EHRENAMT

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Freiwillige an den Start

Wie sähe unsere Gesellschaft ohne all jene aus, die sich ehrenamtlich engagieren? In Niederösterreich investieren rund 660.000 Menschen ihre Zeit und ihre Fähigkeiten unentgeltlich für andere – und profitieren selbst dabei.

Es sind beeindruckende Zahlen: Allein beim Roten Kreuz Niederösterreich arbeiteten im vergangenen Jahr 18.549 Menschen freiwil- lig und unentgeltlich mit und leisteten ein Arbeitspensum von über 2,5 Millionen Stunden. Sie waren unter anderem als Rettungssani- täter, in der Jugendarbeit oder Seniorenbetreuung, bei der Trauer- und Sterbebegleitung oder mit Suchhunden im Einsatz. „Den Mög- lichkeiten, sich bei uns ehrenamtlich zu engagieren, sind kaum Grenzen gesetzt“, sagt Julia Braun, Leiterin des Freiwilligenmanage- ments vom Roten Kreuz Niederösterreich, nicht ohne Stolz. Und unterstreicht das mit dem Slogan, den das Rote Kreuz österreichweit verwendet, um Ehrenamtliche zu gewinnen: „Bei uns findet sprichwörtlich jeder die passende Jacke.“ Ein Szenario ohne freiwillige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter will sich beim Roten Kreuz niemand vorstellen. Denn abgesehen vom Wert der geleisteten Arbeit hat das Engagement von Freiwilligen noch weitere Vorteile für die Organisation, sagt Braun: „Die Freiwilligen bei uns kommen aus allen Einkommens- bzw. Bildungsschichten, sind Menschen mit den unterschiedlichsten Hintergründen und Bekanntenkreisen. Dies er- möglicht uns einen nahen Anschluss an die Bevölkerung. Bedürfnisse können rascher erkannt werden.“


Tätigkeit mit Sinn

Das Rote Kreuz ist nur eine von vielen Organisationen und Vereinen in Niederös- terreich, die auf die Mitarbeit von Ehrenamtlichen angewiesen sind. Sportliches und religiöses Leben, Tier- und Klimaschutz, der Kultur- und Bildungsbereich, das Sozialwesen: Sie alle wären in der Form, wie sie heute funktionieren, nicht denk- bar, gäbe es jene nicht, die ihre Zeit und Fähigkeiten ohne Bezahlung investieren. In Niederösterreich sind es Schätzungen zufolge rund 660.000 Menschen, die dies tun. Aus unterschiedlichen Beweggründen, sagt die Professorin für Prakti- sche Theologie und Werteforscherin Regina Polak von der Universität Wien: „An- ders als noch vor einigen Jahrzehnten, als ehrenamtliches Engagement eine Art gesellschaftliche Verpflichtung war, sind die Motive heute deutlich persönlicher geworden: Menschen suchen nach sozialer Zugehörigkeit und sozialem An- schluss, nach einer Tätigkeit mit Sinn. Sie verstehen ihr Engagement als Form per- sönlicher Weiterbildung und Horizonterweiterung.“ Vor allem für jüngere Personen sei der persönliche Benefit und somit die Frage „Was bringt mir das?“, relevant. „Aber auch der Wunsch, der Gesellschaft etwas ‚zurückzugeben‘ oder Motivation aus dem eigenen religiösen Glauben beziehungsweise schlicht der Wunsch zu helfen, lassen sich beobachten“, erklärt Polak. Dass altruistische und egoistische Motive beim freiwilligen Engagement Hand in Hand gehen, zeigt auch eine Studie aus dem Jahr 2019: Die drei am häufigsten genannten Beweggründe fürs Ehren-

amt sind demnach, anderen zu helfen, etwas für das Gemeinwohl zu tun und der Spaß, den man dabei hat.

Wie bedeutsam freiwilliges Engagement für eine Gesellschaft ist, drückt Regina Polak so aus: „Ohne Menschen, die sich freiwillig und ehrenamtlich engagieren, verliert eine Gesellschaft ihre Seele, das gesellschaftliche Klima wäre kalt und herzlos, reduziert auf berufliche und private Interessen. Ehrenamtliches Engagement sichert dementsprechend den sozialen Zusammenhalt, hält die Men- schlichkeit am Leben, fördert das Zusammenspiel von Freiheit und Verantwortung.“ Zugleich sei es angesichts der Herausforderun- gen im beruflichen und privaten Bereich für viele – vor allem für Menschen der mittleren Generation – nicht einfach, sich für ehren- amtliche Tätigkeiten Zeit freizuschaufeln. „Der Druck am Arbeitsmarkt, die Leistungsanforderungen lassen es oft nur schwer zu, die wenige verbliebene Zeit für solches Engagement zur Verfügung zu stellen“, sagt Polak. Dass gesamtgesellschaftliche Entwicklungen zu Veränderungen bei der Freiwilligenarbeit geführt haben, gibt auch Michael Walk, Organisator der Freiwilligen-messe in Wien und Niederösterreich, zu bedenken: „Es geht heutzutage immer mehr in Richtung projektorientierte Freiwilligenarbeit. Da poppt ein Pro- blem auf, Menschen engagieren sich kurzfristig und sind dann wieder weg – wie zum Beispiel bei der Flüchtlingswelle 2015.“ Organi- sationen und Vereine würden dadurch oft vor große Herausforderungen gestellt, weil sie in ihre freiwilligen Mitarbeiterinnen und Mitar- beiter investieren. „Freiwillige vollbringen häufig qualifizierte Tätigkeiten, für die auch Einschulungen nötig sind. Wenn jemand eine Ausbildung absolviert und dann bald die Lust verliert, ist das ein Problem.“ Walk nimmt diesbezüglich einen Unterschied zwischen Stadt und Land wahr. Auf dem Land ist längerfristiges Ehrenamt eher üblich: „Da geht man als Jugendlicher zur Freiwilligen Feuer- wehr und bleibt das ganze Leben dabei. Das bindet auch an den Heimatort.“ Dass ehrenamtliche Tätigkeiten auch einen gesundheitlichen Vorteil haben, belegen Studien aus aller Welt schon seit Jahren: So zeigte eine im amerikanischen Journal für prä- ventive Medizin veröffentlichte Arbeit, dass soziales Engagement (mindestens zwei Stunden pro Woche) bei Menschen über fünfzig ein geringeres Sterberisiko und höhere körperliche Fitness bedingt.

Eine weitere Untersuchung an kanadischen Gymnasiastinnen und Gymnasiasten, die regelmäßig Volksschulkindern halfen, zeigte weitere gesundheitsfördernde Effekte: Der Body-Mass-Index verbesserte sich, der Cholesterinspiegel sank und das Herz-Kreislauf- System wurde gestärkt. Gutes zu tun tut dem Körper also durchaus gut.


Freiwillige koordinieren

Was sich in den vergangenen Jahrzehnten außerdem verändert hat: Freiwillige haben mehr Ansprüche an ihre Tätigkeit und die

Einrichtung, bei der sie mitarbeiten. „Die Leute wollen in der Organisation eine Ansprechperson sowie eine genaue Beschreibung ih- rer Aufgaben“, sagt Walk. Dazu gebe es mittlerweile vielerorts Koordinatorinnen und Koordinatoren, an die sie sich bei Problemen und Anfragen wenden können und die für eine angemessene Willkommens-, Anerkennungs- und Verabschiedungskultur in einer Or- ganisation verantwortlich sind. Auch beim Roten Kreuz hat jede Bezirksstelle einen

solchen Freiwilligenkoordinator. „Dieser steht für alle Fragen zum Thema zur Verfügung und weiß genau, welche Dienstleistungen es an der Bezirksstelle direkt gibt“, erklärt Julia Braun. Wer Interesse an freiwilliger Mitarbeit beim Roten Kreuz hat, meldet sich also am besten beim Freiwilligenkoordinator einer Bezirksstelle, der bei der Wahl des passenden Engagements hilft: Ob kurz- oder langfristig, im Seniorencafé, bei der Krisenintervention oder bei der Lernunterstützung von Volksschulkindern – auf jeden Fall eine Tätigkeit mit Sinn.


Sandra Lobnig, Michaela Neubauer

Gerhard Heilig, MBA, ehrenamtlicher Mitarbeiter beim Roten Kreuz

NÖ und bei der Österreichischen Wasserrettung

„Das Ehrenamt begleitet mich schon fast mein ganzes Leben lang: Mein Vater war be- reits ehrenamtlich beim Roten Kreuz tätig und hat mich für diese Tätigkeit begeistert. Seit über 30 Jahren engagiere auch ich mich als Rettungs- und Notfallsanitäter, Lehrbeauf- tragter für Erste Hilfe und Sanitätshilfe und bin Verantwortlicher in der Organisation von Ambulanzdiensten im Bezirk St. Pölten – zum Beispiel beim Frequency-Festival. Heraus- fordernde Erlebnisse gab es einige – zum Beispiel zehn Tage im Hochwasser-einsatz 2002 im Kampgebiet oder das Zugsunglück der Himmelstreppe im Juni 2018 mit über 30 teils schwerverletzten Personen. Das Schöne an der ehrenamtlichen Tätigkeit ist die Ab- wechslung zum Beruf, die Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Stellen und dass ich mein Wissen an Auszubildende weitergeben kann. Und dass ich schon einige Patienten erfolgreich reanimieren und somit Leben retten konnte.“

Romana Pawlik aus Markersdorf engagiert sich bei „Big Brothers Big Sisters“

„Seit drei Jahren begleite ich im Rahmen der Organisation ‚Big Brothers Big Sisters‘ als Mentorin ein Mädchen, das mittlerweile dreizehn Jahre alt ist. Wir treffen uns meistens einmal pro Woche, essen zu Mittag und unternehmen dann etwas gemeinsam. Bei ‚Big Brothers Big Sisters‘ geht es darum, als Mentor junge Menschen in herausfordernden

Lebenslagen mit Zeit, Liebe, Energie und Freundschaft zu unterstützen. Das Schöne für mich ist dabei, zu erleben, wie sich durch Beständigkeit eine wunderbare Freundschaft entwickelt. Wir schenken einander Zeit und zeigen Interesse am Leben des anderen. Be- gonnen habe ich damit, weil mir – als meine beiden Töchter von zu Hause ausgezogen

sind – die Jugend gefehlt hat. Ich wollte wieder teilhaben am Erwachsenwerden eines Menschen. ‚Big Brothers Big Sisters‘ ermöglicht mir das und betreut mich und meine Mentee professionell. Übrigens: ‚Big Brothers Big Sisters‘ sucht noch Mentoren für Krems und St. Pölten.“ Helfen Sie mit: www.bigbrothers-bigsisters.at

Helene Galbavy engagiert sich bei „Fridays for Future“ in Wiener Neustadt

„Warum ich mich bei ‚Fridays for Future‘ engagiere? Ich will nicht dafür verantwortlich sein, dass unsere Nachfahren kein schönes Leben mehr leben können. Deshalb versu- chen wir die Politikerinnen und Politiker auf die Dringlichkeit aufmerksam zu machen, et- was für den Klimaschutz zu tun. Vor eineinhalb Jahren war ich auf meiner ersten Demo, seit etwa einem Jahr bin ich richtig aktiv. Unsere Gruppe in Wiener Neustadt trifft sich etwa einmal pro Woche, wegen Corona im Moment über Video. Bei diesen Treffen überle- gen wir, wie wir Aufmerksamkeit auf uns und unsere Anliegen lenken können. Wir planen die Routen für unsere Demos und melden sie bei der Polizei an. Es gibt geniale Erfolgs- erlebnisse, zum Beispiel, wenn viele Menschen an einer Demo teilnehmen und die Medi- en darüber berichten. Da zahlt es sich aus, dass wir viel Arbeit reinstecken und Nächte durcharbeiten.“

Helfen Sie mit: www.fridaysforfuture.at

Christoph Steiner,

Ehrenamtlicher in der Pfarre Staatz

„Ich helfe schon immer in der Pfarre mit. Mit dem Ministrantendienst habe ich angefan- gen, eine Zeitlang war ich im Pfarrgemeinderat, heute bin ich Lektor, Kommunionhelfer und im Liturgieteam. Ich arbeite gerne in der Pfarre mit und finde, dass es notwendig ist, Hilfe anzubieten. Für mich ist das ein Dienst zur Ehre Gottes. Wenn ich in der Kirche die Lesung lese, ist das für mich eine Ehre.

Dafür nehme ich mir gerne Zeit. Die Unterstützung meiner Frau habe ich, auch wenn es für sie nicht immer leicht ist, wenn ich einen Dienst übernehme und sie sich um unsere Kinder kümmern muss.“

Theresia Jira,

ehrenamtliche Mitarbeiterin im PBZ Laa/Thaya

„Ich habe 1995 als Firmbegleiterin begonnen und dann einmal auf Ansinnen des Herrn Pfarrers das St.-Vitus-Heim (Anm. d. Red. PBZ Laa/Thaya) besucht. Schon nach meinem ersten Besuch war ich so beeindruckt von diesem Ort, dass ich begonnen habe, regel- mäßig bei Heiligen Messen mitzuhelfen und die Mesnerdienste zu versehen. Im Pflege- und Betreuungszentrum sind wir 75 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die allesamt bemüht sind, Menschen auf ihrem letzten Weg zu begleiten. Bei Fortbildungen bekommen wir Tipps, wie wir mit viel Einfühlungsvermögen und mit sanfter Art auf die Menschen eingehen können. Ich erinnere mich noch gut an den Moment, als ein älterer dementer Bewohner zu mir gesagt hat: ‚Niemand kommt mich besuchen, nicht einmal die Mama.‘ Dieser Satz hat damals viel in mir ausgelöst, weil mir bewusst wurde, dass wir Ehrenamtlichen jetzt die Rolle der Mütter und Väter einnehmen. Die Tätigkeit gibt mir so viel Kraft und ein gutes Gefühl, weil ich Menschen beistehen und sie dabei unterstützen kann, ihr Leid und ihre Krankheit zu tragen. Es tut gut, wenn man spürt, dass man hilft.“

Gottfried Grabensteiner,

ehrenamtlicher Mitarbeiter im PBZ St. Pölten

„Seit 2003 engagiere ich mich ehrenamtlich im PBZ St. Pölten. Meine Tochter hat damals ein Praktikum dort gemacht. Einmal habe ich sie hingeführt und da ist mir ein Plakat ins Auge gesprungen: ehrenamtliche Mitarbeiter gesucht. Ich habe nicht lang gezögert und mir gedacht ‚das probiere ich aus.‘ Inzwischen sind es schon 17 Jahre, in denen ich bei Festen wie Nikolaus, Fasching oder beim Kegelturnier mithelfe. Und seit knapp sechs Jahren spiele ich im Tageszentrum mit Bewohnern Schach. Dabei erfährt man viel über die Menschen – zum Beispiel habe ich einige Zeit mit einem dementen Herrn gespielt, der oft von seinen früheren Urlauben in Italien oder seiner Teilnahme am Göller Skirennen gesprochen hat. Zum Geburtstag habe ich ihm dann ein Gedicht geschrieben und seine Erzählungen einfließen lassen. Damit hatte er eine Riesenfreude und auch nach seinem Tod hat sich seine Gattin noch rührend dafür bedankt.

Mein nun schon langjähriger Schach-Partner ist 76 Jahre alt, stammt aus

St. Pölten und für ihn ist es die größte Freude, wenn ich mit ihm Schach spiele. Das hat er von seinem Vater als Kind gelernt. Anfangs war er nervös, beim gemeinsamen Schach- spielen hat er diese Unruhe aber komplett abgelegt – es hat sozusagen eine ‚heilende‘ Wirkung auf ihn. Gemeinsam erlebt man viele lustige, aber auch berührende Momente – das verbindet und macht das Ehrenamt zu einer ganz besonderen Tätigkeit!“

Gerlinde Janecek ist Vorturnerin und engagiert sich in der »Gesunden Gemeinde« Maissau

„Mit 60 Jahren habe ich die Ausbildung zur Trainerin und Vorturnerin gemacht. Nach ei- nem erfüllten, aber auch stressigen Berufsleben habe ich gemerkt, dass ich langsam versteife und muskulär abbaue. Die Ausbildung hat mich wirklich weitergebracht, ich habe gelernt, dass Sport und Bewegung gerade im Alter unerlässlich sind. Etwas Gesün- deres gibt es einfach nicht für den Körper. Heute bin ich 80 Jahre alt und es geht mir un- glaublich gut! Genau das wollte ich im Turnsaal immer rüberbringen: Es geht nicht ums Abnehmen, sondern um den Muskelaufbau und -erhalt, um das Schonen der Gelenke, sodass man bis ins hohe Alter fit und gesund bleibt. Durch die Mithilfe in der »Gesunden Gemeinde« habe ich das Gefühl, wirklich etwas bewegen zu können!“

Helfen Sie mit: www.noetutgut.at/gemeinde/gesunde-gemeinde

Ingeborg Dorn,

Ehrenamtliche bei Tierschutz Austria in Vösendorf

„Seit über dreißig Jahren unterstütze ich Tierschutz Austria, seit November 2018 arbeite ich auch ehrenamtlich mit und komme ein- bis zweimal in der Woche ins Kleintierhaus nach Vösendorf. Hier kann ich mir aussuchen, was ich gerne machen möchte. Am liebs- ten kümmere ich mich um die Kaninchen. Ich schneide ihnen das Futter – da bin ich sehr genau: Ich schäle zum Beispiel die Karotten. Vor Kurzem habe ich einen großen Sack Lö- wenzahn gesammelt, den ich ihnen mitgebracht habe. Jetzt in der Pension habe ich da- für Zeit und habe eine neue und schöne Aufgabe gefunden. Bei den Tieren kann ich mir viel Zeit nehmen, ich beobachte sie genau. Das ist ganz was anderes als bei meiner Ar- beit als diplomierte Krankenpflegerin. Es macht mich zufrieden, zu helfen – sonst würde ich’s ja nicht tun. Was auch wichtig ist: Die Leute hier sind super!“

Helfen Sie mit: www.tierschutz-austria.at

Gerta Bösmüller,

Vorsitzende und Leiterin der ehrenamt-lichen Dienste im Hilfswerk Korneuburg

„Seit vielen Jahren sind ehrenamtliche Projekte im Hilfswerk Niederösterreich – für welche ich viel Zeit und Kraft investiere, ohne dafür materielle Gegenwerte zu bekommen – Mit- telpunkt meines Lebens. Ich finde es gut so. Denn das was ich zurückbekomme ist so viel wertvoller als jedes andere Besitztum: ein Lächeln, ein Danke, Erfahrung, Wissen, so- ziale Kompetenzen und einfach das Gefühl, etwas Sinnvolles geschafft zu haben. Helfe ich anderen Menschen und mache sie damit glücklich, bin auch ich glücklich und ein bisschen stolz.“

Helfen Sie mit: www.hilfswerk.at

Patrick Schneider ist Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr in Göpfritz/Wild

„Mir wurde das Engagement bei der Freiwilligen Feuerwehr quasi in die Wiege gelegt. Mein Vater war schon dabei und hat mich immer mitgenommen, so bin auch ich reinge- wachsen. Seit 2010 bin ich nun im aktiven Feuerwehrdienst, davor war ich bei der Feuer- wehrjugend. Wir haben einmal im Monat eine Feuerwehrübung. Darüber hinaus bin ich Jugendbetreuer. Mit der Jugend treffen wir uns einmal in der Woche im Feuerwehrhaus und bereiten sie auf den aktiven Dienst vor. Für mich war die erste Motivation bei der Feuerwehr zu sein, die Freundschaft mit den anderen. Ich schätze die Kameradschaft – dieses Wissen, dass man sich auf die anderen verlassen kann. Dass man Teil einer Gruppe ist, mit der man im wahrsten Sinn des Wortes durchs Feuer gehen kann. Und na- türlich mache ich das auch, weil ich in Not geratenen Menschen helfen kann. Das ist was Sinnvolles und auf jeden Fall besser, als nur vor dem Fernseher oder dem Computer zu sitzen.“

Helfen Sie mit: www.noe122.at

Gusti Schwöllinger,

ehrenamtliche Mitarbeiterin im PBZ Scheiblingkirchen

„2014 verstarb mein Gatte nach langer und schwerer Krankheit. Als ich die erste Trauer- phase überwunden hatte, wusste ich, dass ich etwas tun musste. Ich wollte mich ehren- amtlich engagieren, ich hatte noch so viel, das ich weitergeben wollte. Meine erste An- laufstelle war intuitiv das PBZ Scheiblingkirchen. Ich habe angerufen und einen Termin vereinbart, um weitere Informationen einzuholen. Vom ersten Augenblick an wusste ich, dass ich die richtige Stelle für mich gefunden hatte und das dies mein neues Tätigkeits- feld werden wird. In den ersten Jahren habe ich mehrere Bewohnerinnen und Bewohner betreut. Meine Hobbys und die Liebe zur Musik konnte ich einbringen und so habe ich den Operettennachmittag ins Leben gerufen, der bis jetzt ein fester Bestandteil geblie- ben ist, obwohl ich nicht immer dabei sein kann. Um meine Zeitressourcen richtig und sinnvoll einzusetzen, bin ich derzeit für die Betreuung eines Bewohners zuständig, mit dem mich mittlerweile eine richtige Freundschaft verbindet. Wir haben beide die gleichen Interessen, die Liebe zur Natur und (fast) den gleichen Musikgeschmack. Außerdem ge- stalte ich die Sportstunde. Das Besondere daran ist, dass die Aktivitäten mit den Bewoh- nern soweit wie möglich im Freien stattfinden. So kann ich bei Schönwetter in der freien Natur sein. Ich könnte von hunderten schönen Erlebnissen berichten, ein Moment wird mir jedoch ewig in Erinnerung bleiben, als eine demente Bewohnerin, sehr in sich ge- kehrt, kaum Kommunikation möglich, dem Musiknachmittag beigewohnt hat und plötzlich zu singen begann. Völlig textsicher und mit voller Freude hat sie mich mit

strahlenden Augen angesehen und gesungen.“

DSA Georg Hauer, MSc,

Leiter des Kriseninterventions-Teams des Roten Kreuzes und ehrenamtlicher

Mitarbeiter bei der Ö3-Kummernummer

„Ich bin hauptberuflich Psychotherapeut und Leiter des Kriseninterventions-Teams beim Roten Kreuz. Dabei betreue und unterstütze ich etwa Angehörige nach einem Verkehrs- unfall oder Augenzeugen eines Suizids. Hilfe leistet das Rote Kreuz aber nicht nur bei Unfällen und Katastrophen, sondern als Kooperationspartner der Ö3-Kummernummer auch bei Problemen wie Einsamkeit oder Familienstreit. Seit etwa einem Jahr arbeite ich ehrenamtlich bei der gebührenfreien Kummernummer mit und stehe Anruferinnen und Anrufern mit Trost und Empathie zur Seite. Mir fällt es leicht, Menschen zuzuhören und ihnen Lösungswege aufzuzeigen. Wenn ich dann mitbekomme, dass sie sich entspan- nen und es ihnen besser geht, ist das ein besonders schönes Gefühl.“

Helfen Sie mit: www.roteskreuz.at/pflege-betreuung/

psychosoziale-dienste/oe3-kummernummer

Ansprechpartnerin: Julia Braun, Tel.: 059 144 50236

erschienen in GESUND & LEBEN 10/2020