FotoS: bellicon jumping/stephanie blass, adobe stock/ Kadmy

SPORT


Während des Trainings werden rund 400Muskeln beansprucht.


Spring dich frei!

Sich auspowern, die Muskeln stärken und nebenbei noch überflüssige Weihnachtskilos loswerden – das klappt mit dem neuen Trendsport „Jumping“.

Trampolinspringen kennen die meisten von uns aus der Kindheit. Das Springen und Hüpfen macht nicht nur Spaß, befreit den Kopf und entspannt – es setzt auch Serotonin frei, den Botenstoff für gute Laune. Doch das federnde Sportgerät ist längst nicht nur etwas für Kinder – im Gegenteil: „Kaum etwas eignet sich so effektiv für ein Ganzkörpertraining wie das Trampolin“, sagt Univ.-Prof. Mag. Dr. Harald Tschan, Leiter der Abteilung für Trainingswissenschaft an der Universität Wien. Denn Trampolintraining, auch bekannt un- ter dem Begriff „Jumping Fitness“, fördere das Herz-Kreislauf-System und das Koordinationsvermögen, gleichzeitig werden die Ge- lenke geschont. „Im Gegensatz zum Trampolinspringen auf einem großen Sporttrampolin springt man beim Jumping Fitness nicht in die Höhe. Der Oberkörper bleibt nahezu auf einer Ebene, nur die Beine heben vom Sprungtuch ab. Man kann auch mit der ganzen Sohle auf dem Trampolin bleiben und die Federfläche nach unten drücken, ohne abzuheben. Das nennt man Bouncing“, erklärt Tschan. Dadurch sei der Sport auch gut geeignet für Menschen mit Gelenk-, Rücken- oder Bandscheibenproblemen, Muskelschwä- che oder Übergewicht.


Stress vergessen

Doch wie kann man sich das Trampolintraining für Erwachsene überhaupt vorstellen?

Alexandra Duffek bietet seit fünf Jahren Jumping-Kurse im TSN Ultimate Fitness Center in Tribuswinkel im Bezirk Baden an. „Während des Trainings machen wir schnelle und langsame Schritte, Sprünge und Bewegungen aus Aerobic und Kraftsport. Dabei verbrennen die Sportlerinnen und Sportler etwa 1.000 Kalorien pro Stunde – und beanspruchen rund 400 Muskeln.“ Das Training dauert eine Stunde und wird von motivierender rhythmischer Musik begleitet. „Selbst der stressigste Tag ist nach dem ersten Lied vergessen. Beim Jumping kann man sich auspowern, den Kopf frei kriegen und wenn nötig auch Wut ablassen. Der Sport ist einfach befreiend“, sagt Duffek. Ihre Kurse finden zweimal wöchentlich, immer am Abend statt, damit auch Berufstätige daran teilnehmen können. Doch auch Seniorinnen und Senioren kommen bei Jumping Fitness auf ihre Kosten: „Das Alter oder Gewicht spielt beim Trampolinsport keine Rolle. Oft starten auch absolute Sportanfänger in meinem Kurs. Kleine Wehwehchen sind kein Problem, denn durch die elasti- sche Oberfläche des Trampolins wird der Aufprall abgebremst. Das schont die Gelenke.“

Auch müsse man sich beim Jumping nicht vor schwierigen Choreographien fürchten. Es gebe lediglich ein paar einfache und lang- same Basisschritte, erklärt die Trainerin. Und noch einen weiteren Vorteil haben die Kurse: „Das Trainieren in der Gruppe hilft dabei,

den inneren Schweinehund zu überwinden. Die Teilneh- merinnen und Teilnehmer melden sich im Vorfeld zu den Kursen an und wollen dann meist lieber nicht spon- tan absagen. So bleibt man dran!“ Daneben eignet sich das Trampolin aber auch als Heimtrainer – für alle, die lieber allein Sport machen und dazu nicht in ein Studio gehen möchten.


Für jedes Bedürfnis

Neben dem klassischen, meist sechseckigen Trampolin mit Haltegriff gibt es auch Trampolins mit drei Sprung- flächen, die speziell auf die Bedürfnisse von Athleten, Leistungssportlern oder ambitionierten Hobbysportlern abgestimmt sind. Damit soll es möglich sein, Belas- tungsabläufe von bestimmten Sportdisziplinen gezielt zu trainieren, erklärt Sportmediziner Tschan: „Seitliche Sprünge führen zu einer veränderten Muskelaktivität und verbessern damit Ausdauer, Kraft, Beweglichkeit, Schnelligkeit, Gewandtheit und Koordination.“ Außer- dem, so der Experte, könnten im Vergleich zum Training auf einem horizontalen Fitnesstrampolin höhere Belas- tungsintensitäten erreicht werden. „Der Belastungsbe- reich beim Trampolinsport lässt sich durch den Wechsel von Anspannen und Entspannen sehr gut steuern“, meint Tschan. „Dadurch ist auch das Einsatzspektrum groß – es reicht vom gesundheitsorientierten Fitnesstrai- ning über die Bereiche Leistungstraining und Trainings- therapie bis hin zur Rehabilitation.“

Es ist also egal, welches sportliche oder gesundheitli- che Ziel Sie im neuen Jahr verfolgen, auf dem Trampo- lin erreichen Sie es federleicht. Probieren Sie es aus – und springen Sie sich frei.



Michaela Neubauer

Fit am Trampolin – Basisübungen für Ihr Training


Aufwärmen: Die Füße stehen hüftbreit auseinander, der Rücken ist gerade. Marschieren Sie nun auf der Stelle und lassen Sie die Arme mitschwingen. Halten Sie dabei den Körper ruhig und steigern Sie langsam das Tempo.

Koordination: Um den Gleichgewichtssinn zu trainieren, können Sie kleine Sprünge mit beiden Beinen gleichzeitig probieren. Die Füße bleiben hüftbreit. Etwas schwieriger ist das Twisten: Stemmen Sie die Arme in die Hüfte und drehen Sie die gebeugten Beine im Sprung abwechselnd nach links und rechts. Sie können sich auch am Haltegriff festhalten. Steigern Sie sich, indem Sie komplexere Bewegungen ausführen – zum Beispiel Hampelmänner.

Krafttraining: Viele Übungen der Bein- und Rumpfmuskulatur haben auf dem Trampolin einen besseren Trainingseffekt, als wenn sie auf festem Boden gemacht werden. Machen Sie zum Beispiel Kniebeu- gen oder (bei einem Trampolin mit drei Sprungflächen) Ausfallschrit- te oder Mountain Climbers.

erschienen in GESUND & LEBEN 01/2020