„Kaffee regt auf, Tee regt an“, so lautet ein Sprichwort, in dem viel Wahrheit steckt.
Augen schließen, tief einatmen. Für viele beginnt Kaffeegenuss schon vor dem ersten Schluck.

Nur nicht aufregen

Tee oder Kaffee – was ist gesünder? Was tut gut?

Kaffee macht dick, Tee lässt Pfunde purzeln – Gerücht oder Wahrheit? Immer neue Erkenntnisse, Untersuchungsergebnisse und gute Tipps wollen uns erklären, ob wir uns mit Kaffee – oder doch besser mit Tee? – gesünder durchs Leben bringen.
Kaffee, den Österreich – der Legende nach – dem Türkenkrieg von 1683 verdankt, ist für viele der unverzichtbare Kick in den Tag und beliebtester Begleiter zu Frühstück oder Torte. Zwar genossen Verlängerter, Melange und Kleiner Brauner in punkto Gesundheit nicht immer den besten Ruf, das tat der Liebe zu ihnen aber keinen Abbruch. Inzwischen haben sich die Gewohnheiten geändert. Italienische Küche und Lifestyle ließen Cappuccino und Latte macchiato bei uns immer beliebter werden, Coffee-to-go und Aromen wie Vanille oder Zimt sorgen dafür, dass auch die Jugend auf den Kaffeegeschmack kommt.

Die milde Alternative

Obwohl die Österreicher eingefleischte Kaffeetrinker sind, steigt seit einigen Jahren auch hier der Teekonsum – parallel zum Wellness- und Fitnessboom. Grüner, gelber, weißer Tee, Pu-Erh und Rooibos sind heute, neben schwarzem Tee, in vieler Munde. Weil er schmeckt und weil er gesund ist – und ein wenig wohl auch, weil Teetrinken heute Ausdruck einer Lebenshaltung ist. Tee, einst Domäne der Engländer und der Bio-Fans, gilt inzwischen als fast so trendy wie Caffè latte und Espresso.

Zu Beginn des 17. Jahrhunderts – als Holländer den Schwarztee erstmals nach Europa brachten – wurde er in Apotheken als Medizin grammweise verkauft. Heute beschäftigen sich viele Studien, besonders aus dem asiatischen Raum, mit der gesundheitsfördernden Wirkung des Tees. So hat man herausgefunden, dass sekundäre Pflanzenstoffe – die Polyphenole – als sogenannte „Radikalfänger“ bestimmte Sauerstoffreaktionen im Organismus verhindern können, die möglicherweise zur Bildung von Tumoren beitragen. Ebenfalls enthaltene Flavonole und Katechine werden im Zusammenhang mit der Herzinfarkt- und Schlaganfallvorbeugung untersucht. Als besonders starker Radikalfänger gilt Epigallocatechin, das im grünen Tee sogar in fünfmal höherer Dosis vorkommt als im Schwarztee.

Gesundheit zum Trinken

Tee ist auch deshalb gesund, weil er äußerst vitaminreich ist. Wussten Sie, dass sich der Vitamin-C-Gehalt des Grüntees mit dem von Zitronen, der Vitamin-A-Gehalt mit jenem von Karotten vergleichen lässt? Aber gelb wie Karotten macht Tee die Zähne nicht; dafür soll er helfen, durch natürlich gebundenes Fluorid und andere antibakteriell wirkende Stoffe der Kariesgefahr vorzubeugen. In einigen Punkten sollten Sie jedoch hellhörig sein: So ist die angeblich schlank machende Wirkung von Pu-Erh-Tee durch nichts belegt. Dass er Körperfett zum Schmelzen bringt, gehört ins Reich der Märchen.
Und Eistee – ein Getränk, das schon seit vielen Jahren extrem populär ist und besonders von Kindern gern in großer Menge
konsumiert wird – ist sicher gesünder, wenn Sie ihn selbst zubereiten. Denn die im Handel erhältlichen Sorten sind oft stark gezuckert, einige Produkte bestehen sogar lediglich aus Zuckerwasser und Aromastoffen.

Aufregend oder anregend?

„Kaffee regt auf, Tee regt an“, so lautet ein Sprichwort, in dem viel Wahrheit steckt.
Grundsätzlich enthalten beide Getränke – Kaffee und Tee – Koffein. Grüner und schwarzer Tee ist dabei im Vergleich zu Kaffee jedoch relativ koffeinarm. Darüber hinaus ist das Koffein im Tee – dessen frühere Bezeichnung Tein heute überholt ist – an Gerbsäure gebunden und meist besser verträglich als das Koffein im Kaffee. Lässt man Tee drei Minuten ziehen, entfaltet er über das Koffein seine anregende Wirkung, zieht er länger als drei Minuten, lösen sich auch die Gerbstoffe und er wirkt entspannend. Tee steigert wie Kaffee die Reaktions- und die Konzentrationsfähigkeit, belastet Herz und Kreislauf jedoch weit weniger, wirkt langsamer und daher länger.

Besser als sein Ruf

Viele Gerüchte kreisen rund um den Kaffee, die noch lange nicht alle haltbar sind – so hört man oft die Behauptung, Kaffee mache süchtig. Zwar tritt eine Gewöhnung an Kaffee ein – und wenn man ihn sehr plötzlich absetzt, kann dies durchaus zu Kopfschmerz und Nervosität führen. Diese Symptome klingen aber meist rasch wieder ab. Von Sucht, die oft eine Veränderung der Psyche, des wirtschaftlichen und sozialen Zustands mit sich bringt, kann bei Kaffeekonsum jedoch nicht die Rede sein.

Bis zu vier oder fünf Tassen täglich gelten, wenn man gesund ist und der Arzt keine subjektiven Einschränkungen sieht, als unbedenklich. Selbst bei erhöhtem Blutdruck sind noch zwei bis drei Tassen pro Tag erlaubt. Und wer Schwierigkeiten mit dem Herzen hat, sollte sich mit seinem Arzt besprechen. In den meisten Fällen ist jedoch auch hier kein grundsätzlicher Verzicht auf Kaffee erforderlich. 
Schwangere Frauen und stillende Mütter sollten ihren Kaffeekonsum aber besser drosseln: Während der Schwangerschaft und Stillzeit wird Koffein im Körper sehr viel langsamer abgebaut, kleine Mengen des Koffeins können in die Muttermilch übergehen. Ein empfindliches Baby reagiert darauf vielleicht mit Unruhe. Hin und wieder ein entkoffeinierter Kaffee bietet sich für diese Zeit als gute Alternative an.

Wenn Ihr Magen auf Kaffee empfindlich reagiert, vertragen Sie möglicherweise einige der darin enthaltenen Fettsäuren nicht. Dann ist möglicherweise Espresso für Sie die bessere Wahl: Durch seine Zubereitungsart werden die Inhaltsstoffe auf andere Weise gelöst als im Kaffee und durch die geringere Wassermenge wird weniger Koffein freigesetzt.
Aber: Wer an einem Magengeschwür leidet, sollte Kaffee wirklich rigoros von seinem Speiseplan streichen.

Entwarnung

Lange Jahre hielt sich die Meinung, Kaffee entziehe dem Körper Wasser und sei schon aus diesem Grund ungesund. Diese Behauptung ist inzwischen eindeutig widerlegt. Nichts sollte Sie daran hindern, ein Glas Wasser zum Kaffee zu trinken, wenn Sie es mögen. Aber Sie können heute sogar Ihren Kaffee in den täglichen Flüssigkeitsbedarf einrechnen. Und für die Behauptung, Kaffee mache dick durch erhöhte Insulinproduktion, gibt es derzeit keinerlei medizinische Anhaltspunkte. 

Die richtige Dosis

Tatsache ist: Kaffee ist – kontrolliert konsumiert – gar nicht so schlecht wie sein Ruf. Aber mit Tee, auch mit Schwarztee, wählen Sie in jedem Fall die mildere Alternative.
Es liegt besonders an der Menge und an Ihrer persönlichen Disposition (und für den einen oder anderen sicher auch an der Erlaubnis seines Arztes), ob Kaffee für Sie der „Schwarze Peter“ ist, als der er oft dargestellt wird. Ob er Sie nur aufmuntert oder schon nervös macht, Sie an- oder aufregt, Ihnen gut tut oder den Schlaf raubt. Hören Sie auf sich und Ihren Körper, vertrauen Sie auf die Signale, die er Ihnen gibt. Dann erkennen Sie selbst sehr gut, ob Sie vielleicht für den Rest des Tages besser Wasser trinken oder einfach einen milden Tee. Es kann ja auch Früchte- oder Kräutertee sein.

Text: Monika Kienpointner
Fotos: Fotolia, Waldhäusl

Fachliche Beratung

  • Primar Univ.-Doz. Dr. Franz Xaver Roithinger, Vorstand der Internen Abteilung des Landesklinikums Thermenregion Mödling
  • Mag. Hanni Rützler, Gesundheitspsychologin und Ernährungswissenschafterin
    www.forum-ernährung.at
    (forum.ernährung heute – Verein zur Förderung von Ernährungsinformationen)