tagesmütter & TagesVäter


Ob Spielen oder Ausflüge mit dem Fahrrad – bei Martina dos Santos Weiss ist Spaß vorprogrammiert




fotoS: barbara nidetZky

Meine kunterbunte Welt

Bei Martina dos Santos Weiss darf es laut, stürmisch und bunt zugehen –

die 33-Jährige hat als Tagesmutter ihre Berufung gefunden.

Ihr Sohn Leo ist gerade zwei Jahre alt, als Martina dos Santos Weiss beginnt, sich für die Arbeit als Tagesmutter zu interessieren: „Mein Wunsch war es, so lange wie möglich bei meinem Sohn zu bleiben. Deshalb habe ich nach einem sozialen Beruf gesucht, den ich auch von zuhause aus machen kann. Die Arbeit mit Kindern hat mir schon immer große Freude bereitet“, erzählt Weiss. Dennoch dauert es noch einige Jahre, bis sie aktiv in den Beruf einsteigt. „Ich wollte meinen Bachelor in Business Administration nachholen und habe nebenbei im Außendienst gearbeitet. Doch die Arbeit erschien mir so sinnlos und ich habe auch meinen Sohn nur noch am Abend gesehen.“

Also recherchiert die 33-Jährige im Internet und stößt auf eine Ausbildung des Hilfswerks Niederösterreich, die sie sofort begeis- tert. Dabei wird mit Themen wie Entwicklungspsychologie, Pädagogik, Kommunikation und Kindersicherheit das Fundament für

die spätere Tätigkeit gelegt. „In den nächsten zwei Jahren habe ich mein Haus in Baden zur Kinderta- gesstätte umfunktioniert. Inzwischen betreue ich vier Kids im Alter von sechs Monaten bis zweieinhalb Jahren. Ich biete die Betreuung zwischen acht und zehn Stunden täglich an. Aber auch an Wochenen- den oder Feiertagen springe ich gerne ein, wenn mich die Eltern einmal brauchen.“


Zweites Zuhause

Ein familiäres Umfeld für ihren Sohn, sagt Weiss, hätte sie sich als Jungmutter früher auch ge- wünscht. Umso wichtiger sind ihr der enge Aus- tausch und eine freundschaftliche Atmosphäre mit

den Eltern: „Ich bekam als Alleinerziehende kaum Unterstützung. Jetzt möchte ich die Tante sein, die mir selbst immer gefehlt hat. Bei mir sollen sich die Kinder wie zuhause fühlen und so natürlich wie möglich aufwach- sen. Das ist gerade in den sensiblen ersten drei Jahren so wichtig.“

Auch Weiss‘ Sohn Leo, der inzwischen zehn Jahre alt ist, findet die neue Rol- le als großer „Tages-Bruder“ toll. „Bei uns geht es meist zu wie in einer Groß- familie. Das ist sehr speziell – aber wir lieben unsere Villa Kunterbunt“, lacht Weiss. Wenn ihre Schützlinge morgens ankommen, wird gemeinsam gefrüh- stückt. Danach dürfen sie spielen und sich austoben. Dabei wird besonders auf die individuellen Interessen und auf eine altersgerechte Förderung Rück- sicht genommen. Für das gemeinsame Mittagessen kocht die Tagesmutter

täglich frisch und gesund, beachtet dabei auch spezielle Ernährungsbedürf-

nisse. „Bestimmte Routinen, wie die Essens- oder Mittagsschlafzeit sind da, aber Kinder brauchen auch die Freiheit, so sein und wachsen zu dürfen, wie sie sind. Ich zwinge kein Kind dazu, irgendetwas zu tun. Viel mehr möchte ich sie dabei begleiten, ihren eigenen Charakter zu entwickeln.“

Gemeinsame Ausflüge mit dem Lastenfahrrad oder das Herumtollen im Garten gehören ebenso zum Alltag der Kinder wie Malen oder Basteln. „Aber ich binde sie auch in mein tägliches Leben ein, nehme sie zum Einkaufen mit und lasse sie in Ruhe miteinan- der spielen. Es wäre schön, wenn die Kinder auch nach der Zeit bei mir weiter in Kontakt bleiben“, wünscht sich die Tagesmutter.


Liebevolle Unterstützung

Auch während des Lockdowns zogen Tagesmutter und Eltern an einem Strang, unterstützten sich gegenseitig: „Zwischen mir und den Eltern muss die Chemie stim- men und sie müssen sich wohlfühlen, anders funktio- niert es nicht. Unsere enge Bindung hat sich auch wäh- rend der ersten Corona-Phase bewährt. Die Eltern wussten, dass sie jederzeit auf mich zählen können und auch kein schlechtes Gewissen haben müssen, wenn sie einmal Zeit für sich brauchen und mir ihre Kinder bringen.“ Inzwischen ist im Badener Haus wieder der Alltag eingekehrt, worüber sich die Tagesmutter sehr freut. Denn: „Für mich gibt es nichts Schöneres als ein volles Haus, wenn alle da sind.“ Und sie betont: „Noch nie im Leben habe ich im Job so viel zurückbekommen wie bei der Arbeit als Tagesmutter. Kinder sind un- glaublich ehrliche und liebevolle Wesen. Ich bin froh, dass ich Familien unterstützen darf.“


Michaela Neubauer

erschienen in GESUND & LEBEN 11/2020