VITAMINE & CO

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Gesund in den Herbst

GESUND & LEBEN beantwortet die wichtigsten Fragen rund um Kohlenhydrate, Mineralstoffe, Vitamine und Co.

Der Herbst naht! Doch der Wechsel zu einer kälteren Jahreszeit bedeutet nicht nur, dass wir unsere dickeren Jacken und die Kuscheldecke wieder aus dem Kleiderschrank hervorholen, sondern er stellt unseren Körper auch vor eine Herausforderung: Das Immunsystem muss sich gegen all die Er- kältungsviren wappnen, die in den nächsten Monaten folgen.


Nährstoffe: Unverzichtbare Helferlein

Damit das gelingt, müssen wir dem Immunsystem den Rücken stärken. Neben Sport und Entspan- nungsübungen spielt hier eine ausgewogene Ernährung die ausschlaggebende Rolle. Diese stellt sicher, dass unser Körper mit allen wichtigen Nährstoffen versorgt wird. Aber: Was versteht man un- ter Nährstoffen eigentlich genau? Welche Aufgaben erfüllen sie in unserem Körper? Je genauer man darüber Bescheid weiß, desto leichter ist es, alle Nährstoff-Reserven zuverlässig und vor allem im richtigen Verhältnis aufzufüllen.


Was sind „Nährstoffe“?

„Nährstoffe sind Stoffe, die der Körper braucht, um eigene Körpersubstanzen aufzubauen und seine Funktionalität aufrechtzuerhalten“, erklärt Ernährungsmedizinerin und Kardiologin Dr. Manuela Han- ke. „Wir führen sie unserem Organismus durch die Nahrung zu.“ Vereinzelte Nährstoffe können vom Körper aber auch selbst gebildet werden. „Im Grunde werden sämtliche Körperfunktionen, ein- schließlich Wachstum und Fortpflanzung, durch die Nährstoffe gedeckt“, sagt Hanke.


Wie werden Nährstoffe unterteilt?

Man unterscheidet zwischen Makro- und Mikronährstoffen. Makronährstoffe liefern uns Energie. Dazu zählen: Fette, Eiweiße und Kohlenhydrate. Mikronährstoffe wiederum sind nicht energielie- fernd, in diese Gruppe fallen: Mineralstoffe, Spurenelemente, Vitamine, Fettsäuren sowie Ballaststof- fe. „Wie viel wir von all diesen Nährstoffen brauchen, ist sehr individuell und hängt von unterschied- lichen Faktoren wie Geschlecht, Alter und beruflicher Tätigkeit ab“, gibt Hanke zu bedenken und empfiehlt, diesen persönlichen Bedarf von Experten feststellen zu lassen.


brauchen wir Nahrungsergänzungsmittel?

Prinzipiell gilt: „Bei bestimmten Krankheiten ist eine erhöhte Zufuhr bestimmter Nährstoffe notwen- dig“, betont die Medizinerin. Beispielsweise kann bei Schilddrüsenproblemen eine Jod- und/oder Zink-Substitution notwendig sein. „Laut neuesten Studien kann Zink auch bei Fertilitätsstörungen beider Geschlechter helfen.“ Auch andere besondere Belastungen des Körpers lassen nicht selten den Bedarf an Nährstoffen steigen: Frauen mit starker Menstruationsblutung beispielsweise sollten an eine Eisen-Substitution denken, während der Schwangerschaft und der Stillzeit kann es zu einem Mangel an Magnesium kommen. Bitte beachten Sie aber immer: Die Einnahme von Nahrungsergän- zungsmitteln muss stets mit einem Arzt besprochen werden, um Wechselwirkungen und Überdosie- rungen zu vermeiden.


Was sind Mineralstoffe?

„Mineralstoffe sind der Bestandteil jeder menschlichen Zelle“, sagt die Expertin. Jene

Mineralstoffe, die unser Körper am meisten benötigt, zählt man zur Gruppe der Mengenelemente: Kalzium, Phosphor, Kalium, Natrium, Magnesium, Chlorid und Schwefel. Mineralstoffe sind unter an- derem an wichtigen Stoffwechsel- und Nervenvorgängen beteiligt: So spielt Kalium beispielsweise beim Wasserhaushalt des Körpers eine wichtige Rolle. Kalzium ist besonders wichtig für den Auf- bau und die Stabilität von Knochen und Zähnen, sorgt aber auch für einen geregelten Herzschlag und eine funktionierende Reizleitung von Nerven und Muskeln. Magnesium wiederum fördert unter anderem die Durchblutung, sorgt für eine Entkrampfung der Muskulatur und reguliert den pH-Wert. Ein Mineralstoff-Mangel kann gefährliche Nebenwirkungen nach sich ziehen: Bei einem Mangel an Magnesium (zum Beispiel aufgrund von Medikamenten), stellt sich unter anderem Muskelzittern, Übelkeit und Herz-Rhythmusstörungen ein. Zu wenig Kalzium erhöht die Gefahr für Osteoporose.


Was versteht man unter Spurenelementen?

Spurenelemente gehören zu den Mineralstoffen. Doch der Körper benötigt sie nur in geringer Men- ge. Zu den Spurenelementen zählt man Kupfer, Eisen, Mangan, Cobalt, Zink und Jod. Eisen ist es- senziell für die Sauerstoffversorgung unserer Zellen, es ist zudem an der Bildung von Hämoglobin beteiligt. „Kommt es zu einem Eisenmangel, beispielsweise bei starker Menstruation oder Blutungen aus Magen oder Darm, wird der Körper zu wenig mit Sauerstoff versorgt, was zu Blutarmut, einem geschwächten Immunsystem und einer eingeschränkten Schilddrüsenfunktion führen kann“, sagt Hanke. Sogar ADHS wird mit Eisenarmut in Zusammenhang gebracht. Zink treibt den Kohlenhy- drat-, Eiweiß- sowie Hormonstoffwechsel an, kräftigt Haut und Nägel und wirkt leicht blutdrucksen- kend. Zudem spielt es bei der Konzentration eine wichtige Rolle. Geht es um eine gut funktionieren- de Schilddrüse, sei Jod das wichtigste Spurenelement. „Jod wird seit geraumer Zeit in ärztlichen Kreisen unterschätzt“, kritisiert Hanke. „Es ist aber grundlegend für die Produktion von Schilddrü- senhormonen, hat einen positiven Effekt auf den Fettstoffwechsel und ist ein wichtiger Freie-Radika- le-Fänger.“


Welche Vitamine sind für den Herbst besonders wichtig?

„Generell sind alle Vitamine lebenswichtig“, betont Hanke. Gerade im Herbst aber sei es ratsam, die eigenen Reserven der Vitamine C und D aufzufüllen. „Vitamin C ist entzündungshemmend, regt das Immunsystem an und ist eine wichtige Unterstützung, wenn es um die Abwehr von Infektionen geht. Vitamin C ist nur in jenen Früchten enthalten, die maximal 14 Tage zuvor gepflückt wurden. Das ist bei Obst aus dem Supermarkt selten und bei Obst aus dem Ausland niemals der Fall.“

Vitamin D wiederum produziert unser Körper selbst, und zwar mithilfe von Sonnen-licht – „allerdings nur dann, wenn die Sonnenstrahlen ausreichend lange in 90 Grad auf die nackte Haut treffen!“, warnt die Medizinerin im Vorausblick auf bewölkte Tage. Das „Sonnen-hormon“ macht unsere Kno- chen stark, schützt vor Arteriosklerose, lässt unsere Zellen langsamer altern und spielt eine wichtige Rolle in der Reizleitung sowie im Herz-Kreislauf-System.


Stefan Stratmann

erschienen in GESUND & LEBEN 09/2020