BEWEGUNG

In ihrer ersten Saison qualifizierte sich Cornelia Holland auf Anhieb für die Europa- und Weltmeisterschaften.

Den ersten Schritt in Richtung Profisport machte Michael Holland 2015 mit dem Einstieg in das Leistungssport-zentrum Südstadt.

Bei österreichischen und internationalen Bewerben fahren Cornelia und Michael Holland Topplatzierungen ein.

FotoS: ernst teubenbacher, zvg

An die Spitze radeln

Ein Geschwisterpaar aus Wilhelmsburg brennt für den Radsport. Cornelia und Michael Holland zählen zu den großen öster- reichischen Talenten.

Für die meisten ist Radfahren eine schöne und gesunde Freizeitbeschäftigung. Für das junge Geschwisterpaar Cornelia (17) und Mi- chael Holland (20) ist es hingegen weit mehr. Angetrieben vom eigenen Vater bestritten die beiden Wilhelmsburger im Alter von rund sechs Jahren bereits ihre ersten Rennen und waren auf Anhieb begeistert. Michael Holland erinnert sich noch ganz genau an diese Zeit zurück: „Unser Vater war selbst begeisterter Radsportler, aber nur hobbymäßig. Er hat uns motiviert und schon bald war klar, dass wir Talent haben, da wir bei den Rennen immer vorne dabei waren. Dass wir eines Tages durch ganz Europa reisen und an Eu- ropa- und Weltmeisterschaften teilnehmen, hat sich unser Vater damals aber sicher nicht gedacht.“

Und ohne Eltern geht einfach nichts. Diese müssen eine Reihe von Funktionen übernehmen – von Planungstätigkeiten über Fahrten durch ganz Europa bis hin zum Bereitstellen der finanziellen Mittel. „Erst in den obersten Ligen kümmert sich ein professioneller Be- treuerstab um diese Aufgaben. Bis dahin erledigen alles unsere Eltern – wir sind somit ein echter Familienbetrieb“, kennt Michael Holland die Herausforderungen nur allzu gut.


Zwei wahre Allrounder

Die Lieblingsdisziplin von Michael und Cornelia ist Mountainbike Cross Country. Als zwei von nur wenigen Radsportlern aus Öster- reich sind sie wahre Alleskönner und perfekte Allrounder. Neben dem Mountainbike sind sie auch auf der Straße, querfeldein und auf der Bahn äußerst erfolgreich. Diese Vielfältigkeit bringt auch zahlreiche Vorteile mit sich, wie Cornelia bestätigt: „Es gibt unzählige Si- tuationen, in denen man von jeweils anderen Disziplinen profitiert. So verschafft man sich beispielsweise von Trainings und Wett- kämpfen auf der Bahn einen wesentlichen Vorteil. Es geht nirgends schneller, intensiver und hektischer zu als auf der Bahn. Dies wirkt sich auf die Kondition und auf die taktischen Fähigkeiten aus.“

Mittlerweile liegt der Fokus aber fast zur Gänze am Mountainbiken. Ein einmaliges Erlebnis war für Michael Holland im Vorjahr die Ös- terreich-Rundfahrt. Doch solch lange Etappenrennen sind dem Wilhelmsburger dann doch etwas zu eintönig: „Ein knapp 200 Kilome- ter langes Rennen ist nicht mein Ding, da ist einfach zu wenig Action dabei. Ich liebe kurze und knackige Rennen mit bein-

harten Positionskämpfen und spannenden Entscheidungen. Für Abwechslung und Action ist immer gesorgt.“



Vom großen Bruder lernen

Obwohl die Geschwister den gleichen Sport ausüben, trainieren sie mittlerweile äußerst selten mitein- ander. Das liegt in erster Linie daran, da dies wegen Schule und Beruf schwer zu kombinieren ist. Im Kindesalter haben Michael und Cornelia jedoch viele gemeinsame Stunden am Rad verbracht. „Conni ist mir früher immer und überall nachgefahren. Davon konnte sie echt profitieren, denn die meisten ha- ben keinen großen Bruder, der ihnen alles vorzeigt. Jetzt zählt meine Schwester technisch mit Sicher- heit zu den Besten ihrer Klasse“, sagt der stolze Bruder. Und die kleine Schwester ist auch dankbar da- für: „Viele meiner Erfolge habe ich Michi zu verdanken. Sowohl die Technik als auch die nötige Konse- quenz habe ich von ihm gelernt. Das hat mir bei den Wettkämpfen enorm viel geholfen.“

Im Hause Holland haben sich über die Jahre viele Medaillen angesammelt. Über 30 Titel bei den öster- reichischen Meisterschaften fuhr das Geschwisterpaar bereits ein. Aber auch bei internationalen Ein- sätzen wie Weltcup, Europa- und Weltmeisterschaften überzeugen Michael und Cornelia regelmäßig mit Topplatzierungen. „Bei mir ist es voriges Jahr

extrem gut gelaufen. In meiner ersten Saison als Juniorin qualifizierte ich mich auf Anhieb für die Euro- pa- und Weltmeisterschaften, bei denen ich jeweils Zehnte wurde“, blickt Cornelia auf ein erfolgreiches Jahr zurück.


Der Weg zum Profisport

Den ersten Schritt in Richtung Profisport machte Michael Holland 2015 mit dem Einstieg in das Leis- tungssportzentrum Südstadt in Maria Enzersdorf. Ab diesem Zeitpunkt wurde alles voll und ganz auf den Sport ausgerichtet und diesem untergeordnet. „Der Tagesablauf wurde professionalisiert und unter anderem in Sachen Ernährung sowie Erholung optimiert. Ich arbeite weiterhin hart und konsequent dar- an, Profi zu werden“, lautet das Ziel des ehrgeizigen Sportlers. Nachdem der 20-Jährige nun seinen Präsenzdienst beim österreichischen Bundesheer geleistet hat, strebt er eine Karriere bei der Polizei an. „Ich möchte Beruf und Sport vereinen. Auch wenn es derzeit noch unsicher und schwierig zu reali- sieren ist, werde ich an meinem Ziel festhalten“, gibt er sich kämpferisch. Die jüngere Schwester be- sucht derzeit das Gymnasium Lilienfeld und wird im nächsten Jahr mit der Matura abschließen.


Sport als Sucht

Man muss seinen Sport lieben und leben, um solch großartige Erfolge zu feiern. Die Familie Holland ist begeistert vom vielseitigen Training und den anspruchsvollen und fordernden Ausfahrten. „Es ist das Schönste, wenn man nach einem guten Training völlig erschöpft heimkommt und sich denkt ‚Das war ein echt geiler Tag‘. Ganz egal, ob nach einer siebenstündigen Rennradausfahrt oder einem harten In-

tervalltraining mit tollen Trails. Es ist mittlerweile eine Sucht – ich brauche einfach dieses Gefühl, richtig ausgepowert nach Hause zu kommen und gefühlte fünf Kilogramm Nudeln für die Regeneration zu benötigen“, schmunzelt Michael. Im Wettkampf faszinie- ren Cornelia die spannenden Positionskämpfe mit den Konkurrentinnen. „Jedes Wochenende finden wir eine andere Strecke vor, die jemand anderem besser liegt. Das Highlight ist, wenn du mit einem Pulsschlag von rund 200 zwischen jubelnden Zuschau- ern den Schlussanstieg bewältigst und im Idealfall auch noch gewinnst“, strahlt die junge Wilhelmsburgerin, wenn sie an diese Momente denkt.


Nicht in ein „Loch“ fallen

Das Coronavirus und die damit verbundenen Maßnahmen haben auch die Sportwelt stillgelegt. Eine Situation, die auch für Top- athleten schwierig ist. Durch die Absage von zahlreichen Wettkämpfen ändert sich die Saisonplanung. Das Training wird kom- plett umgestellt, aber keinesfalls ausgesetzt. „Es ist alles andere als einfach, denn plötzlich brauchen wir Ende März doch keine Topform, obwohl wir sie hätten. Jetzt heißt es möglichst gut und konsequent das Training fortzusetzen, vorwiegend auf der Rolle zu Hause. Das Wichtigste ist aber nicht in ein Loch zu fallen, wenn man das nächste Ziel nicht mehr direkt vor Augen hat. Wir sind aber positiv gestimmt, dass sich unser Training bezahlt macht, wenn es wieder weitergeht“, meistern Michael und Cornelia Holland auch diese schwierige Zeit vorbildlich.


Werner Schrittwieser

erschienen in GESUND & LEBEN 05/2020