WASSERSCHULE

Wasser macht Schule

Es macht aufmerksamer, konzentrierter und ist gut für die Zähne:

Das Trinken von Wasser.  An den 59 „H2NOE – Wasserschulen“ der Initiative »Tut gut!« trinken die Schüler viel Leitungswasser. Und finden das alle zusammen richtig cool.

Im zweiten Jahr der Wasserschule gehört Wasser für die Kinder der VS Neumarkt/Ybbs längst zum Alltag dazu.

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Jeden Morgen füllen die Schülerinnen und Schüler ihre Wasserflaschen auf, die danach gut sichtbar am Tisch stehen.

FotoS: Daniela Führer

Alle blauen Wasserflaschen stehen frisch aufgefüllt auf den Schultischen der dritten Klasse in der Volks- schule Neumarkt/Ybbs. Voll cool ist es, erzählt Sophie, dass sie ihre eigene Wasserflasche bekommen hat. Sie trinkt gerne Wasser – genauso wie ihre Klassenkollegen Sonja, Lotta und Tobias. Und auch der Rest der Klasse findet es richtig gut: Auf die Frage ihrer Klassenlehrerin Annelies Ungerböck hin, wem das Wasser schmecke, zeigen alle Kinder sofort auf. Das Programm „H2NOE – Wasserschule“ der Initiative »Tut gut!« ist in Neumarkt/Ybbs angekommen. Vor einem Jahr startete das Projekt in insgesamt 22 Volksschulen in ganz Niederösterreich. Diese Pilotschulen nehmen an einer Evaluierung durch die Donau-Universität Krems teil. Worum es sich bei der Wasserschule handelt, erklärt Programmleiterin Heidemarie Hell: „In der Schule wird am Vormittag ausschließlich Leitungswasser getrunken. Das Ziel ist es, einen halben Liter zu trinken. Es brauchen keine Getränke in die Schule mitgenommen werden. Dafür bekommen die Schülerinnen und Schüler eigene Wasserflaschen. Die Schulmilch kann zusätzlich angeboten werden.“


Kinder werden aufmerksamer

Christine Gerstl leitet die Volksschule Neumarkt/Ybbs und auch die der benachbarten Gemeinde St. Mar- tin/Karlsbach. In beiden Schulen steht seit einigen Jahren das Thema Gesundheit im Fokus: Neben einem Ernährungs- gibt es auch einen Bewegungsschwerpunkt. Da kam die Einladung zur Teilnahme an der „H2 NOE – Wasserschule“ gerade recht.  Gleich zu Beginn sei das Projekt sehr gut angelaufen, erzählt die Schulleiterin. Sie ist froh, dass Eltern wie Lehrer so hinter diesem Programm stehen: „Das ist eine Generati- on von Eltern, die gesundheitsbewusst ist“, sagt sie. Das Wassertrinken hat jede Menge Vorteile: Es fördert zum Beispiel die Leistungsfähigkeit und schützt die Kinder vor Karies und Übergewicht. Die Kinder sind aufmerksamer und Gesundes wird so zur Gewohnheit. Und: Die Schultasche ist ohne Trinkflasche definitiv leichter.


Trinkpass & Sticker

Die Direktorin der Volksschulen bemerkte vor allem auch an sich selbst erstaunliche Veränderungen: „Au- ßer Kaffee habe ich am Vormittag nicht viel getrunken. Nach der Schule war ich ausgetrocknet. Jetzt ist die Konzentration besser und ich bringe mehr weiter.“

Die Kinder waren vor allem zu Beginn des Projektes vor einem Jahr euphorisch und tranken auch mehr als einen halben Liter. Und wenn sie draußen im Garten sind, ist es mittlerweile eine Selbstverständlichkeit, dass sie sich die Wasserflaschen wieder anfüllen und ausreichend trinken. Auch auf die Hygiene wird ge- achtet: Die Flaschen werden täglich ausgespült und jeden Freitag gründlich gereinigt. In jeder Klasse gibt es ein Abtropfgestell, wo die Flaschen aufbewahrt werden. Als zusätzlichen Ansporn bekommt jedes Kind außerdem einen Trinkpass, um die eigene Trinkmenge im Überblick zu behalten. In Christine Gerstls Schu- len gibt es für den ausgefüllten Trinkpass sogar einen bunten Sticker.


Alle an einem Strang

In der 3A-Klasse ist die Wasserschule mittlerweile nichts Neues mehr. Die Kinder haben sich alle gut umge- stellt, erzählt Annelies Ungerböck. Damit auch ihre Lehrerin immer genug zu trinken hat, füllen ihre Schüle- rinnen und Schüler gleich am Morgen die Trinkflasche der Pädagogin auf. Früher waren die Trinkflaschen während des Unterrichtes gut verstaut in der Schultasche. Getrunken wurde nur in der Pause. Nun stehen die Wasserflaschen gut sichtbar am Tisch. Das macht es auch für die Pädagogin einfacher, das Trinken nicht zu vergessen: „Die Flaschen erinneren mich, dass die Kinder trinken sollten. Ich sage dann zu ihnen: ‚Machen wir eine Trinkpause!“, erzählt Ungerböck. Das wirkt sich auf die Aufmerksamkeit aus, ist sich die Pädagogin sicher.

Nach dem erfolgreichen Start im Vorjahr sind die Pilotschulen nun erfahrene Wasserschulen. Sie wurden heuer wieder mit Trinkflaschen für die Erstklassler ausgestattet. Und es geht weiter: „Im Schuljahr 2019/20 starteten weitere 33 Volksschulen und vier Allgemeine Sonderschulen als „H2NOE – Wasserschulen“. Zum Beginn des Schuljahres werden die Lehrerinnen und Lehrer in einem Workshop über den Programmablauf geschult“, sagt Heidemarie Hell. »Tut gut!« stellt den Schulen außerdem Materialien wie ein Plakat mit dem Maskottchen „Fitofit“ zur Verfügung. In der Klasse selbst können klasseninterne Trinkregeln aufgestellt wer- den. Die Gemeinden werden ebenfalls in das Projekt einbezogen und stellen Informationen rund um die Wasserversorgung an der Schule zur Verfügung. Sie alle ziehen an einem Strang, um den Schülerinnen und Schülern zu zeigen, was Tobias aus der dritten Klasse längst verinnerlicht hat: „Ich finde das gut und cool, denn Wasser ist gesund!“



Daniela Rittmannsberger


Informationen:

www.noetutgut.at/h2noe

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 10/2019