BRUSTGESUNDHEITSZENTREN

Die niederösterreichischen Brustgesundheitszentren arbeiten auf dem neuesten Stand der Medizin.

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Rundum versorgt

Von Ärztinnen, Ärzten über Physiotherapie bis hin zur Klinischen Psychologie: In den Brustgesundheitszentren der NÖ Kliniken begleiten Spezialistinnen und Spezialisten Brustkrebspatientinnen auf ihrem Weg der Genesung.

Elisabeth H. macht sich auf den Weg ins Landesklinikum Wiener Neustadt. Ihr ist mulmig zumute. Bei ih- rer letzten gynäkologischen Routineuntersuchung ertastete der Arzt einen kleinen Knoten. Nun hat sie ei- nen Termin für eine Mammographie und weitere Untersuchungen im interdisziplinären Brustgesundheits- zentrum. Ihre Befürchtung bewahrheitet sich: Ein bösartiger Tumor in ihrer linken Brust wird festgestellt. Obwohl es sich anfühlt, als würde ihr der Boden unter den Füßen weggezogen, wird Elisabeth von allen Seiten aufgefangen: Direkt nach der Diagnose bietet ihr eine speziell geschulte Fachkraft (Breast Care Nurse) Trost und Unterstützung an. Im Tumorboard besprechen die Ärztinnen und Ärzte verschiedener Fachrichtungen, welche Therapie für sie optimal ist. Elisabeth hat jetzt vor allem viele Fragen: Wie geht es weiter? Kann ich weiterhin zur Arbeit gehen? Werde ich wieder gesund? Wie Elisabeth geht es jährlich 5.500 Patientinnen in Österreich, die an Brustkrebs erkranken.


Motivation & Zuversicht

Das Landesklinikum Wiener Neustadt gilt seit vielen Jahren als das österreichische Kompetenzzentrum für Brusterkrankungen. Von Wien-Umgebung über die Steiermark bis hin zum Burgenland kommen Pati- entinnen ins Klinikum. Verschiedene Spezialistinnen und Spezialisten arbeiten hier zusammen: Die Chir- urgie und die Gynäkologie holt sich Unterstützung durch die Nuklearmedizin, Onkologie, Pathologie, Plastische Chirurgie, Physikalische Medizin und Rehabilitation, Radiologie, Radioonkologie-Strahlenthera- pie sowie durch das Palliativ-Team, Psychoonkologie, Sozialberatung, Selbsthilfegruppen und die Krebs- hilfe Niederösterreich.

Eine wichtige Rolle spielen die sogenannten Breast Care Nurses. Sie sind die ersten Ansprechpersonen für Frauen, die ihre Diagnose erhalten: „Als Breast Care Nurse ist es über die Fachlichkeit hinaus wichtig, den Frauen mit Verständnis zu begegnen und ihnen Motivation und Zuversicht mit auf den Weg zu ge- ben“, sagt DGKP Elisabeth Wiedermann, die erste Breast Care Nurse im Landesklinikum Wiener Neu- stadt. Mittlerweile hat Wiedermann zwei Kolleginnen. Sie haben vielfältige Aufgaben: Sie begleiten und pflegen von der Therapie bis zur Nachsorge, unterstützen psychisch und klären Angehörige auf. Außer- dem stehen sie den Patientinnen zur Seite, wenn es um Kur- oder Rehabilitationsaufenthalte, Perücken und Prothesen geht. Das Wiener Neustädter Brustgesundheitszentrum wurde 2016 unter der Leitung von Dr. Werner Kwasny, der es gegründet hat, nach docCert (Österreichische Zertifizierungskommission) zer- tifiziert. Heute wird das Zentrum von Oberarzt Dr. Stephan Halper geleitet.


Gut vernetzt

Das zweite zertifizierte Brustgesundheitszentrum befindet sich im Universitätsklinikum St. Pölten. Frauen mit verdächtigem Befund kommen zunächst auf die Brustambulanz der Klinischen Abteilung für Chirur- gie. Dort arbeiten die Ärztinnen und Ärzte eng mit der Radiologie und Pathologie zusammen. Auch hier besteht das Team aus verschiedenen Fachrichtungen wie Chirurgie, Internistische Onkologie, Radiolo-

gie, Klinische Pathologie, Nuklearmedizin, Plastische Chirurgie, Radioonkologie, Physikalische Medizin und Rehabilitation sowie Pal- liativmedizin. Gemeinsam klärt das Team die Befunde ab und führt weitere Untersuchungen, etwa ein MRT oder eine sonographisch gezielte Stanzbiopsie, durch. Das Brustgesundheitszentrum bietet außerdem Informationen zu plastischen Rekonstruktionen und in- dizierte genetische Beratungen an. In St. Pölten sind DGKP Isabella Platzer und DGKP Jeanine

Mühlbacher als Breast Care Nurses tätig. Sie informieren die Patientinnen auch über Nebenwirkungen und vernetzen mit der Klini- schen Psychologie, Sozialarbeit, Physiotherapie, Selbsthilfegruppen und Diätologie. Das Brustgesundheitszentrum steht in engem Kontakt mit Zuweisern und niedergelassenen Ärzten. Es finden außerdem regelmäßig Informations- und Fortbildungsveranstaltungen statt.


Verschiedene Therapien

Kurz vor der Zertifizierung steht ein weiteres Brustgesundheitszentrum: nämlich das im Landesklinikum Mistelbach-Gänserndorf. Auch hier arbeiten verschiedene Abteilungen eng zusammen, um die betroffenen Patientinnen bestmöglich zu versorgen. Therapeu- ten, Pflege und Ärzte besprechen im Mammaboard, wie sie weiter vorgehen. Die Chirurgie befasst sich mit dem Befund und plant die Operation. Und auch nach dem Eingriff geht es weiter: Nachsorge inklusive endokrine Therapie stehen ebenso am Programm wie das Verändern des Lebensstils und genetische Beratung. Die Onkologie des Hauses kümmert sich um die Chemo-Immuntherapien, die Radiologie ist für die Diagnostik zuständig. Die Physiotherapie behandelt die Patientinnen mittels Lymphdrainagen. Außerdem gibt es Turngruppen, an denen sie teilnehmen können. Und auch hier stehen den Patientinnen in dieser schwierigen Phase Psycholo- ginnen zur Seite. Die NÖ Brustgesundheitszentren arbeiten auf dem neuesten Stand der Medizin, damit Patientinnen wie Elisabeth H. sich auf die beste Versorgung verlassen und sich ganz auf ihre Genesung konzentrieren können.Daniela Rittmannsberger n



Riki Ritter-Börner

erschienen in GESUND & LEBEN 05/2020