ONKOLOGISCHE REHA

Nach dem Krebs – der Weg zurück

fotoS: Lebens.Med Zetrum Bad Erlach

Krebs und seine Therapien verursachen zahlreiche Nebenwirkungen.

Sie entscheidend zu bessern und die Patienten beim Gesundwerden gut zu

unterstützen ist das Ziel der Onkologischen Rehabilitation.

Die Krankheit Krebs und die Behandlungen, die man dagegen in Anspruch nehmen muss, führen sehr oft zu höchst unangenehmen Begleiterscheinungen und Nebenwirkungen. Chronische Müdigkeit, reaktive Traurigkeit oder Depressivität und posttraumatische Belastungsreaktionen gehören genauso dazu wie Polyneuropathie oder Änderungen im Stoffwechsel und in der Körperwahrnehmung. Nicht zu vergessen sind soziale Faktoren wie der Verlust des Arbeitsplatzes oder gravierende Veränderungen in Partnerschaft oder Sexualität, die oft durch das Leben mit der Krankheit selbst entstehen.


Neun von zehn Patienten profitieren

„Letztlich können alle wichtigen Belange des Lebens betroffen sein, und tatsächlich leiden fast alle Patienten mit Tumorerkrankungen unter der einen, der anderen oder mehreren dieser Nebenerscheinungen der Erkrankung“, sagt der Ärztliche Leiter der Onkologischen Rehabilitation in Bad Erlach, Prim. Alexander Gaiger. Doch er weiß auch, dass sich das ändern lässt: „Onkologische Rehabilitation ist heute ein fixer Bestandteil der Tumorbehandlung. Ihr Ziel ist es, die Gesundheit, Aktivität und Leistungsfähigkeit des Patienten wiederherzustellen. Das geschieht mit Hilfe von gezielten Therapie-Maßnahmen für Körper und Seele sowie im sozialen Bereich. Das Konzept ist wissenschaftlich abgesichert, hochwirksam und nachhaltig, und neun von zehn unserer Patienten erreichen die Therapieziele, die sie sich bei uns gesteckt haben.“

Tatsächlich bessern sich die Nebenwirkungen von Krebs und seiner Behandlung durch Onkologische Rehabilitation hochsignifikant: So verbessern sich etwa die chronische Müdigkeit, die reaktive Traurigkeit oder die Auswirkungen der posttraumatischen Belastungsstörung um 50 und die Lebensqualität gar um 80 Prozent.


Ein umfassendes Konzept

Das gelingt mit Hilfe von verschiedenen Methoden und Therapien, die speziell in diesen Fällen wirksam sind, erklärt Priv.-Doz. Dr. Marlene Troch: „Wir bieten unseren Patienten zum einen gezielte

Physio-, Bewegungs- und Trainingstherapie sowie Koordinationstraining, um den Aufbau körperlicher Fähigkeiten zu unterstützen. Zum anderen wirken Ergotherapie und sensomotorische Übungen als Training für Alltagsfertigkeiten, Merk- und Konzentrationsfähigkeit. Und zum Dritten helfen diätologische Maßnahmen und ein ausgewogener Speiseplan dabei, nach der anstrengenden Therapie neue Kräfte zu sammeln und das Genießen wieder zu erlernen“, erklärt Troch, die das Assessment für die Onkologische Rehabilitation in Bad Erlach gemeinsam mit Prim. Gaiger erarbeitet und aufgebaut hat. Sie betont auch den wichtigen Part der Psychologie, Psychotherapie und Psychoonkologie, die ebenfalls zum Konzept gehören. Denn natürlich ist auch oft die Psyche von Patienten mit Tumorerkrankungen in Mitleidenschaft gezogen. Doch die Experten in Bad Erlach kümmern sich professionell und mitfühlend um diese „Nebenaspekte“ der Erkrankung, denn das

psychische Verarbeiten der Krankheit ist ein wesentlicher Teil des Gesundwerdens. Dazu gehören auch Kreativtherapien, Entspannungsmethoden und spezielle Massagetechniken.

Tumorpatienten leisten Großartiges Sowohl Marlene Troch als auch Alexander Gaiger ist es ein großes Anliegen, Menschen, die an einer Tumorerkrankung leiden, auf ihrem oft steinigen Weg in die Wiedereingliederung zu begleiten und ihnen dabei auch wichtige, gute Gedanken mitzugeben. „Was diese Menschen in ihrer schwierigen Situation leisten, ist vergleichbar mit der Leistung von Spitzensportlern wie Dominic Thiem oder Anna Veith. Allerdings haben sie keine Sponsoren und keine Fans, die ihnen auf die Schulter klopfen. Trotzdem oder gerade deshalb können und sollen sie stolz auf sich und ihre Leistung sein.“

Tatsächlich ist es auch eine Aufgabe der Onkologischen Rehabilitation, die oft abstrusen

Reaktionen der Menschen auf die Krankheit Krebs zu normalisieren und mit den Mythen, die sich um Tumorerkrankungen ranken, aufzuräumen. „Viele Menschen glauben, dass Stress, falsche Ernährung oder sonst ein „Fehler“, den sie gemacht zu haben glauben, die Erkrankung ausgelöst hat. Das stimmt keineswegs. Stress verursacht keinen Krebs, und ist auch nicht Folge eines falschen Verhaltens“, sagt Prim. Gaiger. „Wahr ist vielmehr, dass wir noch immer nicht exakt wissen, wie die über tausend verschiedenen Tumorerkrankungen, die es gibt, genau entstehen. Und was wir mit Sicherheit sagen können ist, dass auch guten Menschen schlimme Dinge widerfahren.“


Ressourcen mobilisieren

Prim. Gaiger betont auch, dass etwa Müdigkeit und Erschöpfung im Grunde eine gesunde

Reaktion des Körpers auf eine zuvor ungesunde Situation sind, aber: „Leider wird das oft pathologisiert, und die Umwelt dieser Patienten erwartet nur allzu oft, dass nach der Behandlung alles

wieder seinen normalen Lauf geht.“ Auch die Betroffenen selbst wollen niemandem zur Last

fallen. Doch chronische Erkrankungen erfordern viele Ressourcen – Ressourcen, die die Natur für uns nicht vorgesehen hat und die erst mobilisiert werden müssen. Mit dem Konzept der Onkologischen Rehabilitation, das von führenden Experten entwickelt und von der Pensionsversicherungsanstalt (PVA) vorbildhaft umgesetzt wird, kann das sehr gut gelingen. Zögern Sie also nicht und stellen Sie mit Ihrem Arzt einen Antrag auf Onkologische Rehabilitation – nach einem Schlaganfall würden Sie das ja auch tun.


Gabriele Vasak

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 07+08/2019