Covid-19

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Heilung von innen

Mit Ernährung gegen Covid-19? Das Landesklinikum Hollabrunn hat ein Ernährungskonzept entwickelt, um Corona-Patientinnen und Patienten auf dem Weg der Genesung zu unterstützen.

Fakt ist: Wer sich gesund ernährt, sich ausreichend be- wegt und generell einen gesunden Lebenswandel pflegt, reduziert sein Krankheitsrisiko enorm. Besonders die Auf- nahme von genügend Vitaminen und Mineralstoffen sowie Ballaststoffen ist essentiell, um unsere Abwehrkräfte zu stärken.

80 Prozent unserer Immunzellen sitzen im Darm. Umso wichtiger ist es deshalb, Ballaststoffe als Nahrung für die guten Darmbakterien zuzuführen. Darüber hinaus haben verschiedene Lebensmittel eine antivirale Wirkung und können das Immunsystem auch dann unterstützen, wenn es bereits gegen eine Erkrankung kämpft.

Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) legt einen großen Schwerpunkt auf die Kraft der Natur, wenn es dar- um geht, den Körper zu stärken. Anders als die westliche Medizin, die das Blut analysiert oder Körpertemperatur misst, beobachtet die TCM, welche Einflüsse Wetter und Klima, Ernährung oder Emotionen auf den Gesundheits- zustand des Menschen haben und zieht daraus ihre hei- lenden Schlüsse. Zur Covid-19-Prophylaxe und der unter- stützenden Behandlung setzt die Volksrepublik China un-

ter anderem auf Akupunktur, Bewegungs- und Atemübungen sowie ernährungs- physiologische Maßnahmen. Einige westliche In-vitro-Studien konnten darüber hinaus die Anti-SARS-CoV-2-Aktivität von Heilpflanzen wie Süßholzwurzeln, Lö- wenzahn, Thymian, Salbei sowie von gängigen Nahrungsmitteln wie Sojabohnen, Rettichgewächsen, Senf oder Rhabarber nachweisen. Inspiriert durch diese heil- kundliche Theorie in Verbindung mit europäischer Phytotherapie (Pflanzenheilkun- de) orientierte sich das Landesklinikum Hollabrunn beim Anpassen der Speiseplä- ne: Gemeinsam erstellten der Allgemeinmediziner Dr. Thomas Perkonig, die Diäto- loginnen Andrea Jäger und Monika Kaiser sowie Küchenchef Michael Kührer ein unterstützendes Ernährungskonzept für Patientinnen und Patienten, die an Covid- 19 erkrankt sind: „Seit März haben wir uns Gedanken darüber gemacht, wie wir Patientinnen und Patienten mit kleinen Veränderungen der Zutaten und der Zube- reitung unserer Mahlzeiten unterstützen können“, erzählt Diätologin Andrea Jäger.


Auf westliche Art

Die Herausforderung dabei sei es gewesen, die europäische Phytotherapie und die TCM sowie unsere gastronomisch-kulturellen Gegebenheiten auf einen ge- meinsamen Nenner zu bringen und dabei trotzdem auf spezielle Ernährungsbe- dürfnisse oder Vorerkrankungen der Patientinnen und Patienten Rücksicht zu neh- men, sagt Jäger: „So kann ich zum Beispiel Rettich nicht bei einem Patienten ein- setzen, der Probleme mit dem Magen-Darm-Trakt hat, da die Schärfe und blähen- den Eigenschaften des Rettichs hier Schwierigkeiten machen können.“

Eine gute Wirkung zur symptomatischen Behandlung von Erkältungskrankheiten zeigen unter anderem Senfölglykoside: „Diese kommen bei uns zum Beispiel in Form von Kresse als Garnitur bei kalten Mahlzeiten, von Bittersalaten wie Ruco- la oder Brokkoli als Gemüsebeilage auf den Teller.“ Einen weiteren Schwerpunkt legen die Diätologinnen und Diätolo- gen, Medizinerinnen und Mediziner auf das Decken des Eiweiß- und Flüssigkeitsbedarfs. „Gerade bei betagten Men- schen ist eine ausreichende Eiweißzufuhr wichtig. Daher ergänzen wir Soßen oder Breie mit Eiweißpulver. Auch alle an- deren Patientinnen und Patienten erhalten in ihren Mahlzeiten täglich 60 bis 70 Gramm hochwertiges Eiweiß. Durch das Bereitstellen von Tee, Wasser, Säften, Fruchtmusen oder Kompotten sorgen wir außerdem dafür, dass sie genügend Flüssigkeit zu sich nehmen“, erklärt Jäger.

Und betont, dass eine gesunde, ausgewogene Mischkost, reich an sekundären Pflanzeninhaltsstoffen, nicht nur in Co- vid-Zeiten thematisiert werden sollte, sondern immer einen wichtigen Beitrag in der Präventivmedizin leistet.

erschienen in GESUND & LEBEN 12/2020