Hindernisläufe bieten sportliche Herausforderungen und Spaß für jedes Fitnesslevel.



Text.

2017 eröffnete David Herzog ein Trainingsareal, auf dem Einsteiger und ambitionierte Wettkampfsportler gefordert werden.

FotoS: OCR/David Herzog, FotoS: OCR/David Herzog

BEWEGUNG

Spielplatz für

Erwachsene

Bei Hindernisläufen sind Ausdauer, Kraft, Koordination und

Beweglichkeit gefragt. Niederösterreich hat sich in den letzten Jahren als „Hochburg“ der modernen Sportart etabliert.

Die Natur ist bereits für Kinder der beste und wichtigste Spielplatz, den es zu erkunden gibt. Dabei sammeln sie wertvolle Bewe- gungserfahrungen, wie auf Bäume zu klettern oder über Gräben zu springen. Hindernisse, die sich ihnen in den Weg stellen, über- winden sie durch die Kombination verschiedener Bewegungen. Nach dem Erlebnis in der Natur kehren die Kinder oft erschöpft und schmutzig, aber glücklich nach Hause zurück. Während dieser natürliche Spielplatz heute immer weniger genutzt wird, kom- men nun aber zahlreiche Erwachsene auf den Geschmack: Hindernisläufe stehen derzeit hoch im Kurs, wobei Niederösterreich in vielen Belangen als Vorreiter gilt. Mit der „union dirtrun.company“ ist der größte Obstacle Course Races (OCR)-Verein im Bundes- land angesiedelt. Hinzu kommt mit dem „Elementics Parcours“ in St. Pölten das erste offizielle Trainingsareal für OCR und Dirtruns.


Über die Garage des Nachbarn

David Herzog kennt die OCR-Szene bereits seit zehn Jahren. Der Neulengbacher kam über Umwege zum Hindernislauf. „Ich woll- te unbedingt einen Ausgleich und habe mit Laufen begonnen. Im Gelände war es aber viel spannender und schon bald habe ich immer mehr Hindernisse gefunden, die sich mir in den Weg gestellt haben. Ich bin über Bäume und Zäune gesprungen, über die Garage meines Nachbarn geklettert. So habe ich dann auch die ersten Events entdeckt und 2011 meinen ersten Hindernislauf be- stritten“, erinnert sich Herzog zurück. Danach ging es Schlag auf Schlag – er kam auf den Geschmack und meldete sich für die nächsten Veranstaltungen an. Dabei fand er Gleichgesinnte, die sich zusammenschlossen und in weiterer Folge als  „dirtrun.com- pany“ auftraten. „Es war eine Interessensgemeinschaft, oder wie wir sagen ‚ein Haufen Wahnsinniger‘. Die Gruppe ist im Laufe der Zeit dann stark gewachsen“, schmunzelt David Herzog. Mittlerweile ist aus der Interessensgemeinschaft ein offizieller Verein ge- worden, der 100 Mitglieder umfasst und auf die Erfahrungen von derzeit rund 3.900 Hindernisläufen sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene zurückblicken kann.


Vielfältiger Sport

Wie vielfältig der Sport und die Hindernislauf-Szene mittlerweile sind, zeigt die Vielzahl an Formaten und Events. Diese reichen von kleinen familiären Hindernisläufen bis hin zu den großen Spartan Races, bei dem die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf eine über 50 Kilometer lange abenteuerliche Reise geschickt werden. Für Einsteiger eignen sich X-Cross-Bewerbe besonders gut, da hier die Hindernisse bewusst einfach gestaltet sind. Die moderne Sportart zeichnet sich allen voran durch die Kombination ver- schiedener sportmotorischer Fähigkeiten mit Ausdauer, Kraft, Koordination und Beweglichkeit aus. Hinzu kommen Teamspirit und Zusammenhalt. „Bei den Hindernissen hilft man sich einfach gegenseitig. Da wird nicht lange nachgedacht, sondern einfach zu- sammengearbeitet. Da du oft auch nicht wirklich weißt, was dich bei einem Lauf erwartet, holst du noch mehr aus dir raus, als du eigentlich glaubst“, bestätigt David Herzog.

Um sich für die Hindernisse bei den Bewerben besser vorbereiten zu können, bastelte David Herzog bereits 2015 seinen ersten eigenen Trainingsplatz. Daraufhin beschloss der 33-Jährige, ein professionelles Trainingszentrum für Hindernisläuferinnen und - läufer zu schaffen. Im April 2017 eröffnete er das erste offizielle Trainingsareal für Obstacle Course Races und Dirtruns. Unter dem Namen „Elementics“ werden in St. Pölten spezielle Trainingseinheiten sowohl für ambitionierte Wettkampfsportler als auch ungeüb- te Hobbysportler angeboten.

Die Herangehensweise für Einsteiger ist unterschiedlich, wie der Dirtrun-Spezialist Herzog bestätigt: „Die einen entscheiden sich nach der Sicherheitsunterweisung für ein freies Training, um ihren persönlichen Fitnesslevel zu testen. Andere wiederum nehmen an einem Workshop teil, um alle Hindernisse unter fachmännischer Anleitung kennenzulernen. Zudem gibt es die Möglichkeit eines

Personal Trainings.“


Fordernd & jede Menge Spaß

Der passionierte Sportler absolvierte in den letzten Jahren eine Vielzahl an unterschiedlichsten Läufen. So manches Event blieb ihm aber ganz speziell in Erinnerung. „Die Ultradistanz beim Celtic Warrior in Zillingtal war mit Sicherheit eines meiner Highlights. Diese Momente, wenn dir der Wind bei Minusgraden um die Ohren bläst und du durch den See schwimmst und kaum weiter- kommst, sind schon sehr prägend. Ganz anders war es beispielsweise voriges Jahr beim Spartan Sprint in Zell am See. Da sind wir in einer großen Gruppe gelaufen und hatten richtig viel Spaß. Hier sieht man wieder, wie abwechslungsreich unser Sport ist“, schildert David Herzog seine persönlichen Highlights.

Für die Zukunft hat der Neulengbacher bereits die nächsten Ziele im Visier. Auf

seinem Trainingsareal möchte er den Parcours weiter ausbauen. Im Raum steht auch ein zusätzlicher neuer Standort. Hier gibt sich David Herzog aber noch zurückhaltend: „Schön wäre es, irgendwann den Schritt zu wagen, ein Trainingsareal auf einen zweiten Standort zu bringen. Das Fundament muss passen, bevor man das Dach draufsetzt. Und ein paar Mauern dazwischen sind natür- lich auch wichtig. Deshalb lasse ich mir dafür noch etwas Zeit.“


Werner Schrittwieser

erschienen in GESUND & LEBEN 04/2020