Bewegung ist für starke Knochen unverzichtbar.

KNOCHEN & GELENKE

Hilfe bei Rheuma & Osteoporose

Gegen Schmerzen in den Gelenken und der Wirbelsäule kann man eine Menge tun – neben Medikamenten reicht die Palette von Bewegung über physikalische Medizin und Schwefelanwendungen bis hin zu Ayurveda und Akupunktur.

Rheuma ist eine schmerzhafte entzündliche Erkrankung der Gelenke. Wer daran leidet, kann sich durch ein breites Spektrum an Therapien Linderung verschaffen. Dr. Gabriele Huber-Grünwald ist Ärztliche Leiterin des Gesundheits- und Kurhotels Badener Hof und hat viel Erfahrung gerade mit Rheuma-Erkrankten. An erster Stelle steht nach der genauen Diagnose die Leitlinien-gemäße Behandlung mit Medikamenten, sogenannten Analgetika, die die Entzündungen hemmen und die Schmerzen lindern. Seit gut zehn Jahren werden auch sogenannte Biologika laut Leitlinien angewandt – Präparate, die mit gentechnischen Methoden die Immunabwehr bremsen, um den Entzündungsprozess in den Gelenken zu unterbrechen, erklärt Huber- Grünwald: „Man nimmt sozusagen ein Glied aus der Kette der Rheuma-Erkrankung heraus und stoppt sie damit.“ Biologika sind sehr wirksam und in den letzten Jahren viel spezifischer geworden, weiß die Ärztin, die Nebenwirkungen sind dadurch geringer. Allerdings können nicht alle Patientinnen und Patienten damit behandelt werden, denn das Ausbremsen des Immunsystems ist heikel und mit verschiedenen Vorerkrankungen auch nicht ratsam.


Physikalische Methoden

Gerade die physikalische Medizin bietet zahlreiche wirksame Anwendungen – von Strom- und Ultraschall- Therapie bis hin zu Wärmebehandlungen und dem in Baden als natürliches Heilmittel vorhandenen Schwefel: „Unser Schwefelwasser wirkt entzündungshemmend und ist etwas ganz Besonderes. Es belastet aber den Kreislauf und eignet sich daher nicht für Menschen mit hohem Blutdruck und Herzinfarkt-Risiko.“ Gerade Bewegung sei für Menschen mit Rheuma wirksam und wichtig, sagt die erfahrene Kurärztin, die großen Wert auf regelmäßige und konsequente Heilgymnastik legt.


Komplementäre Anwendungen

Huber-Grünwald nutzt bei Rheuma-Patientinnen und -Patienten gerne auch komplementärmedizinische Anwendungen, um Linderung und Heilungsunterstützung von vielen Seiten zu bieten. Warum? „Unser Körper ist ein Wunder und bildet beispielsweise in jeder Sekunde unseres Lebens zwei Millionen neue Blutkörperchen – und das ist nur einer von tausenden Parametern unseres Körpers, von dem wir mit schulmedizinischen Erklärungen vieles noch nicht verstehen.“ Deshalb setze sie auf bewährte traditionelle Methoden, die den Prozess der Selbstheilung unterstützen. „Durch Akupunktur kann man jedes betroffene Gelenk einzeln behandeln. Bewährt hat sie sich am Ohr, denn da ist der ganze Körper abgebildet – wie auch an den Fußsohlen.“ Außerdem unterbricht Huber-Grünwald das verhängnisvolle Schmerzgedächtnis gezielt mit Akupunkturnadeln: „Schmerzgedächtnis bedeutet, dass beim nächsten Rheuma-Schub Schmerzen früher und intensiver verspürt werden. Behandle ich den entsprechenden Akupunktur-Punkt mit einer Dauer-Nadel oder einem Nadel-Implantat über mehrere Wochen, kann ich es damit ausschalten.“


Altes Wissen nützen

Ayurveda, das „Wissen vom Leben“, ist eine weitere Möglichkeit, Linderung zu verschaffen. Huber-Grünwald weiß aus der ayurvedischen Pulsdiagnostik, dass alle Rheuma-Patienten Unverdautes in Form von Ablagerungen im Körper haben. Dieses Unverdaute betreffe sowohl Nahrung als auch unverdaute Erlebnisse und seelische Belastungen, die sich im Laufe des Lebens angesammelt haben. Eine ayurvedische Reinigungskur könne Unverdautes ausleiten: Nach einer Heißwasser-Trinkkur als Vorbereitung befreien Heilkräuter und ayurvedische Ölmassagen Körper und Seele. Derartige Kuren brauchen aber Zeit und Disziplin, da sie mit einer Ernährungsumstellung einhergehen. „Und man muss mit einem Rückfall rechnen, aber danach kommt man auch weiter“, macht Huber-Grünwald Betroffenen Mut, auch neue Wege auszuprobieren, die in ein gesünderes Leben führen können.


Herzensthema Osteoporose

Man wisse noch nicht genau, warum das so ist, aber Rheuma-Patientinnen und -Patienten leiden öfter als andere Menschen an Osteoporose, sagt Kurärztin Huber-Grünwald. „Das große Drama ist, dass ein Knochenbruch wegen poröser gewordener Knochen einen aktiven Menschen rasch zu einem Invaliden macht.“ Huber-Grünwald rät Frauen, schon zu Beginn der Wechseljahre die erste Knochendichte-Messung machen zu lassen, auch wenn das keine Krankenkassen-Leistung sei. „Der

Hormonspiegel sinkt, und durch das dann fehlende Testosteron ist der Schutz für die Knochen weg.“

Wichtig sei auch ein hoher Spiegel an Vitamin D, da sonst kein Calcium in die Knochen eingelagert werden könne. Und Bewegung sei absolut unverzichtbar für starke Knochen, betont die Ärztin. „Ohne Bewegung bildet sich der Knochen zurück – wie alles, was wir nicht nützen.“ Man höre immer wieder, hüpfen sei eine gute Wachstums-Anregung für die Knochen. Doch auch ein Waldspaziergang mit Achtsamkeit helfe, ist Huber- Grünwald überzeugt. Und besonders gut sei Tanzen, weil es Spaß mache, die Muskeln stärke, die Haltung verbessere und als perfektes Anti-Demenz-Training gelte.


Bewegung & Lebensfreude

Wie sehr Lebensfreude und starke Knochen zusammenhängen, kann man in unserer Alltagssprache erkennen, weist Huber-Grünwald auf Redewendungen hin: Etwas „ist mir in die Knochen gefahren“ oder „geht mir an die Substanz“. Denn sie sehe es immer wieder: Wenn bei einem Menschen die Knochendichte stark sinke, gebe es meist einen großen Verlust und Schicksalsschlag im Leben dieses Menschen. Andererseits helfe Lebensfreude dabei, die Knochen kraftvoll und gesund zu erhalten. Was sonst noch wichtig ist bei Osteoporose, sei eine ausgewogene Ernährung und bei Bedarf Medikamente. Huber-Grünwald empfiehlt auch Magnetfeld-Matten: „Astronauten verlieren Muskeln und Knochen, wenn sie das Magnetfeld der Erde verlassen. Deshalb halte ich derartige Matten für sinnvoll.“ Und man könne sich schlussendlich auch mit dem Schüssler-Salz Silicea Nr. 11 unterstützen, ebenso mit der Urtinktur Bambus und mit ayurvedischen Heilkräuter-Mischungen mit Koralle.



Riki Ritter-Börner

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 11/2019