Aktuelles aus der Forschung

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Hilft Blutplasma bei Covid-19?

Blutplasma ist eine vielversprechende Behandlungsform im Kampf gegen Covid-19:

Die darin enthaltenen Antikörper könnten die Therapie Schwererkrankter unterstützen.

Immer mehr Menschen benötigen im Laufe ihres Lebens Medikamente, die aus menschlichem Blutplasma hergestellt werden. Bei dem Rohstoff handelt es sich um den gelblich-flüssigen An- teil des menschlichen Blutes, der nach dem Entfernen der roten und weißen Blutkörperchen, der Blutplättchen und anderer Zellkomponenten übrigbleibt. Die im Plasma enthaltenen Eiwei- ße und Gerinnungsstoffe können unseren Blutdruck stabilisieren, Blutungen stoppen und die Wundheilung unterstützen. „Blutplasma kann nur vom Körper selbst produziert und nicht künst- lich hergestellt werden. Das macht Plasmaspenden umso bedeutsamer, denn die daraus her- gestellten Arzneimittel kommen unter anderem bei Immunschwächen, der Bluterkrankheit, schweren Verletzungen oder Operationen zum Einsatz und sind für viele Patientinnen und Pati- enten überlebenswichtig“, sagt OA Dr. Peter Perger, Ärztlicher Leiter Plasmagewinnung der Eu- roplasma GmbH. Darüber hinaus berichten viele Medizinerinnen und Mediziner von einer ge- steigerten Blutgerinnung bei Covid-19-Patienten. Die Folge können Thrombosen und Lungen- embolien sein. Auch hier spielt Plasma mit seinen blutungsstoppenden Eigenschaften eine wichtige Rolle. Das Blutplasma von Covid-19 genesenen Menschen hat in Form von Antikör- pern die Fähigkeit, anderen Erkrankten das Leben zu retten. Dieses gespendete Plasma, das als Rekonvaleszenzplasma bezeichnet wird, kann auf zwei verschiedene Arten verwendet wer- den. Eine Möglichkeit besteht darin, es direkt an akut erkrankte Covid-19-Patienten zu verab- reichen, in der Hoffnung auf eine erfolgreiche Bekämpfung der Krankheit. Dieser Ansatz ist für die Akutbehandlung geeignet. Die andere Möglichkeit besteht darin, es zur Herstellung einer potentiellen Hyperimmunglobulin-Therapie für Covid-19-Infizierte zu verwenden. Damit schützt man Patienten, die noch keine Antikörper gegen das Coronavirus gebildet haben.


Lebensbedrohliche Schäden verhindern

Blutplasma ist ein wichtiger Baustein der Virus-Forschung. Die Studie „RECOVER“ unter Feder- führung des Universitätsklinikums Heidelberg untersucht die Wirksamkeit des Rekonvaleszenz- plasmas an Covid-19 erkrankten Patienten mit hohem Risiko für einen schlechten Verlauf. Ein zufällig ausgewählter Teil erhält insgesamt zwei Gaben Blutplasma. Der andere Teil erhält als Kontrollgruppe die gängige, auf ihren Gesundheitszustand abgestimmte Therapie und Unter- stützung der Organfunktionen, aber kein Blutplasma. Sollte sich ihr Zustand nach zehn Tagen nicht verbessern, erhalten auch sie Plasma. Überprüft wird, ob die gespendeten Antikörper das Immunsystem von Infizierten unterstützen, bevor sie schwer erkranken. Die Studie soll die- se Therapieoption auf eine gesicherte wissenschaftliche Basis stellen.

erschienen in GESUND & LEBEN 11/2020