Pflege- und Betreuungszentren

Individuelle Förderung wird im PFZ Perchtoldsdorf großgeschrieben.

Individuelle Förderung wird im PFZ Perchtoldsdorf großgeschrieben.

Auch der Spaß kommt im

Pflege- und Förderzentrum nicht zu kurz.

(Das Foto ist vor der

Corona-Pandemie

entstanden.)

Auch der Spaß kommt im

Pflege- und Förderzentrum nicht zu kurz.

(Das Foto ist vor der

Corona-Pandemie

entstanden.)

Auch der Spaß kommt im Pfle- ge- und Förderzentrum nicht zu kurz.

(Das Foto ist vor der

Corona-Pandemie

entstanden.)

fotoS: PFZ Perchtoldsdorf

Ein ganz besonderer Alltag

Im Pflege- und Förderzentrum Perchtoldsdorf werden Menschen mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen durch den Alltag begleitet.

Das Heben des Löffels. Das Anziehen eines Kleidungsstückes. Es sind die kleinen Dinge, die einen großen Erfolg in der Thera- pie erzielen können. Im Pflege- und Förderzentrum (PFZ) Perchtoldsdorf sind Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen, Thera- peutinnen und Therapeuten und Pflegepersonal bemüht, ihre Bewohnerinnen und Bewohner zu fördern und zu stärken. Und das auf vielfältige Art und Weise: Viele von den Bewohnerinnen und Bewohnern leben von klein auf im Pflege- und Förderzentrum. Und das oft ein Leben lang.


„Lernen von den Kindern“

42 Menschen mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen leben zurzeit im PFZ Perchtoldsdorf, sieben Menschen besuchen die Tagesstätte. Oft haben sie angeborene Gendeffekte oder Stoffwechselerkrankungen. Manchmal sind es Folgeschäden nach Un- fällen oder Misshandlungen, die die Kinder und Erwachsenen schwer beeinträchtigen.

Ein besonderes Anliegen ist es den Betreuerinnen und Betreuern, den Bewohnerinnen und Bewohnern eine Tagesstruktur zu bieten: Der Tag beginnt mit dem Aufstehen. Gerade wenn es um jene geht, die sich nicht bewegen können, sind alle Hände ge- fragt, um aus dem Bett zu kommen. Danach sorgen unter anderem die Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen für einen ge- regelten Tagesablauf. Es wird gemeinsam gefrühstückt und Zähne geputzt. Jene Kinder, die die basalen Klassen besuchen, werden fertig gemacht für die Schule. In den basalen Klassen, die zur Sonderschule Perchtoldsdorf gehören, geht es nicht um Rechnen und Schreiben, sondern um Fühlen, Tasten und Rituale. Die Sozialpädagoginnen und -pädagogen sind im Haus für die Einzelförderung zuständig. Sie üben beispielsweise den Toilettengang. Und organisieren Feste rund um den Jahreskreis – wenn auch heuer anders als sonst: „Das Laternenfest haben wir anders gestaltet. Es war ruhiger – ein wunderschönes Fest“, sagt Bir- git Siebert, sozialpädagogische Leitung des Hauses. Die Betreuer sorgen in Coronazeiten dafür, dass die Kinder mit ihren Eltern per Videotelefonie kommunizieren können. Manche Kinder haben jedoch wenig Kontakt mit ihren Eltern, „hier sind wir die verlän- gerten Arme der Eltern“, sagt Siebert. Das neunköpfige Sozialpädagogen-Team arbeitet eng mit den Pflegekräften, Therapeutin- nen und Therapeuten zusammen. Die Kinder und Erwachsenen im PFZ Perchtoldsdorf sind sehr besonders, sagt Siebert: „Trotz jahrelanger Erfahrung und fachlicher Kompetenz unseres multiprofessionellen Teams schaffen es unsere Bewohnerinnen und Bewohner, uns immer wieder Neues zu lernen.“


Eine Stimme geben

Im PFZ Perchtoldsdorf stehen verschiedene Therapien zur Verfügung: Logopädie, Phy- siotherapie und Ergotherapie sind ein fixer Bestandteil. Für Hunde- und Maltherapie kommen externe Therapeuten ins Pflegezentrum. Das Team überlegt gemeinsam, wel- cher Klient welche Therapie erhält. Es herrsche ein großer Bedarf, sagt Andrea Schwarz, therapeutische Leitung. Vorhandene Ressourcen – und die gibt es immer – werden gefördert.  Brauchen Menschen Wahrnehmungstraining, kommt die Ergothera- pie zum Einsatz. Und wenn die Nahrungsaufnahme schwierig ist oder die Sprache ge- fördert werden soll, dann übernehmen die Logopäden. Wie oft die Therapien zum Ein- satz kommen, ist individuell, sagt Schwarz. Regelmäßig tauscht sich das Therapeuten- team mit der Pflege und den Sozialpädagogen in einer interdisziplinären Besprechung aus. Ein Projekt, das besonders großen Anklang findet, ist die unterstützte Kommunikati- on. „Wir versuchen, den Menschen Stimmen zu geben. Dafür gibt es auch andere Wege als Sprache“, sagt Schwarz. Drei Viertel der Bewohnerinnen und Bewohner kön- nen nicht sprechen. Um trotzdem mit ihnen kommunizieren zu können, verwendet das Team verschiedene Methoden: Neben Gebärden gibt es haptische Symbole, beispiels- weise für den Garten oder das Essen. Auch einzelne Bilder können die Bewohnerinnen und Bewohner verwenden, um Situationen zu beschreiben. Eine Bewohnerin kann mit- tels Computer über Augensteuerung kommunizieren.


Inneres spüren

Viele Bewohnerinnen und Bewohner sind auf Pflege angewiesen. Bei der Körperpflege hilft ihnen das Pflegepersonal, das auf alle Details achtet: Wird ein Mensch in den Rollstuhl gehoben, passt die Pflege auf, dass keine Druckstellen entstehen. Zur Kernaufgabe des Pflegepersonals im Haus ge- hört die medizinische Versorgung, erzählt Eveline Kieweg, MBA, Pflege- und Betreuungsleitung. Medikamente, die der Arzt angeordnet hat, werden meist in flüssiger Form verabreicht. Das Pflegeteam, das aus diplomierten Pflegekräften und Pflegeassistenz besteht, versorgt auch Wunden und be- hält die Flüssigkeitsbilanz im Blick. Manche Bewohnerinnen und Bewohner bekommen ihre Nahrung über eine Sonde verabreicht. Ein Kinderarzt und eine Allgemeinmedizinerin sowie weitere Fachärzte  kommen regelmäßig ins Haus. Neben den Sozialpädagogen und Therapeuten unterstützen die Pflegekräfte bei der basalen Stimulation. Zum Einsatz kommen neben Bäll- chenbad und Schaukeln auch Klangschalen. Durch die Vibration spüren die Menschen ihr Inneres und nehmen viel wahr, sagt Kieweg. Die fünf Sin- ne werden angesprochen.

Nicht alle Menschen, die zum PFZ Perchtoldsdorf gehören, leben auch dort. Neben der Tagesstätte, die Menschen unter der Woche besuchen, gibt es auch die Möglichkeit, die Kinder zur Kurzzeitpflege zu bringen. Es dient zur Entlastung der Eltern, um Urlaub zu machen, sagt Ulrike Götterer, Direktorin des PFZ Perchtoldsdorf. Viele kommen jedes Jahr. Die Kinder

und Erwachsenen strahlen zu sehen, sei das Schönste, sind sich

Kieweg, Siebert, Schwarz und Götterer einig. Und so bemüht sich das Team besonders, wenn es darum geht, jemandem eine Freude zu machen: Die älteste Klientin feierte ihren 50. Geburtstag im PFZ. Da sie glühender Hansi-Hinterseer-Fan ist, organi- sierte das Team eine persönliche Videobotschaft des Sängers. Tränen seien geflossen, erinnert sich Kieweg an einen der schönsten Momente im PFZ. Andrea Schwarz ergänzt: „Kinder und Erwachsene mit strahlenden Augen sind unser aller Erfolg. Denn dann wissen wir, dass wir sie glücklich gemacht haben.“


Daniela Rittmannsberger

    Das PFZ

Perchtoldsdorf

sucht dringend eine

Allgemeinmedizinerin bzw.

einen Allgemeinmediziner

für 15 bis 20 Wochenstunden.

Informationen:

0676/812776101

erschienen in GESUND & LEBEN 01+02/2021