HERZ

Sicherheit fürs Herz

Entspannungstrainings können den Rauchstopp

wirkungsvoll unterstützen.

foto: Herz-Kreislauf-Zentrum Groß Gerungs

Nach einem Herzinfarkt oder einer anderen Herzerkrankung müssen Patientinnen und Patienten wieder Vertrauen in den eigenen Körper gewinnen. Besonders wichtig: Ein Rauchstopp.

Ein Herz-Ereignis wie ein Herzinfarkt oder ein herzchirurgischer Eingriff kommt für die Betroffenen oft völlig unerwartet – und verändert die Sicht auf die eigene Gesundheit und das eigene Leben meist grundlegend, weiß die Klinische- und Gesundheitspsychologin Mag. Margit Gorgi vom Herz-Kreislauf-Zentrum Groß Gerungs im Waldviertel: „Herzpatientinnen und -patienten fühlen sich meist sehr verunsichert: Was macht mein Herz mit? Wie sehr darf ich mich überhaupt anstrengen? Und was braucht mein Körper jetzt, damit das nicht mehr passiert?“

Schon die geringste Wahrnehmung im Brustraum löst Angst aus. Das natürliche Gefühl für den eigenen Körper scheint verschwunden zu sein, erklärt die Psychologin. „Meist wird nun auch der bisherige Lebensstil hinterfragt. Was habe ich falsch gemacht? Bin ich schuld an meiner Herzerkrankung? Wie kann ich mein Herz durch mein Verhalten besser schützen?“

Dazu kommt: Im Krankenhaus findet die lebensrettende medizinische Versorgung statt, es werden Stents gesetzt und Bypässe eingepflanzt. „Für die vielen Sorgen und

Fragen der Betroffenen ist im Akutbereich aber nur wenig Zeit und Raum. Deshalb ist nach dem Spitalsaufenthalt eine drei- bis vier-wöchige Rehabilitation in einer spezifischen Einrichtung wesentlich für einen langfristigen Behandlungserfolg und eine gute zukünftige Lebensqualität

der Betroffenen.“

Im Herz-Kreislauf-Zentrum Groß Gerungs im Waldviertel beispielsweise erhalten Patientinnen und Patienten in diversen Vorträgen von Ärzten, Klinischen Psychologen, Diätologen und Sportwissenschaftlern viele Informationen rund um die Herzerkrankungen, über mentale Gesundheit sowie über einen gesunden Lebensstil in den Bereichen Ernährung und Bewegung. „Diese

Informationen helfen, eigene Risikofaktoren zu identifizieren und das Gesundheitsverhalten zu verbessern“, sagt Gorgi.

Ein zentraler Schwerpunkt des therapeutischen Programms ist die individuelle Betreuung der Patientinnen und Patienten, betont die Psychologin. „Wir sehen, dass die intensive Auseinandersetzung mit der oder dem Einzelnen extrem wichtig ist, da sie nur so auch gut gerüstet in den Alltag starten und das Gelernte mitnehmen können.“


Risikofaktoren

Neben erhöhtem Blutdruck und zu hohen Cholesterinwerten, Stress, Bewegungsmangel, Übergewicht sowie Diabetes zählt das Rauchen zu den wesentlichen Risikofaktoren für eine Herz- Kreislauferkrankung. Deshalb legt das Herz-Kreislauf-Zentrum Groß Gerungs auch einen  Fokus der medizinischen und psychologischen Behandlung darauf, Patientinnen und Patienten beim Rauchstopp zu begleiten und beim Einhalten einer andauernden Tabakkarenz zu unterstützen.

Nur einem Teil der Patientinnen und Patienten gelingt nach einem Herzereignis der längerfristige oder dauerhafte Rauchstopp, obwohl den meisten die Bedeutung des Rauchens für ihre Erkrankung sehr wohl bewusst ist, berichtet Gorgi und erklärt: „Dieses scheinbar irrationale Verhalten hängt mit den Mechanismen der Nikotinsucht zusammen. Wie jedes Suchtmittel verändert nämlich auch Nikotin unser Gehirn durch chemische Vorgänge sowie durch Lernprozesse.“

Wer raucht, ist nicht willensschwach, sondern leidet an einer Suchterkrankung: „Eine wesentliche Rolle bei der Entstehung der Sucht spielt unser körpereigenes Belohnungssystem, das beim Rauchen anspringt und unmittelbar nach einem Zug an der Zigarette für ein gutes Gefühl sorgt.“ Sinkt der Nikotinspiegel im Gehirn, reagiert der Raucher mit Entzugserscheinungen wie Unruhe oder Reizbarkeit und einem hohen Verlangen nach einer Zigarette. Eine neuerliche Zufuhr von Nikotin lässt die Symptome verschwinden, weshalb der Eindruck entsteht, dass beim Rauchen der Stress reduziert wird. In Wirklichkeit bewirkt es einen vorübergehenden Sauerstoffmangel im Körper. Das Nikotin wirkt nämlich gefäßverengend, das beim Verbrennungsvorgang der Zigarette aufgenommene Kohlenmonoxid blockiert zusätzlich die Sauerstoffversorgung des Körpers. Auf diese Gefahr reagiert der Körper mit Stress und schüttet Stresshormone aus. Diese führen zu einem Anstieg von Blutdruck und Puls sowie zu vermehrter Ausschüttung von Fetten und Zucker ins Blut. All das beschleunigt die Verkalkung der Gefäße (Arteriosklerose) und begünstigt so einen Gefäßverschluss, die Ursache für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall. Die Arteriosklerose ist aber auch der häufigste Grund für Potenzstörungen und Erektile Dysfunktion (Impotenz). Daneben erhöhen zahllose beim Rauchen aufgenommene Substanzen und Giftstoffe deutlich die Gefahr für Krebs- und Atemwegserkrankungen.


Chance nutzen

Der Reha-Aufenthalt bietet eine gute Gelegenheit, fern vom Alltag, in dem viele Situationen mit dem Rauchen verknüpft sind, einen Rauchstopp zu versuchen. Dafür gibt es allgemeine Informationen über Suchtmechanismen, Nikotinersatztherapie und körperliche Verbesserungen durch den Rauchstopp. Und zusätzlich werden im Einzelgespräch mit klinischen und Gesundheitspsychologen individuelle Strategien zur Tabakkarenz besprochen, berichtet Gorgi. „Begleitende Aktivitäten wie Entspannungstrainings oder regelmäßige Bewegung verbessern den Behandlungserfolg.“

Eine weitere Methode zur Raucherentwöhnung ist die klinische Hypnose. Gorgi bietet sie in Groß Gerungs ohne Zusatzkosten für die Patientinnen und Patienten während ihres Aufenthaltes an. „Klinische Hypnose unterstützt die Menschen bei der Auseinandersetzung mit ihrem Suchtverhalten und erleichtert den Umgang mit schwierigen Situationen in der Entwöhnung.“  Die Behandlung mit klinischer Hypnose findet aber auch Anwendung bei chronischen Schmerzen, Ängsten, psychosomatischen Beschwerden, erhöhter Stresswahrnehmung sowie bei Traumafolgestörungen. Auch wer darunter leidet, ist bei Mag. Margit Gorgi in Groß Gerungs in besten Händen.

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 06/2019