Feminine Food

(v.l.) Andrea Haselmayr, Verena Haselmayr

und Denise Rosenberger verfassten

gemeinsam ein Kochbuch mit Rezepten

rund um den weiblichen Zyklus.


FotoS: Lukas Lorenz, Istockphoto: Tatyana Yagudina, Volosina, Andrey Elkin, loortje

Vom Aufblühen zum Loslassen

Drei junge Niederösterreicherinnen zeigen, wie man Beschwerden rund um die Menstruation mit der richtigen Ernährung in den Griff bekommt.

Aufblühen. Voller Energie. Zur Ruhe kommen. Und loslassen. Frauen leben in einem Zyklus, den der Körper vorgibt. Jeden Monat durchlaufen sie verschiedene Phasen – energiegeladene Zeiten rund um den Eisprung wechseln sich ab mit Phasen, in denen der Wunsch nach Ruhe groß ist. Körper und Seele befinden sich gerade vor der Menstruation häufig in einem Ausnahmezustand. Egal, ob man gerade aufblüht oder loslässt – mit einer zyklusgerechten Ernährung kann man die eigene Mitte finden.


Steinige Wege

Eat like a woman. So heißt das Buch von Andrea Haselmayr, Denise Rosenberger und Verena Haselmayr. Die drei jungen Nieder- österreicherinnen lernen sich über gemeinsame Yogastunden kennen. Andrea ist Grafikdesignerin, Verena ist unter anderem als Kindergartenpädagogin und diplomierte Tanz- und Bewegungspädagogin tätig, Denise ist Yogalehrerin und Gründerin von „loveyoga“. Jede der drei Frauen hat ihre ganz eigene Leidensgeschichte rund um den Zyklus.

Andrea wird wegen eines Zwillingsgewächses im Alter von acht Jahren ein Eierstock entfernt. Ihre Menstruation bekommt die 32- Jährige erst mit 16 Jahren. Sie nimmt die Pille ein, lebt ein erfolgreiches Leben mit vollstem Einsatz – bis sie einen Borderline-Tu-

mor am noch vorhandenen Eierstock bekommt. Darauf- hin geht die Frau einen anderen Weg: Sie verzichtet vor- erst auf eine OP und findet in den Bergen zu sich selbst. Dort setzt sie sich mit dem Frausein auseinander und stellt ihre Ernährung um. Das Ergebnis: Der Tumor wird viel kleiner und kann leicht entfernt werden, der Eier- stock bleibt drinnen. Und Andrea bringt bald darauf ihre Tochter zur Welt. Auch für Denise ist der Weg zur Weib- lichkeit ein schmerzvoller: Von Anfang an begleiten ver- schiedene Beschwerden ihre Menstruation. Später er- krankt sie an der Post-Pill-Amenorrhoe – viele kleine Zys- ten umhüllen dabei die Eierstöcke. Die Yogalehrerin nimmt Mönchspfeffer ein, der dazu beiträgt, dass die Zysten verschwinden. Denise ist fasziniert von der Kraft der Natur und setzt sich mit Kräutern auseinander. Heute erlebt sie ihren Zyklus beschwerdefrei. Verena hingegen bekommt ihre Periode mit 16 Jahren erst mithilfe der Pil- le. Sieben Jahre später setzt sie sie ab und erhält wegen der erneut fehlenden Menstruation die Diagnose Un- fruchtbarkeit. Daraufhin setzt sich die Pädagogin mehr denn je mit ihrem Körper auseinander. Und bringt wenig später ihr Kind zur Welt. Nach einem Gespräch über das Frausein kommt Andrea die Idee, ein gemeinsames Kochbuch zu schreiben. Als sie dann um vier Uhr Früh bei Denise anruft, springt diese aufgeregt aus dem Bett und notiert sofort Ideen und Rezepte. Die drei Frauen er- gänzen sich nicht nur hervorragend, sondern bringen durch ihre Mütter und Großmütter ein großes Wissen rund um Kräuter mit. „Egal, was man dem Körper zu- führt: Es beeinflusst ihn. Um in Verbindung mit seinem Zyklus zu leben, sollte man sich achtsam ernähren. Die Ernährung kann Beschwerden rund um den Zyklus lin- dern und uns in Verbindung mit dem Frausein bringen“, sagt Denise Rosenberger. Im Buch teilen die Autorinnen den Zyklus in zwei Hälften auf: Die „Zeit des Aufblühens“ findet vom letzten Tag der Menstruation bis inklusive Ei- sprung statt. In dieser Zeit fühlen sich viele Frauen

voller Energie und Tatendrang. Je näher es zum Ei- sprung geht, umso mehr steigt die sexuelle Lust. Dass

der eigene Zyklus nicht in Balance ist, merken Frauen in dieser Phase an Migräne, einer eingeschränkten Libido oder Antriebslo- sigkeit. Eine vitamin-, enzym- und eiweißreiche Ernährung wirkt diesen Beschwerden entgegen (siehe Infokasten links).

Nach dem Eisprung beginnt die Zeit des Loslassens. Viele Frauen haben dann das Bedürfnis, sich zurückzuziehen. Seele und Körper befinden sich dabei oft in einem Ausnahmezustand: Heißhungerattacken, Wassereinlagerungen, spannende Brüste und unreine Haut. Die Stimmung schwankt, man ist reizbar oder betrübt. Wer in dieser Zeit auf seine Ernährung achtet, kann die „Tage vor den Tagen“ aber angenehmer gestalten.


Kräuter für die Frau

Eine besondere Bedeutung messen die drei Autorinnen Kräutern zu. Diese wirken sowohl bei psychischen als auch bei körperli- chen Beschwerden. Aus diesem Grund haben sie die „13 Top-Frauenkräuter“ gekürt. Dazu gehört unter anderem der Frauenman- tel, ein wahrer Alleskönner im Bezug auf den Zyklus der Frau. Er umhülle und beschütze die Frau, sagt Denise Rosenberger. Jo- hanniskraut – beispielsweise als Tee getrunken – ist stimmungsaufhellend. Zu sich nehmen sollte man dieses Kraut allerdings nur dann, wenn man nicht hormonell verhütet, da sonst möglicherweise Wechselwirkungen auftreten. Wie schnell sich die zyklusge-

rechte Ernährung tatsächlich auf etwaige Beschwerden auswirkt, ist unterschiedlich: „Ich glaube, es ist von Frau zu Frau verschieden, wie schnell man eine Veränderung be- merkt“, sagt Denise Rosenberger.


Sinnliche Weiblichkeit

Denn nicht nur die Ernährung beeinflusst den Zyklus – son- dern auch Stress spielt eine große Rolle. Die vielen ver- schiedenen Rollenbilder, denen Frauen oft gerecht werden wollen, stressen. Und auch hormonelle Verhütungsmittel spielen einem ausgeglichenen Zyklus nicht in die Karten, sagt die Autorin. Wie findet man aber zurück zu seiner Weiblichkeit und kann diese ausleben? „Das Schönste ist, wenn sich eine Frau wohlfühlt in ihrem Körper, gut bei sich sein und Grenzen abstecken kann. Und wenn sie Sinnlich- keit und Freude in verschiedenen Bereichen findet“, sagt Denise. Frauen haben ein großes Schöpferpotenzial. Diese Kreativität auszuleben in Form von Malen, Tanzen, Singen oder eben Kochen bringt einen zurück zur eigenen Weib- lichkeit. Auch mit dem Körper in Kontakt zu kommen wirke sich positiv auf den Zyklus aus. Das kann beispielsweise durch eine Selbstmassage mit ätherischem Öl gelingen. Und auch Yoga sei eine wunderbare Möglichkeit, sich als Frau zu erleben. Frausein mit Genuss: Lassen Sie sich in- spirieren und seien Sie achtsam mit sich selbst.


Daniela Rittmannsberger

erschienen in GESUND & LEBEN 04/2021