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GARTENZEIT

Vom Garten auf den Teller

Rot, grün, blau: Gemüse oder Obst aus dem

eigenen Garten oder vom Balkon kommt frisch

auf den Teller und versorgt uns mit wertvollen

Nährstoffen.

Wenn die Wiese grüner, die Vögel lauter und die Sonne heller wird, hat der Frühling Einzug gehalten. Jahr für Jahr ergreift die Menschen dann eine gewisse Sehnsucht: Nämlich Gemüse, Kräuter und Obst selbst anzubauen, die Pflanzen liebevoll zu hegen und zu pflegen und schließlich zu ernten. Wer sein Gartenjahr zu einem erfolgreichen machen möchte, der sollte einige Grundregeln beachten. Und wird erstaunt darüber sein, welche Vielfalt an Gemüse- und Obstpflanzen

mittlerweile in unseren Breiten gedeihen.


Der richtige Platz

Wer einen großen Garten rund ums Haus besitzt, der hat sicherlich Platz, um allerlei Gemüse anzubauen. Das richtige Eck dafür findet man so: „Man sollte sich überlegen, wo man sich wirklich bewegt. Außerdem ist ein sonniges Eckerl in der Nähe von der Küche oder dem Haus ideal“, sagt Margit Beneš-Oeller von der Aktion „Natur im Garten“. Wer den idealen Platz für seinen künftigen Gemüsegarten gefunden hat, kann sich an den Boden machen. Locker und voller Humus sollte er sein, damit das hungrige Gemüse prächtig gedeihen kann. Dafür reicht es, das Gras zu entfernen und die Erde oberflächlich aufzulockern. Um die Pflanzen mit genügend Nährstoffen zu versorgen, sollten vier bis sechs Liter Kompost pro Quadratmeter in den Boden eingearbeitet werden. Das gilt aber nicht für alle Pflanzen: „Bohnen brauchen maximal einein- halb Liter Kompost. Man sollte es generell nicht übertreiben mit dem Düngen“, sagt Beneš-Oeller.  Direkt

ansäen kann man Radieschen, Erbsen oder Salate. Je nach Witterung kann man nach und nach eine große Vielfalt an Gemüse an- setzen. Beliebt sind vor allem Karotten und Kohlrabi, später können dann Tomaten, Zucchini, Kürbis und Gurken angesetzt wer- den. Beim Anpflanzen gibt es einiges zu beachten: Zunächst sollte man sich gut überlegen, welche Pflanzen nebeneinander wachsen. Sogenannte Familienmitglieder vertragen sich nicht. Das heißt: Die Hülsenfrüchte Bohnen und Erbsen sollten nicht ne- beneinanderstehen. Ebenso wie beispielsweise Karotten und Petersilienwurzeln, die beide unter der Erde wachsen, denn sie kom- men sich dann in die Quere, wenn sie größer werden.

Gute Kombinationen sind hingegen Erdäpfel mit Bohnen, Tomaten und Kohl oder Rote Rüben und Erbsen. Mischkulturscheiben – im Internet erhältlich – helfen dabei, die richtigen Kombinationen zu finden. Ist der Gemüsegarten fertig, geht es ans Hegen und Pflegen. Ob die Pflanzen Wasser brauchen, erkennt man anhand der Fingerprobe: Vor und nach dem Gießen sollte zwei Zentime- ter unter der Erde immer noch Erde am Finger kleben bleiben. Mit dem Gießen, sagt Beneš-Oeller, sollte man es nicht übertreiben. Um den Garten zu düngen, gibt es verschiedene Möglichkeiten: Langzeitdünger wie Schafwollpellets helfen ebenso wie Steinmehl oder eine selbstgemachte Jauche aus Brennnesseln oder Beinwell. Um Tiere fernzuhalten, eignen sich Gemüseschutznetze. Kräu- ter können im Garten ebenso Platz finden wie in vereinzelten Töpfen in der Nähe des Hauses. Oder in einem Hochbeet: Dieses er- höhte Beet ist mit verschiedenen Schichten wie Baumschnitt, Laub oder Gartenabfällen gefüllt und hat sogar auf dem Balkon oder der Terrasse Platz. Zuerst wird Gemüse gepflanzt, später werden dann Kräuter angesetzt.

Wer gerne gesunde Naschereien im Garten hat, der kann mittlerweile aus einer breiten Palette schöpfen: Nicht nur die gängigen Obstsorten wie Apfel, Marille, Kirsche oder Beeren gedeihen in heimischen Gärten, sondern auch Kiwi, Khaki, Mandeln oder Indi- anerbananen. Da diese Gehölze länger als eine Saison an Ort und Stelle bleiben, ist es ratsam, sich gut zu überlegen, wie viel Platz die Pflanze ausgewachsen benötigt. Äpfel, Birnen und Kirschen wiederrum brauchen Obstbäume derselben Art, um sich zu bestäuben. Daher sollten sie nicht zu weit auseinander gepflanzt werden.


Balkon wird zum Garten

Es muss nicht immer ein eigener Garten sein. Auch ein Balkon birgt unge- ahnte Möglichkeiten für Gemüse- und Obstpflanzen. Der Klassiker am Bal- kon sind Kräuter: Von Bohnenkraut über Dill und Koriander bis hin zu Ore- gano gedeiht dort fast alles. Einzig für die Petersilie ist der Platz nicht ide- al. Gut geeignet für den Balkon sind außerdem Tomaten. Ab Mitte Mai kön- nen sie in großen Töpfen oder Kübeln gehalten werden. Wer wirklich jegli- chen Platz nutzen möchte, kann unter Tomaten Vogerlsalat ansäen. Oder man hält sich an die „drei Schwestern“: Bei dieser alten Methode werden in einem Topf Mais, Bohnen und Zucchini oder Kürbis angepflanzt. Der Mais dient den Bohnen als Rankhilfe, die Zucchini oder der Kürbis können währenddessen unten gedeihen. Auch Mangold, Pflücksalat oder Radies- chen wachsen am Balkon. Ungewöhnlich scheint zunächst der Gedanke, Süßkartoffeln am Balkon anzubauen. Diese hängende Kletterpflanze ist aber für ein Balkonkisterl ideal und hält dank ihrer Herkunft auch heiße Temperaturen aus. Und auch Obst hat Platz am Balkon: Brombeeren, Erd- beeren, Mini-Kiwi oder die Felsenbirne lassen sich je nach Platz hervorra- gend halten. Am besten sind dabei kletternde Pflanzen, die an einem Holzgerüst hochwachsen. Eines sollte man aber beachten: „Man muss be- denken, wie schwer manche Töpfe sind bzw. werden. Dasselbe gilt für Hochbeete am Balkon“, sagt die Gartenexpertin.

Warum aber bauen immer mehr Menschen ihr eigenes Gemüse und Obst an? Die Vorteile liegen auf der Hand: Ich habe die Pflanzen nah bei mir und kann frisch ernten. Diesen Frische-Effekt kann man nicht wett ma- chen“, sagt Margit Beneš-Oeller. Wer seine Pflanzen hegt und pflegt, der schätzt seine Ernte umso mehr. Und wird belohnt: Denn aus dem eigenen Garten schmeckt‘s am besten.


Daniela Rittmannsberger

erschienen in GESUND & LEBEN 04/2020