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Ist 2021 der richtige Zeitpunkt für einen Jobwechsel? Worauf sollten Sie bei einer Weiterbildung achten? GESUND & LEBEN hat die Antworten

Die Auswirkungen der Corona-Krise machen auch vor der Arbeitswelt keinen Halt: Kurzarbeit, Homeoffice oder Jobverlust. Die HDI Berufe-Studie 2020 zeigt, dass die persönliche Bereitschaft zum Jobwechsel auf breiter Front wächst. Viele Arbeitnehmerin- nen und Arbeitnehmer sehen ihren Beruf kritisch, in vielen Branchen ist ein Umdenken spürbar, bestätigt Mag. Sonja Rieder, MSc, Karriereberaterin und Expertin für Business- und Lifecoaching: „Durch die Pandemie betrachten viele Menschen ihr Leben mit anderen Augen und hinterfragen das Wesentliche: Wo stehe ich, was will ich und wo möchte ich hin?“


Alte Muster brechen

In vielen Fällen kommen Schwierigkeiten am Arbeitsplatz, die lange Zeit unterdrückt wurden, gerade jetzt an die Oberfläche und Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zweifeln an der Sinnhaftigkeit ihrer Tätigkeit. Wer nun aber mit dem Gedanken spielt, sich beruflich neu zu orientieren, sollte sich zunächst eine wichtige Frage stellen, betont Rieder: „Überlegen Sie sich, aus welchem Antrieb heraus Sie eine Veränderung anstreben. Hier unterscheidet man zwischen zwei Kategorien – der Hin-zu-Motivation und

der Weg-von-Motivation. Bei der Hin-zu-Motivation will man etwas erreichen, sich zu ei- nem gesteckten Ziel hin entwickeln und hat klar vor Augen, wohin der Weg führen soll.“ Leider, sagt die Expertin, würden viele Menschen, die im Job unzufrieden sind, jedoch ausschließlich aus einer Weg-von-Motivation heraus handeln, dem Bedürfnis, ihrer aktuel- len Situation zu entkommen. „Hier läuft man Gefahr, jegliche Art der Veränderung zu ak- zeptieren, weil man einfach nur wegwill. Doch wenn man sich zuvor nicht bewusst ge- macht hat, woher diese Unzufriedenheit kommt oder was genau Sie beim neuen Arbeit- geber erreichen möchten, kann es passieren, dass Sie auch im neuen Job wieder in alte Muster verfallen.“ Oft, sagt Rieder, lassen sich diese Muster an der bisherigen Berufsbio- graphie ablesen: „Zum Beispiel haben viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer die Angewohnheit, immer für alle Kolleginnen und Kollegen sorgen und mitdenken zu wollen und verstricken sich dann in Situationen, in denen sie ausgenutzt werden.“


Sensible Fragen stellen

Sonja Rieder rät all jenen, die sich um einen neuen Job bewerben, im Zuge des Bewer- bungsgesprächs auch kritische Fragen zu stellen, zum Beispiel: „Wo liegt die besondere Herausforderung in dieser Position?“ So kann man vielleicht schon im Vorhinein mögliche Konfliktpotentiale ausloten. Am wichtigsten sei es jedoch, auf sich selbst und seine Be- dürfnisse zu hören: „Es ist auf Dauer nicht gesund und schlecht für das Selbstbewusst- sein, sein Leben in Warteschleife zu leben und etwas zu tun, das einen nicht erfüllt. Dar- um sollte man sich durchaus trauen, ein Risiko einzugehen und einen beruflichen Neu- start zu wagen.“ Wer das neue Jahr für eine Weiterbildung nutzen möchte, profitiert auf vielfältige Weise, sagt die Expertin: „Eine Weiterbildung eröffnet vielen Menschen neue Perspektiven, bietet neues Wissen und auch einen wichtigen Netzwerkaspekt: Ich rate wirklich dazu, sich mit den Ausbildungskolleginnen und -kollegen über deren Job auszu- tauschen. Vielen Menschen fehlt die Vorstellung, wie es woanders aussieht. Durch diesen

Austausch lernt man sich auch selbst besser einzuschätzen und erkennt, ob Probleme vielleicht branchentypisch sind.“ Den- noch warnt Rieder auch hier davor, eine Weiterbildung aus den falschen Beweggründen zu machen: „Viele Menschen erhoffen sich durch Weiterbildung eine Garantie für wirtschaftlichen Aufstieg und sind enttäuscht, wenn er nicht sofort eintritt. Dabei hängt dieser auch von vielen anderen Faktoren ab, zum Beispiel, ob man sich mit Schlüsselpersonen gutgestellt hat.“


Keine Scheu vor Digitalisierung

Netzwerken, so Rieder, sei überhaupt eine Fähigkeit, die in der Arbeitswelt von morgen besonders gefragt sein wird. „Immer wichtiger wird auch Agilität, also sich flexibel auf Chancen und Herausforderungen einstellen, gleichzeitig aber auch klar kom- munizieren und ein Nein transportieren zu können. Immer mehr Arbeit verläuft heutzutage in Projekten, wodurch es bedeutsam ist, sich selbst ins Spiel zu bringen und im Team arbeiten zu können. Und: Die Digitalisierung macht es erforderlich, neue Medi- en zu beherrschen und sich übergreifende Kompetenzen anzueignen. Haben Sie keine Scheu vor dieser neuen Welt!“


Michaela Neubauer


interview




Für die Zukunft

gerüstet




Welchen Vorteil hat es, sich in Corona-Zeiten weiterzubilden?

Wir stellen fest, dass viele Menschen Halt suchen und die gewonnene Zeit, die sich zum Beispiel durch Kurzarbeit ergibt, sinn- voll nutzen möchten, um für die Zukunft gerüstet zu sein. Die Nachfrage nach Weiterbildungen im Gesundheitssektor ist beson- ders hoch – sowohl aus eigenem Interesse als auch in beruflicher Hinsicht. Viele blicken optimistisch auf die Zeit nach der Krise und wollen mit etwas Neuem durchstarten. Hier gibt es auch Fördermöglichkeiten: Das Arbeitsmarktservice (AMS) fördert mit bis zu 60 Prozent die Kosten der Weiterbildung von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in Kurzarbeit.


Welchen Stellenwert hat das digitale Lernen?

Die Parallelität von analog und digital hat enorm an Bedeutung gewonnen und ich gehe davon aus, dass sich dieser Trend fort- setzen wird. Während es wichtig ist, neue Medien zu beherrschen, muss die Qualität von Präsenzbegegnungen besonders hoch sein. Auch wir beschäftigen uns seit über 20 Jahren mit E-Learning und bieten neben dem herkömmlichen Präsenzlernen sechs unterschiedliche Online-Lernformen an. 100 Prozent digital können derzeit zum Beispiel Sprachkurse, IT-Kurse, Medien- gestaltungskurse, das Unternehmertraining oder die Weiterbildung für Tourismus und Gastronomie besucht werden. Gerade bei Gesundheitsthemen, wie dem Massieren, braucht es natürlich ein Gespür für den menschlichen Körper. Hier setzen wir auf Blended Learning, bieten zum Beispiel die Theorie online und die Praxiseinheiten analog an.


Woher weiß ich, welche Weiterbildung die richtige für mich ist?

Das hängt stark vom Eigeninteresse ab. Hier kann eine Weiterbildungsberatung dabei unterstützen, sinnvoll die eigene Situation zu reflektieren und das eigene Potential zu analysieren. Auch Persönlichkeitsbildung steht momentan hoch im Kurs – neue Wege zu sich selbst und zu seiner Umwelt finden und die Kompetenz entwickeln, sich bewusst zwischen den Möglichkeiten, die das Leben bietet, entscheiden zu können.


Wie behält man die Lernmotivation bei?

Sich den Lernstoff gut einzuteilen ist das Um und Auf. Auch der Austausch mit den Kurskolleginnen und -kollegen – das gegen- seitige Unterstützen und Motivieren – ist eine große Hilfe. Prinzipiell ist der Zugang zum Lernen in der Weiterbildung aber natür- lich anders als früher in der Schule: Der Unterricht ist praxisorientiert und der Fokus liegt auf einem lebendigen und nachhalti- gen Lernen.


Gesundheit zum Beruf machen – aber wie?

Ein gesunder Lebensstil und körperliche Fitness liegen absolut im Trend. Immer mehr Menschen beschäftigen sich mit ihrem ei- genen Körper. Daher steigt auch die Nachfrage nach gut ausgebildeten Trainerinnen und Trainern, die ihre Leidenschaft und ihr Wissen rund um Fitness, Gesundheit und Stressmanagement mit anderen teilen. Viele nutzen die Ausbildungen für einen Karrie- rewechsel, andere als zweites Standbein – ganz nach dem Motto „Auf mehreren Beinen steht man besser“. Die „Grundausbil- dung Massage“ ist zum Beispiel eine fundierte Ausbildung, die den Grundstein für eine Karriere als Masseurin oder Masseur legt. Ein neuer Trend ist die „Traditionelle Europäische Heilkunde“, die sich mit heimischen Heilpflanzen und Kräuterprodukten beschäftigt. Es geht um verantwortungsvolles Handeln in und mit der Natur und um die Weitergabe von uraltem Wissen. Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben große Sehnsucht nach dem Ursprünglichen, wollen selbst etwas für ihre Gesundheit tun. Für sie kann diese Ausbildung genau das Richtige sein.

erschienen in GESUND & LEBEN 01+02/2021