schnupfen

FotoS: istockphoto: eopleImages, kunertus

Gereizt

Die vasomotorische Rhinitis ist eine besondere Schnupfenform:

Die Nase reagiert überempfindlich auf diverse Reize und läuft fortwährend.

Die Anzeichen eines Schnupfens sind leidlich bekannt: Heftige Niesattacken, Juckreiz, eine laufende sowie verstopfte Nase und angeschwollene Nasenschleimhäute sind die unangenehmen Symptome, die den Alltag eine Zeit lang erheblich beschweren. Im Durchschnitt haben Erwachsene mehrmals jährlich einen Schnupfen, der medizinisch als Rhinitis bezeichnet wird. Kleine Kin- der sind noch häufiger betroffen. Zumeist wird der akute Schnupfen durch Viren hervorgerufen und tritt infolge einer Erkältung auf, die von leichtem Fieber und Husten begleitet wird. Die Erkältungsviren werden entweder durch körperlichen Kontakt mit dem virenhaltigen Sekret – etwa, indem Haltegriffe in öffentlichen Verkehrsmitteln angefasst werden oder Hände geschüttelt wer- den – oder durch eine Tröpfcheninfektion, bei der eine hustende oder niesende Person Krankheitserreger in die Luft schleudert, übertragen. Setzen sich die Viren in der Nasenschleimhaut fest, bildet sich vermehrt Nasensekret, um die Erreger auszuscheiden.


Dauerschnupfen

Im Normalfall klingen die Symptome nach einigen Tagen bis spätestens zwei Wochen wieder ab. Hört die Nase nicht mehr auf zu laufen und bleibt die Atmung durch die Nase erschwert, ist Vorsicht geboten. Der Dauerschnupfen, die sogenannte chronische Rhini- tis, kann auch mit dem Gefühl von Schwäche und Erschöpfung, einer Dauermüdigkeit oder mit einem körperlichen Leistungsabfall einhergehen. Eine chronische Entzündung der Nasenschleimhaut kann sich als Folge häufiger Erkältungen, also durch eine virale Infektion, entwickeln. Als weitere Auslöser kommen Abgase, Ozon, Feinstaub oder Ziga- rettenrauch infrage. Auch Allergikerinnen und Allergiker laufen Gefahr, dass der nur sai- sonal – wie zur Pollenflugzeit – auftretende allergische Schnupfen durch die Reaktion auf Hausstaubmilben oder Tierhaare zum Dauergast wird. Chronischer Schnupfen birgt zu- dem das Risiko, dass es zu Folgeerkrankungen wie einer Entzündung der Nasenneben- höhlen kommen kann, weshalb ein Arztbesuch dringend anzuraten ist.


Überempfindlich

Eine Form der chronischen Rhinitis ist die vasomotorische Rhinitis, die weder durch Aller- gien noch durch Infektionen ausgelöst wird. Die Nasenschleimhaut reagiert auf diverse Reize überempfindlich, wobei die Beschwerden zumeist nur temporär in Erscheinung tre- ten, weiß Dr. Oliver Ortner, HNO-Arzt in St. Pölten: „Durch Staubbelastung, Temperaturun- terschiede zwischen Innen- und Außenräumen oder auch beim Essen einer warmen Sup- pe kann es zum Anschwellen der Nasenschleimhaut und in weiterer Folge zu einer ver-

mehrten Schleimproduktion mit der Bildung von klarem Sekret und Nasenlaufen kommen.“ Zudem kann die Nase auch auf den strengen Geruch von Chemikalien, gewürzte Speisen, heiße Getränke oder Tabakrauch überreagieren, aber auch bei körperli- cher Aktivität. Komme jemand mit solchen Beschwerden in seine Ordination, erfolge nach einer Erhebung der aktuellen Be- schwerden, der gesundheitlichen Vorgeschichte und des Lebensstils (Anamnese) die Untersuchung: „Ich sehe mir die Nase von innen an – zuerst mit einer einfachen LED-Stirnleuchte und danach völlig schmerzfrei mit einem Nasenendoskop.“ Kann eine Erkältung ausgeschlossen werden und sind auch die Allergietests negativ, kann es sich um einen vasomotorischen Schnupfen handeln. „Dieser tritt gehäuft im Alter auf – vor allem, weil die Nasenschleimhaut trockener und damit überempfindli- cher wird“, sagt Ortner. „Bei einer zu trockenen Nasenschleimhaut erzielt eine entsprechende Schleimhautpflege durch Pflege- sprays und pflegende Nasensalben oft eine Besserung der Symptomatik.“ Abhilfe schaffen auch Nasensprays mit Kortison oder dem Wirkstoff Capsaicin, der aus Chilischoten gewonnen wird. Da die Verträglichkeit aber nicht immer gegeben ist, sollte dieser nur unter ärztlicher Kontrolle zum Einsatz kommen. In vielen Fällen können laut dem HNO-Spezialisten die Beschwerden zwar nicht gänzlich zum Verschwinden gebracht, aber deutlich gelindert werden.


Jacqueline Kacetl


interview



Nervensystem der nase im Ungleichgewicht

Wie äußert sich ein vasomotorischer Schnupfen?

Er zeigt sich durch eine verstopfte Nase mit Behinderung der Nasenatmung, eine vermehrte Schleimproduktion mit laufender Nase und klarem Sekret, vor allem bei Staubbelastung und Temperaturunterschieden, sowie durch Niesen und Juckreiz.


Was sind die Ursachen?

Die vasomotorische Rhinitis, die auch als idiopathische Rhinitis – das heißt ohne be- kannte Ursache – bezeichnet wird, ist die häufigste Form der nicht-allergischen chronischen Rhinitis. Sie wird durch ein Ungleichgewicht des Nervensystems, das die Nasenfunktion reguliert, ausgelöst. Andere Formen der nicht-allergischen Rhini- tis sind hormonell oder medikamentös bedingt, können aber auch durch Exposition mit Chemikalien oder durch Rauchen verursacht werden.


Wo liegt der Unterschied zum allergischen Schnupfen?

Der allergische Schnupfen wird durch Allergien ausgelöst, die einerseits durch die Anamnese und andererseits mittels verschiedener Allergietests nachgewiesen wer- den können.

erschienen in GESUND & LEBEN 04/2021