HERZ

foto: istockphoto/ jack0m

Herzensangelegenheiten

Das Herz ist Symbol der Liebe und des Lebens. Es schlägt hunderttausend Mal am Tag und rund 2,5 Milliarden Mal im Laufe eines 70-jährigen Lebens.

Das Herz ist unser wichtigstes Organ. Seine Pumpleistung hat unerreichte Ausdauer und Präzision, seine Kraft und Anpas- sungsfähigkeit an unterschiedliche Anforderungen sind unvergleichlich. Auch die Technik hat bislang keine Maschine entwi- ckeln können, die über den Zeitraum eines Menschenlebens eine solche Leistung mit solchem Nutzen erbringt.

Dabei ist das Herz „nur“ ein etwa 300 Gramm schwerer Hohlmuskel, in etwa so groß wie eine geballte Männerfaust. Es ist geteilt in eine linke und eine rechte Hälfte, jeweils mit Vorhof und Kammer – jeweils durch eine Scheidewand getrennt. Insge- samt verhindern vier Klappen, die als Ventile wirken, dass das Blut aus den Kammern in die Vorhöfe zurückfließt oder von der großen Haupt- und der Lungenschlagader in die Kammern. Angetrieben wird das Herz durch den Sinusknoten, der elektrische Impulse erzeugt und diese rund um die Uhr weiterleitet. Er liegt im rechten Vorhof, wo die rechte Hohlvene ins Herz mündet. Durch die elektrische Erregung zieht sich das Herz zusammen, und zwar etwa 60 bis 80 Mal pro Minute. Durch diese rhythmische Bewegung wird das sauerstoffarme Blut aus den Venen in die rechte Herzkammer gesaugt und von dort in die Lunge gepumpt.

Mit Sauerstoff angereichert fließt es dann durch den linken Vorhof in die linke Herzkammer und von dort weiter in den Orga- nismus. Bei einem 80 Jahre alten Menschen hat das Herz bereits rund 200 Millionen Liter Blut durch den Körper getrieben.


Am rechten Fleck?

Zu schlagen beginnt das Herz schon beim Embryo im Mutterleib – und zwar ab der sechsten Schwangerschaftswoche. Da- bei schlägt es doppelt so schnell wie das eines Erwachsenen und pumpt mit jedem Schlag Blut durch den gerade einmal vier Millimeter winzigen Körper, damit die sich rasant entwickelnden Organe mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden.

Von seiner tatsächlichen Form her erinnert das Herz an einen abgestumpften Kegel, der mit der Spitze nach unten und leicht links vorne im Brustkorb liegt – es sieht also anders aus als das Herzsymbol, das wir kennen. Und: Es liegt nicht im- mer auf der linken Seite des Körpers. Bei einem von 15.000 Menschen liegt ein sogenannter „Situs inversus“ vor, wobei die Organe teilweise oder gänzlich spiegelverkehrt angeordnet sind. Das ist per se nicht krankhaft, denn das Wunderwerk Mensch kann auch so tadellos funktionieren. Interessant und zunehmend Gegenstand der Forschung sind die Unterschiede zwischen Frauen- und Männerherz. Frauen haben ein kleineres Herz, eine geringere Blutmenge und einen schnelleren Herz- schlag. Auch die Herz-Kreislauf-Parameter wie Gewicht, Volumen, Schlag- und Herzminutenvolumen sind bei Männern und Frauen unterschiedlich, und – was besonders bedeutsam ist: Erkrankungen können sich bei den Geschlechtern verschie- den zeigen. Klassisches Beispiel dafür ist der Herzinfarkt, der sich bei Frauen anders ankündigt als bei Männern.


Das gebrochene Herz

Wie viel das Herz mit der Psyche zu tun hat, zeigen weitere Fakten rund um unser wichtigstes Organ. Das Herz kann vor Freude hüpfen, vor Angst pochen, vor Wut hämmern. Tatsächlich können es starke Emotionen völlig aus dem Rhythmus bringen, seelische Belastungen können ihm auf Dauer ebenso schaden wie körperliche. So weiß man heute etwa, dass de- pressive Menschen ein erheblich höheres Risiko haben, bestimmte Herzerkrankungen zu entwickeln. Und Depressionen ha- ben auch einen negativen Einfluss auf den Verlauf bereits bestehender Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Ein krasses Beispiel für diese Zusammenhänge ist das Broken-Heart-Syndrom – eine Erkrankung des Herzmuskels, die wie aus heiterem Himmel auftritt, wobei die Symptome denen eines Herzinfarkts ähneln. Ausgelöst wird es oft durch großen emotionalen Stress, wie etwa beim Verlust eines Partners. Dieses Syndrom entwickelt sich zwar in vielen Fällen wieder zurück, doch im Extremfall kann man an den Folgeerkrankungen sogar sterben.


Was das Herz krank macht …

Viel gäbe es noch zu berichten über das Powerorgan Herz, etwa dass herzliches Lachen die Herzwände entspannt, dass sich der Herzschlag der Musik anpasst, die man hört, dass sich bei Verliebten die Herzschläge synchronisieren, wenn sie sich länger in die Augen blicken, oder dass die alten Ägypter glaubten, das Herz hätte ein eigenes Bewusstsein und könne sich im Körper bewegen.

Doch bleiben wir in der Gegenwart und blicken noch einer wichtigen Tatsache in Sachen Herzgesundheit ins Auge: Ent- scheidend dafür ist nämlich vor allem der Zustand der Herzgefäße. Sind sie geschädigt und durch Kalk, Cholesterin und an- dere Fette verengt, spricht man von Arteriosklerose. Bedeutendste Risikofaktoren sind Rauchen, Bewegungsmangel, fettrei-

ches Essen, Übergewicht und Stress. Aber auch hoher Blutdruck, Diabetes, Fett- stoffwechselstörungen oder Gefäßerkrankungen in der Familie sind Faktoren, die sich auf das Herz schlagen und es krank machen können.


… und wie es gesund bleibt

Deshalb sollten wir berücksichtigen, dass ein gesunder Lebensstil entscheidend zur Herzgesundheit beitragen kann. Das heißt: regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen wie das EKG, den Herzultraschall und die Ergometrie in Anspruch nehmen, den Ver- zehr von fettreichem Fleisch, Käse und Süßem einschränken, hohe Blutfettwerte sen- ken, für regelmäßige Entspannung und guten Schlaf sorgen und: sich bewegen! Denn: Vor allem Ausdauersport – dreimal pro Woche für eine halbe Stunde zumin- dest sehr flottes Spazierengehen – senkt das Herzinfarktrisiko und stärkt den Herz- muskel. Auf dass unser wichtigstes Organ weiter schlagen und schlagen und schla- gen kann.


Gabriele Vasak

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 05/2019