Pflegezentren

Genießen und mitarbeiten steht im Garten des Pflege- zentrums Vösendorf auf dem Programm.

Genießen und mitarbeiten steht im Garten des Pflege- zentrums Vösendorf auf dem Programm.

Im Garten des Pflegezentrums Retz kommen Jung und Alt zusammen und entdecken

gemeinsam die Natur.

Im Garten des Pflegezentrums Retz kommen Jung und Alt zusammen und entdecken

gemeinsam die Natur.

Die Bewohnerinnen und Bewohner des PBZ Retz

verbringen gerne Zeit mit den hauseigenen Hühnern oder inmitten der vielen Blumen.

Die Bewohnerinnen und Bewohner des PBZ Retz

verbringen gerne Zeit mit den hauseigenen Hühnern oder inmitten der vielen Blumen.

fotoS: ZVG

Ein Garten für die Seele

Gemüsebeete, Obstbäume & gemütliche Plätze: All das gibt es zum Beispiel in den Therapiegärten der Pflege- und Betreuungszentren in Vösendorf und Retz.

Der Geruch von Lavendel und Rosmarin in der Nase. Das Gefühl von feuchter Erde zwischen den Fingern. Der Geschmack von Heidelbeeren oder Himbeeren, frisch von der Staude, noch warm von der Sonne. Es leuchtet bunt im Garten, wenn alles blüht und wächst. Die Natur gehört zu unserem Leben. Und wird immer häufiger zur Therapeutin. Zum Beispiel in den Therapiegärten der niederösterreichischen Pflege- und Betreuungszentren (PBZ).


Wohltat für die Seele

Rund um das PBZ Vösendorf gibt es seit vielen Jahren eine Grünfläche, der Park des nahegelegenen Schlosses grenzt direkt daran. Um aus diesem Stück Natur ei- nen Therapiegarten zu machen, holt sich das PBZ Hilfe von den Schülerinnen und Schülern der HTL Mödling. Gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern errichten sie einen Handlauf und Hochbeete. Doch das ist erst der Anfang: Das Team des PBZ pflanzt Obstbäume, Blumen, Sträucher und Kräuter. „Ein Therapie- garten“, erklärt Barbara Hagenhofer, Leitung Pflege und Betreuung im PBZ Vösen- dorf, „soll alle Sinne ansprechen.“ Der Garten ist so angelegt, dass man Pflanzen und Tiere beobachten kann.  Überall im Garten gibt es Bänke für eine kleine Rast während eines Spazierganges. Wenn die Tulpen blühen, wenn der Flieder duftet – das tue dem Auge und der Seele gut, sagt Hagenhofer.

Doch nicht nur genießen ist angesagt im Vösendorfer Garten: Die Bewohnerinnen und Bewohner helfen auch mit, wenn es ums Einpflanzen und Ernten geht. Die ge- ernteten Kräuter werden in der Küche verwendet. Aus Zwetschken wird gemeinsam ein Kuchen gebacken. Und die Beeren des Gartens sind dafür da, zwischendurch vernascht zu werden. Im Therapiegarten können die Bewohnerinnen und Bewohner auch den Jahreszyklus beobachten. Ein Teil des Gartens ist umzäunt und bietet so auch Menschen, die an Demenz erkrankt sind, die Möglichkeit, selbst herumzuge-

hen. Neben dem Garteln und Spazieren ist der Garten auch einfach zum Entspannen da. „Viele Bewohnerinnen und Bewohner haben früher selbst einen Garten gehabt und genießen ihn nun umso mehr“, sagt Hagenhofer. Der Garten bietet aber auch Platz für soziale Interaktion: Hier ist schon manch eine Freundschaft entstanden. Wenn das Wetter mitspielt, finden Therapieeinheiten wie Sitzturnen statt. Und auch die Jause und der Nachmittagskaffee werden dann nach draußen auf die Terrasse verlegt. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verlegen ihre Pause häufig in die Natur. Auch die Ehrenamtlichen, Angehörigen und Zivildiener verbringen draußen gerne Zeit mit den Menschen. An ein besonderes Highlight im Therapiegarten erinnert sich Barbara Hagen- hofer gerne zurück: „Für eine Beachparty schütteten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf der gesamten Terrasse Sand auf. Rund um ein Planschbecken saßen die Bewohnerinnen und Bewohner in ihren Rollstühlen und hielten die Füße ins Wasser. Ge- meinsam liefen sie barfuß durch den Sand, tranken Cocktails und hörten Musik.“ Das Wasser spielt auch bei einem besonderen Ritual eine Rolle: Jedes Jahr werden Steine mit den Namen der verstorbenen Bewohnerinnen und Bewohner verziert. Bei einer Gedenkmesse werden sie den Angehörigen übergeben. Jene Steine, die übrig bleiben, kommen zu den weißen Steinen im Brunnen und erinnern so an die verstorbenen Menschen.


Anregend

„Im Garten kommen die Leute zam“ – für den Garten des PBZ Retz trifft dieses Mot- to zu. Denn nicht nur den Bewohnerinnen und Bewohnern steht der Garten offen, sondern allen Menschen in und um Retz. Als 2007 drei Jahre lang das Pflege- und Betreuungszentrum neu gebaut wird, ist schnell klar, dass auch der Garten erwei- tert werden soll. Es entsteht ein Gemeinschaftsgarten mit vielen verschiedenen Oa- sen: Neben einem Gräsergarten gibt es eine Naschecke mit Beeren, ein Tiergehe- ge mit Minischweinen und Ziegen, eine Fühlwand zum Ertasten, eine Hütte zum Verweilen und Wasserplätze. Erweitert wurde auch der bestehende Therapiegarten mit einem neuen Pavillon, einer Wasserentnahmestelle und einem Quellstein, einem Marterl zur Andacht und Hochbeeten. Angeregt werden damit vor allem die Sinne: Der Gräsergarten lässt die Ohren spitzen, wenn ein Lüftchen vorüberzieht. Die Be- wohnerinnen und Bewohner können das Holzklangspiel zum Klingen bringen. Die Naschecke verwöhnt den Gaumen. Und so manch einer kann beim Gehege nicht vorbeigehen, ohne die Tiere zu streicheln. Das schwarze große Schaf Emil, der schwarze Eber Balu, das kleine gefleckte Schwein Punkti, die schwarze Ziege Bella

und die weißen Ziegenböcke Hansi und Rudi freuen sich darüber. Seit neuestem gibt es im PBZ Retz auch Therapiehühner, die sich großer Beliebtheit erfreuen. Die Fühlwand im Garten lässt vieles ertasten – von Steinen über Nussschalen bis hin zu Tannenzapfen.

Und noch etwas gibt es im Retzer Garten: einen Generationenspielplatz. Diesen Platz, ausgestattet mit Schaukel, Rutsche und Sandkasten, nutzen vor allem der Kindergarten und die Volksschule. „In unserem Garten treffen sich Jung und Alt“, sagt Horst Winkler, Direktor des Retzer Pflegezentrums. Die Generationen kommen sich näher und bereichern sich gegenseitig. Die Kinder sind es auch, die gemeinsam mit ihren Pädagoginnen und Pädagogen die Kräuterschnecke betreuen. Auch beim Garteln treffen die Menschen aufeinander: Gemeinsam mit Angehörigen, Ehrenamtlichen, Mieterinnen oder Mietern des Betreuten Wohnens werden die Hochbeete gepflegt. Die Bewohnerinnen und Bewohner müssen nicht überredet werden, aktiv zu werden: „Viele hat- ten in ihrem früheren Zuhause einen Garten, daher ist ein großer Bezug da“, sagt Pflegeassistentin Maria Keinrath. Ihre Kollegin, Pflegehelferin Ulrike Kastner, ergänzt: „Viele haben früher im Garten als Selbstversorger gearbeitet, das Wissen darüber hat man heutzutage ein wenig vergessen. Und wenn die Bewohnerinnen und Bewohner die Pflanzen selbst einsetzen, fühlen sie sich verantwortlich.“ Das Wichtigste beim Garteln ist jedoch nicht der Ertrag des Beetes, sondern die Gemeinschaft. Plätze für den stillen Rückzug laden dazu ein, der Natur zu lauschen und sich auf sich selbst zu besinnen. Dafür gibt es auch die zwei Marterl. Rasten kann man außerdem auf vielen Sitzmöglichkeiten unter den Bäumen.


Garten im Haus

Die Natur wirkt auf eine vielfältige Art und Weise. Beim Einsetzen oder Ernten der Pflanzen können die Bewohnerinnen und Bewohner die Natur im wahrsten Sinne des Wortes „begreifen“. Sie erleben die Jahreszeiten mit, bringen ihre eigenen Er- fahrungen ein oder erinnern sich an schöne Momente zurück. All das hilft dabei, sich wohl zu fühlen. Im PBZ Retz wird der Garten auch ins Haus geholt: Bei Schlechtwetter werden Vorbereitungsarbeiten für den Garten erledigt oder die Ernte verarbeitet. Und auch Menschen, die an Demenz erkrankt sind, kommt der Garten zugute, denn durch einfache Arbeiten wie das Einsetzen von Blumen fangen man- che nach langer Zeit wieder zu sprechen an. Gärten der Sinne – das sollen die The- rapiegärten im PBZ Vösendorf und im PBZ Retz sein. Und den Menschen darin Ent- spannung und Anregung mitten in der Natur bieten.


Daniela Rittmannsberger

erschienen in GESUND & LEBEN 06/2021