KUREN & REHABILITATION IN NÖ - SCHMERZTHERAPIE

Maßgeschneidert

Bei der Rehabilitation von Patienten mit chronischen Schmerzen kommen mod- ernste Diagnostik und Therapien zum Einsatz.

Ein neues Schmerz-Rehabilitations-Netz bietet individuelle Schmerztherapie für Betroffene.

FOTOS: zvg

Schmerzen kennen wir alle, für viele sind sie ständiger Be- gleiter. In Österreich gibt es eineinhalb Millionen chronische Schmerzpatientinnen und -patienten. Sie leiden unter Schmerzen, die über die erwartete normale Heilungszeit hin- aus weiter bestehen – definitionsgemäß länger als zwölf Wo- chen oder immer wiederkehrend.

„Die chronische Schmerzkrankheit entsteht, wenn der Schmerz seine eigentliche Funktion als Warnsignal verloren

hat und sich zu einem eigenständigen Krankheitsbild entwickelt. Für diese Chronifizie- rung gibt es verschiedene Ursachen. Häufig liegt der Grund aber darin, dass Schmer- zen über längere Zeit unbehandelt bleiben oder ungenügend behandelt werden“, sagt Prim. Dr. Nikolaus Steinhoff, Ärztlicher Direktor von OptimaMed und dem neurologischen Rehabilitationszentrum Kittsee. „Was daraus für viele Betroffene resultiert, ist anhalten- des körperliches Leid, das mit einer Verschlechterung der Lebensqualität und sozialem Rückzug verbunden ist.“ Daher leiden Schmerzpatienten häufig auch unter psychischen Problemen, und schnell kann daraus ein Teufelskreis entstehen: Schmerz und psychi- sche Probleme verstärken sich dann gegenseitig. Das wiederum hat auch gesellschaftli- che Konsequenzen: Chronische Schmerzpatienten nehmen deutlich mehr Kranken- standstage in Anspruch und sind weitaus häufiger mit – langandauernder – Arbeitslosig- keit oder sogar Berufsunfähigkeit konfrontiert.


Einzigartiges Angebot

Primarius Steinhoff weiß, dass es in Österreich eine große Zahl an schmerzbehandeln- den Zentren gibt, doch sind diese nicht vernetzt und die einzelnen Schmerzexperten ko- operieren kaum miteinander. Gerade das aber würde vielen Schmerzpatienten zugute kommen. Aus diesem Grund hat der erfahrene Neurologe ein integriertes Schmerz-Re- habilitations-Netz ins Leben gerufen. Dabei arbeiten das neurologische Reha-Zentrum Kittsee, das psychiatrische Reha-Zentrum Wildbad, die orthopädischen Reha-Zentren Raxblick und Perchtoldsdorf sowie die beiden Stoffwechsel-Reha-Zentren Hallein und Bad Wimsbach fächerübergreifend zusammen. Später soll das Netzwerk durch das Ge- sundheitsresort Salzerbad ergänzt werden. Das Besondere an diesem österreichweit einzigartigen Projekt ist, dass die einzelnen Zentren durch eine zentrale Stelle koordiniert werden und dass regelmäßig Kooperationen in Form von strategischen Treffen und tele- medizinischen Konsultationen stattfinden. So ist gewährleistet, dass jede Schmerzpati- entin, jeder Schmerzpatient die optimale Behandlung erfährt.


Schmerzfrei

„Unser Ziel ist, dass Patienten so weit wie möglich schmerzfrei werden, sich die Lebens- qualität nachhaltig verbessert und sie sich wieder in das Alltags- und Berufsleben ein- gliedern“, sagt Steinhoff. Auch für Patienten, deren Akutschmerz in einen chronischen Schmerz übergegangen ist, sei eine adäquate Therapie von großer Bedeutung. Akutschmerz begleitet viele Verletzungen und Krankheitsprozesse und hebt sich durch seine zeitliche Begrenzung deutlich vom chronischen Schmerz ab.  „Wir sehen das Re- habilitationszentrum als idealen Ort für die Schmerztherapie, da wir hier die Kombination von medizinischen Maßnahmen, Aktivtherapien, physikalischen Anwendungen und psy- chologischer Betreuung anbieten können“, sagt Steinhoff. Die OptimaMed Klinik für inte- grierte Schmerzrehabilitation ermöglicht einen ganzheitlichen Zugang zum Thema Schmerz und hat das nötige spezielle Angebot. „Mit der integrierten Schmerzrehabilitati- on steht den chronischen Schmerzpatienten eine durchgehend organisierte Einrichtung zur Verfügung, die eine Rehabilitation für die verschiedenen chronischen Schmerzsyn- drome anbieten kann“, sagt der Experte.


Schmerzarten

Die häufigsten chronischen Schmerzen betreffen Rückenleiden, an zweiter Stelle stehen Kopfschmerzen. Der ebenfalls immer häufiger empfundene Nervenschmerz (neuropathi- scher Schmerz) wird durch Erkrankungen ausgelöst, die das schmerzleitende Nerven- system schädigen. Auch Nervenverletzungen durch Unfälle oder Operationen führen oft zu chronischen Nervenschmerzen. Schließlich gibt es auch noch sogenannte psychoge- ne Schmerzen, bei denen keine organische Ursache zugrunde liegt. Dahinter stehen oft psychische Konflikte, die nicht bewältigt werden können. Auslöser für die Entwicklung eines psychogenen Schmerzsyndroms können etwa Alltagsstress, Ängste und Depres- sionen sein. Fest steht, die Betroffenen bilden sich die Schmerzen nicht ein, sondern er- leben sie in voller Stärke.

Bei allen Schmerzformen kann es dazu kommen, dass sie sich bei längerem Bestehen im Gedächtnis verankern. Das sogenannte Schmerzgedächtnis ist ein komplexer, an- dauernder und häufig nicht eindeutig definierbarer Prozess. Am Anfang stehen oft star- ke, akute Schmerzreize, die bei unzureichender Behandlung Spuren im Nervensystem hinterlassen können, und zwar sowohl im Rückenmark als auch im Gehirn.

Damit es nicht so weit kommt und auch bereits unter chronischem Schmerz leidende Pa- tienten eine optimale Versorgung erfahren, gibt es mit dem integrierten Schmerz-Rehabi- litations-Netz jetzt ein Angebot.


Gabriele Vasak

Prim. Dr. Nikolaus Steinhoff, Ärztli- cher Direktor von OptimaMed und dem neurologischen Rehabilitati- onszentrum Kittsee

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 05/2019