SERIE PFLANZEN

Wildrosenschätze

FotoS: istockphoto: druvo, Valentyn Volkov

Die Früchte der Wildrose – Hagebutten – zählen zu den wichtigsten Wildfrüchten in unseren Breiten. Sie schmecken köstlich – und sind ein hochpotentes Heilmittel.

Wenn wir von Rosen sprechen, denken wir meist unwillkürlich an Edelrosen. Die aber kamen erst vor rund 700 Jahren mit den rückkehrenden Kreuzrittern in unser Land. Bei uns heimisch hingegen sind die „Hundsrose“ und die Feldrose –

das sind Wildrosen, seit Urzeiten das Symbol der Frau, der Fruchtbarkeit und der Liebe. Im antiken Griechenland war die Rose der Aphrodite zugeordnet, bei den Germanen der Frigg oder der Freya. Auch bei den Römern standen Rosen für Lebensfreude, Luxus, körperliche Liebe und Fruchtbarkeit. Wenn das der christlichen Kirche auch lange nicht gefiel, wurde die Rose dennoch im 11. Jahrhundert zum Attribut der Heiligen Maria – hier im gewandelten Sinnbild von Reinheit und Sittlichkeit.

Mit der Rose waren aber auch die Vorstellung des Schmerzes und die von Vergänglichkeit und Tod verbunden. Die Römer feierten früher den „dies rosae“, den Rosentag, eine Art To- tengedenken. Und bei den Germanen wurden Rosen auf Opferplätzen und Gräbern ge- pflanzt. Auch heute noch werden etwa in der Ostschweiz und im Allgäu abgelegene Fried- höfe als Rosengarten bezeichnet.


Vitaminspeicher & Heilmittel

Die Blüten der Wildrose, die an Feldrainen, in lockeren Hecken und an Waldrändern steht, sind weiß bis rosa und duften sehr stark. Ihre Früchte, die Hagebutten, dienten in getrockne- ter Form schon den Höhlenbewohnern als Vitaminspeicher in den harten Winterzeiten, da es nichts anderes gab. Tatsächlich enthalten Hagebutten hohe Dosen an Vitamin A, B1, B2, E und K sowie viele Mineralien und Fruchtsäuren. Aber die Hagebutte ist auch ein hochpoten- tes Heilmittel: Schon die Ärzte des Altertums nutzten sie als harntreibendes, stoffwechselför- derndes, schmerzlinderndes und blutreinigendes Mittel. Die Heilkraft der Hagebutte ist heu- te medizinisch anerkannt. Neuere Studien sprechen ihr auch Wirksamkeit bei Arthrose zu.


Wohlschmeckend

Nicht zuletzt finden Hagebutten auch in der Küche köstliche Anwendung. Sie werden einge- kocht, in Suppen und Saucen verwendet, in Weinessig oder Süßmost eingelegt oder zu Mar- melade und Kompott verkocht. Als Mus zubereitet schmecken sie hervorragend zu Wildge- richten. Einmalig und ganz besonders riecht und schmeckt auch selbst gemachter Hagebuttentee.

Hagebutten sind reif, wenn ihre Farbe von orange zu rötlich wechselt und sie sich nicht mehr so hart anfühlen. Mit dem Pflücken muss man sich im Herbst aber ein wenig beeilen, denn auch die Vögel lieben den säuerlichen Geschmack.

Übrigens: (Wild)Rosen sollen auch Vertrauen in die eigene Sexualität geben. Öffnen Sie Ihre Sinne für ihre Botschaft der Liebe, der Hingabe an das Leben, der Lust, des Rausches, der Schönheit, der Sinnlichkeit und der Freude.


Gabriele Vasak

Hagebuttenmus


Hagebutten kurz ab- brausen, Stiel- und Blü- tenansatz abschneiden, in einen Kochtopf geben und Wasser zugeben, bis alles bedeckt ist. So lange auf kleiner Flamme köcheln lassen, bis die Früchte weich sind und ein Brei daraus wird (ca. 10 Minuten). Das Mus durch ein Sieb in einen sauberen Kochtopf strei- chen. Die Rückstände im Sieb mit einem Kochlöf- fel ausdrücken, bis nur noch Kerne und Schalen übrig sind. Mus einko- chen, indem man Gelier- zucker im Verhältnis 2:1 zugibt.

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 09/2019