit und mein Wohlbefinden wieder herzustellen.“

Von kulinarischer und sportlicher Seite gibt es keine Diskussion. Im Beruf ist es für ihn allerdings schwer, entsprechend umzustellen. Sein Job als Bankfachmann ist stressreich, daran lässt sich wenig ändern. „Ich habe mir aber vorgenommen, mein persönliches Zeitmanagement nochmals gründlich zu überdenken. Ich werde mir die Zeit so einteilen, dass ich mehr davon für Sport, Natur und gesunde Aktivitäten übrig habe. In diesem Sinne beginne ich jetzt ein neues Leben.“

Text: Doris Simhofer
Fotos: Franz Weingartner

Selbsthilfe

In Niederösterreich gibt es zahlreiche Selbsthilfegruppen für Menschen mit Diabetes. Informationen: Dachverband der NÖ Selbsthilfegruppen, Tel: 02742/226 44, www.selbsthilfenoe.at

Bewusst gegen den Trend

Das Ascensia® BrioTM Blutzuckerkontrollsystem – größeres Messgerät von Bayer HealthCare

Wer kennt das nicht? Die Tasten sind zu klein und zu zahlreich, versehentlich hat man zwei zugleich gedrückt. Ohne Brille ist gar nichts zu erkennen. Und das Gerät selbst ist so winzig, dass es häufig aus der Hand gleitet. Mit der ständig zunehmenden Miniaturisierung der Technik verliert so mancher den Anschluss an den Fortschritt. Nicht nur Senioren und nicht nur, wenn es ums Handy geht.

Auch vielen Menschen mit Diabetes fällt es zunehmend schwer, das geeignete Blutzuckermessgerät für den Blutzucker-Selbsttest zu finden. Das hat sich vor kurzem geändert. Das Ascensia® BrioTM ist eine Alternative zur filigranen Technik.

Bayer Healthcare hat die Produktpalette erweitert und mit dem Ascensia® BrioTM ein Blutzuckerkontrollsystem auf den Markt gebracht, das gut in der Hand liegt und ausgesprochen einfach zu bedienen ist. Dass der Bedarf an größeren und übersichtlichen Geräten, die zugleich präzise und zuverlässig arbeiten, durchaus vorhanden ist, beweist erneut ein Blick in die Welt der Mobiltelefone. So hat das Institut für Psychologie und Arbeitswissenschaften der Technischen Universität Berlin im Rahmen eines Forschungsprojektes über seniorengerechte Produkte die Anforderungen, die ältere Menschen an ein Handy stellen, analysiert. Danach wünschen sich Senioren unter anderem größere Displays sowie ein leicht zu bedienendes Tastenfeld. Wenige Hersteller haben bereits reagiert und bieten so genannte Senioren-Handys an.

Bei den Blutzuckermessgeräten hat Bayer Healthcare den Bedarf frühzeitig entdeckt. Das Unternehmen zählt zu den ersten, die ein Modell entwickelt haben, das eine Alternative zur filigranen Technik bietet und damit den Wünschen zahlreicher Nutzer gerecht wird. Das liegt unter anderem daran, dass Fachärzte, Diabetesberater und Menschen mit Diabetes an der Entwicklung neuer Geräte mitarbeiten und so entscheidend zum Ergebnis beitragen. Das gilt auch für das Ascensia® BrioTM. So entstand ein Bluzuckermessgerät, das durch seine praktische Größe eine bequeme Bedienung garantiert. Es liegt gut in der Hand und ist so konzipiert, dass auch Menschen mit motorischen Einschränkungen das Gerät problemlos bedienen können.

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