Bildgebende diagnostik

Haben Sie den Durchblick?

Ob nach einem Sturz, bei Verdacht auf eine Krankheit oder als Routine- untersuchung – bildgebende Verfahren helfen beim Stellen einer Diag- nose und beim Überwachen erkrankter Patientinnen und Patienten. Doch worin unterscheiden sie sich?

Bildgebende Verfahren geben Medizinerinnen und Medizinern einen Einblick in unseren Körper, den sie mit bloßem Auge nicht bekommen würden. Durch unter- schiedliche Methoden können sie Bildmaterial auf sämtlichen Ebenen, von Kno- chen über Organe bis hin zu zellulären Strukturen, gewinnen. Das macht es mög- lich, krankheitsbedingte Veränderungen des Körpers, gleichzeitig aber auch Hei- lungsverläufe und die Wirksamkeit von Therapien zu erkennen. Zu den gängigsten Durchleuchtungsmethoden zählen das Röntgen, der Ultraschall, die Computerto- mografie, die Magnetresonanztomografie und nuklearmedizinische Methoden. Dr. Andi Binaj, Oberarzt am Klinischen Institut für Radiologie am Universitätsklinikum Krems, gibt einen Überblick über Wirkungsmechanismen, Stärken und Schwächen der unterschiedlichen bildgebenden Verfahren.

1. Röntgen

Wirkungsmechanismus: Röntgenaufnahmen sind das älteste bildgebende Verfahren in der Medizin. Sie basieren auf dem Prinzip hochenergetischer Strahlung, die in unterschiedlichen Graden durch das meiste Körpergewebe dringen kann. Die Patientin, der Patient wird zwischen Röntgenröhre und -de- tektor positioniert. Ist nur ein bestimmtes Körperteil betroffen, wird der angren- zende Bereich des Körpers mit einer Bleischürze abgeschirmt. Während der Aufnahme, die nur wenige Sekunden dauert, darf man sich nicht bewegen und sollte je nach Körperregion für kurze Zeit die Luft anhalten. Je dichter das Ge- webe, desto weniger Strahlung geht hindurch. Das Röntgenbild ist ein Negativ- bild: Wenn viel Strahlung durchkommt, wird der Film an der Stelle dunkler, wenn wenig hindurchkommt, entsprechend heller.

Vorteile: Das Röntgen eignet sich vor allem zur bildgebenden Diagnose bei der Untersuchung von Knochen und kalziumreichen Geweben oder für einen groben Überblick über Lunge, Darm, Herz und herznahe Gefäße. Das Abdo- menröntgen gehört zur Basisdiagnostik des Bauches und kann bei bestimmten Indikationen beispielsweise Aufschluss über einen Darmverschluss oder Darm- durchbruch geben. Das Thoraxröntgen hingegen kann Erkrankungen des Brustkorbes wie eine Herzinsuffizienz, eine Lungenentzündung, Tuberkulose oder auch Tumoren anzeigen. Das Röntgen ist weit verbreitet und im Vergleich zu anderen Methoden wesentlich kostengünstiger und weniger zeitintensiv, weswegen es häufig zum Einsatz kommt.

Nachteile: Die Patientin, der Patient ist beim Röntgen immer einer gewissen Strahlenbelastung ausgesetzt – auch wenn diese beim einfachen Röntgen rela- tiv gering ist (siehe Infokasten). Zudem können auch bei Röntgenuntersuchun- gen ohne Befund einige Erkrankungen nicht ausgeschlossen werden, wodurch es Folgeuntersuchungen bedarf.

2. Ultraschall (Sonografie)

Wirkungsmechanismus: Mithilfe von hochfrequenten Schallwellen werden Bilder der inneren Organe angefertigt. Ein Schall- kopf wandelt elektrischen Strom in Schallwellen um, die durch den Körper gesendet und zurück zum Schallkopf reflektiert wer- den. Dort werden sie wieder in elektrische Signale umgewandelt, die am Computer ein Bild ergeben.

Vorteile: Der Ultraschall eignet sich primär zur Untersuchung der inneren Organe, allen voran der Leber, Galle, Milz, Bauch- speicheldrüse, Niere, Schilddrüse, der Lymphknoten, der weiblichen Brust und Geschlechtsorgane sowie zur Schwanger- schaftsdiagnostik. Die Untersuchung ist völlig schmerzfrei und gesundheitlich unbedenklich, da keine Strahlenbelastung be- steht und dabei kein Gewebe beschädigt wird.

Nachteile: Gashaltige Organe wie der Darm, die Lunge, die Luftröhre oder von Knochen verdeckte Strukturen wie das Hirn oder Rückenmark können den Ultraschall blockieren, weshalb die Untersuchung für diese Bereiche ungeeignet ist.

3. Computertomografie (CT)

Wirkungsmechanismus: Beim CT handelt es sich um ein röntgenbasiertes Verfahren, mit dem der gesamte Körper untersucht werden kann. Dabei liegt die Patientin, der Patient auf einer motorbetriebenen Liege, die in die Öffnung eines großen, ringförmigen Scanners fährt. Währenddessen drehen sich eine Röntgenquelle und ein Röntgendetektor um den Körper. Die Messungen wer- den zum Computer geleitet, wo sie in Bilder umgewandelt werden. Die Untersu- chung dauert normalerweise mehrere Sekunden bis einige Minuten. Das CT wird je nach Indikation oft kontrastmittelgestützt durchgeführt, um Gewebety- pen voneinander unterscheiden zu können. Weil das Kontrastmittel jodhaltig ist und über die Nieren ausgeschieden wird, ist es unter Umständen nötig, vor der Untersuchung die Nieren- und Schilddrüsenparameter zu überprüfen.

Vorteile: Das CT ist das „Arbeitstier“ unter den bildgebenden Verfahren. So- wohl Untersuchungen des Gehirns, Halses, der Lunge als auch des Herzens, des Bauches oder des Beckens werden damit durchgeführt – beispielsweise bei Verdacht auf Schlaganfall, Lungeninfarkt, Nierensteine oder eine Darmpas- sagenbehinderung. Dabei können Tumoren oder Metastasen, Organverände- rungen oder innere Verletzungen gut erkannt werden. In der Onkologie wird es routinemäßig eingesetzt, um den Krankheitsverlauf der Patientinnen und Patien- ten unter Chemotherapie beurteilen zu können.

Nachteile: Wenngleich durch neue Techniken und Künstliche Intelligenz immer weniger Strahlendosen beim CT verwendet werden, so ist die Belastung bei der Untersuchung dennoch sehr hoch. So hat ein CT der Lunge etwa die 150- bis 200-fache Strahlenmenge eines Thoraxröntgens.

4. Magnetresonanztomografie (MRT)

Wirkungsmechanismus: Die Patientin, der Patient wird in eine Röhre mit starkem Magnetfeld geschoben, sodass sich die Wasserstoffatome im Kör- per nach diesem Feld ausrichten. Wird das Signal abgeschaltet, misst man die Zeit, bis die Atome sich wieder gemäß dem Magnetfeld geordnet ha- ben, sowie die Energie, die sie dann abgeben. Aus diesen Angaben er- rechnet der Computer die Bilder. Das MRT ergänzt das CT bei vielen Frage- stellungen und wird als erste Wahl bei Kindern, Schwangeren und bei Aller- gie gegen jodhaltiges Kontrastmittel eingesetzt.

Vorteile: Das MRT hat die höchste Auflösung aller Verfahren und wird an- gewendet, wenn zu bestimmten Diagnosen detailliertere Bilder erforderlich sind. Es kommt unter anderem bei neurologischen Untersuchungen, Unter- suchungen der Bandscheiben im Lendenwirbelbereich zum Einsatz. Beim MRT gibt es keine Strahlenbelastung.

Nachteile: Ein MRT dauert länger als ein CT-Scan (maximal 45 Minuten). Wenn schnelle Ergebnisse benötigt werden, wie bei einer schweren Verlet- zung nach einem Autounfall,  einem Sturz auf den Kopf, unter Blutverdün- nung oder  einem Schlaganfall, werden sie für gewöhnlich nicht eingesetzt.

5. PET

Wirkungsmechanismus: Die Positronen-Emissions-Tomografie ist ein nu- klearmedizinisches Untersuchungsverfahren, mit der Tumoren oder Meta- stasen genau detektiert werden können. Dafür wird Patientinnen und Patien- ten eine schwach radioaktive Substanz (zum Beispiel Traubenzucker mit ra- dioaktivem Fluor) gespritzt. Trifft der Zucker auf die Krebszellen, setzen sie mehr Strahlung frei und sind auf PET-Bildern gut von gesundem Gewebe zu unterscheiden.

Vorteile: Das Verfahren ist ein wichtiger Baustein in der Onkologie, mit dem man feststellen kann, ob die Lymphknoten befallen sind oder ob es feinste Metastasen in den Knochen oder anderen Organen gibt. So kann auch die Therapie exakt geplant werden.

Nachteile: Teures und aufwändiges Verfahren mit einer geringen radioakti- ven Belastung.

FotoS: zvg, istockphoto/ 123ducu, Istockphoto: alvarez, Andrey Popov, pixelfit, wenht

MICHAELA NEUBAUER

erschienen in GESUND & LEBEN 03/2021