SERIE PFLANZEN

Sanft &

machtvoll

Kaum eine andere Heilpflanze wirkt so

positiv auf die Gesundheit wie Kamille- .

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Sie ist die Heilpflanze schlechthin und wir kennen sie aus un- serer Kindheit: Die dampfende Tasse Kamillentee war immer schon ein probates Mittel gegen Bauchweh, und wenn sie ei- nem eine liebevoll sorgende Mutter ans Bett brachte, umso mehr. So verwundert es nicht, dass der speziell duftenden Ka- mille Eigenschaften wie Geborgenheit, Geduld, Sanftmut un- d Mütterlichkeit zugesprochen werden – worauf übrigens auc- h der lateinische Name – matricaria – hindeutet. Beliebt war die

Kamille schon bei den Germanen, denen sie als heilig galt: Sie weihten die Pflanze dem Lichtgott Baldur. Seit der Antike wis- sen Heilkundige um die positiven Effekte, die die Kamille auf die Gesundheit ausüben kann- .


Machtvolle Heilpflanze

Die Inhaltsstoffe aus Kamillenblüten entfalten verschiedene Effekte: Sie unterbinden die Wirkung von entzündungsfördernden Stoffen im Körper, hemmen das Wachstum von Bakterien und entspannen verkrampfte Muskeln im Magen-Darm-Trakt. Als Spülung oder Gurgellösung helfen sie bei Zahnfleischentzündungen oder Reizungen im Hals, die etwa durch Erkältungen hervorgerufen wurden- .

Bei Schnupfen und Husten empfiehlt es sich, die Kamille zu inhalieren. Wer unter Beschwerden wie Hämorrhoiden oder In- fektionen im Anal- und Genitalbereich leidet, dem kann ein Sitzbad mit Kamille helfen. Kamillentee lindert Blähungen und Vö- llegefühl.


Salben und Cremes mit Kamille

können bei bakteriell bedingten Hautproblemen eingesetzt werden. Auch die heilende Wirkung der Kamille bei entzündlichen Erkrankungen und Reizungen der Luftwege ist belegt. Und auch das Nervensystem sollte von der beruhigenden und en- tkrampfenden Pflanze profitieren.


Hundskamillen & olle Kamellen

Wer Kamillen sammeln und Heilrezepturen damit herstellen will, kann das ab Mai tun. Die Pflanze gedeiht an Weg- und Ackerrändern, doch Vorsicht: Es gibt zweierlei Kamillen. Die echte Kamille mit ihrer Heilwirkung unterscheidet sich in Gestalt und Duft von der sogenannten Acker- oder Hundskamille, die als Heilkraut nutzlos ist und die auch nicht duftet. Außerdem ist der Blütenboden der echten Kamille innen hohl, während derjenige der Hundskamille markig gefüllt ist. Mit der Zubereitung und Anwendung von Heilrezepturen aus Kamillenblüten sollte man nicht zu lange zuwarten, damit sich die volle Wirkung der Blüten und Öle entfalten kann. Alte Kamillenblüten taugen nämlich nichts: Sie sind, wie unsere deutschen Nachbarn sagen, wenn etwas abgestanden oder überholt ist – „olle Kamellen“. Der Ausdruck aus dem Niederdeutschen bezieht sich tatsäc- hlich auf die Kamille, die bei langem Lagern Geruch und Wirkung verlier- t.

Ob dies auch für einige Mythen rund um die Kamille gilt, ist nicht bekannt. Einst glaubte man nämlich, dass die Pflanze Fl- üche abwenden könne. Deshalb wurde kleinen Kindern oft ein Kamillensträußchen übers Bett gehängt. Es sollte helfen, das Kind zu beschützen. Außerdem soll die echte Kamille das Geld anziehen. Daher badeten Spieler oft vor dem Spiel ihre Hän- de darin.

Wie auch immer Sie die Kamille einsetzen wollen – die Möglichkeiten sind nahezu unbegrenzt- .


Gabriele Vasak

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 05/2019