WASSER

FotoS: wilke, istockphoto: Ghislain & Marie David de Lossy, wrzesientomek


In meinem Element

Wasser tut uns in vielen Erscheinungsformen gut. GESUND & LEBEN mit einer Ode an jenes Element, das gerade im Som- mer eine ganz besondere Rolle in unserem Leben einnimmt.

Wir Menschen fühlen uns von Wasser angezogen. Es bedeckt unsere Erde zu 70 Prozent und ist auch der größte Bestandteil des menschlichen Körpers. „Säuglinge bestehen aus bis zu 75 Prozent aus Wasser, Er- wachsene besitzen einen Wasseranteil zwischen 50 und 60 Prozent, im höheren Alter sinkt dieser dann auf rund 45 Prozent“, erklärt Dr. Marlies Gruber, Ernährungswissenschafterin und Geschäftsführerin des Vereins „forum. ernährung heute“. „All unsere Organe und Zellen benötigen Wasser für wichtige Stoffwechselpro- zesse und als Transportmittel, das Sauerstoff, Nährstoffe, Hormone, Botenstoffe und vieles mehr im Orga- nismus von A nach B bringt. Nehmen wir zu wenig Flüssigkeit zu uns, kommt der gesamte Prozess ins Sto- cken und das macht sich sehr schnell bemerkbar“, sagt die Expertin. Ein trockener Mund und erstes Durst- gefühl sind die Alarmzeichen dafür. In weiterer Folge macht sich Wassermangel durch verschiedene Sym- ptome wie Kopfschmerzen, Müdigkeit, Konzentrationsstörungen oder Schwindelgefühle bemerkbar. Neben Durst ist auch die Farbe und Menge des Harns ein wichtiger Indikator dafür, ob der Körper über genügend Wasser verfügt. Ist dieser dunkelgelb und wird beim Gang zur Toilette nur eine geringe Menge ausgeschie- den, gilt: trinken! Grundsätzlich ist eine Mindestmenge von eineinhalb bis zwei Liter Flüssigkeit pro Tag empfehlenswert, bei Hitze für Erwachsene eher drei Liter.


Kühles & warmes Nass

Wasser ist in vielerlei anderer Hinsicht für unser physisches und psychisches Wohlbefinden wichtig. So zählt Schwimmen zu den gesündesten Sportarten überhaupt. Um sich gegen den Widerstand des Wassers zu bewegen, wird eine Vielzahl von Muskelgruppen beansprucht und gleichzeitig der Herzmuskel scho- nend trainiert, während durch die Bewegung der Beine die Durchblutung angeregt wird. Auch warmes Wasser hat in Form von Thermal- oder Heilquellen einen gesundheitsfördernden Einfluss. Mit mindestens 20 Grad muss Thermalwasser aus der Quelle sprudeln, um diesen Namen tragen zu dürfen. Enthält es zu- sätzliche Inhaltsstoffe, die es auf seinem Weg aus dem Inneren der Erde aus verschiedenen Gesteins- schichten aufgenommen hat, wird es zum Heilwasser, das Mineralstoffe und Spurenelemente wie Calcium, Natrium, Jod oder Magnesium enthält und so auch bei der Behandlung von zahlreichen Krankheiten helfen kann. Ein Bad in salzhaltiger Sole wird beispielsweise bei Atemwegserkrankungen angewendet, Schwefel lindert rheumatische Beschwerden und verschiedene Hauterkrankungen und auch radonhaltiges Wasser hilft bei entzündlichem und degenerativem Rheumatismus und diversen Autoimmunerkrankungen. Neben

Bädern wirkt Heilwasser auch in Form von Trinkkuren, Wickeln oder Inhalation. Sebastian Kneipp, der vor über 170 Jahren die Kneippmedizin ins Leben rief, schwor auf den Wechsel der Wassertemperaturen – in Form von storchartigem Wasser- treten durch kniehohes kaltes Wasser, heiß-kalte Wechselgüs- se oder Waschungen.


Meer- & Seegenuss

Im Sommer nimmt Wasser eine besondere Rolle in unserem Leben ein. Seit jeher empfinden wir das Meer allein wegen seiner Weite und unvorstellbaren Größe als Ort der Ruhe und Entspannung. Zusätzlich macht ein Aufenthalt am Meer nicht nur glücklich, sondern auch gesund: Das Meersalz, das sich auf unsere Haut legt, mildert Neurodermitis und hemmt Ent- zündungen, die Seeluft wirkt sich positiv auf den Atemapparat aus, gesellt sich Sonne dazu, fördert sie die Bildung von Vit- amin D, einem zusätzlichen Booster für unser Immunsystem. Doch warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute so nah liegt? Österreich besitzt zwar keine Meeresküste, dafür aber zahlreiche wunderschöne Seen. Das Projekt „Seen-Wellness“ der Universität Klagenfurt untersuchte die gesundheitlichen Auswirkungen eines dreiwöchigen Seeaufenthaltes. Die Er- gebnisse belegten, dass bereits nach einer Woche positive Erholungseffekte erkennbar waren: So sank die Herzrate der Studienteilnehmer, während der Vagustonus – die Aktivität un- seres Ruhenervs – und die Schlafqualität stiegen. Während des Aufenthalts verbesserten sich auch bestehende körperli-

che und psychische Beschwerden deutlich – und über die Urlaubsdauer hinaus. Neben wunderschönen Badeseen mit höch- ster Wasserqualität kann Österreich aber auch mit weiteren magischen Wasserorten aufwarten, deren Besuch sich gerade in diesem Sommer mit seinen Corona-bedingten Reiseeinschränkungen anbietet. So können Sie zum Beispiel dem Ursprung der historischen Wiener Trinkwasserversorgung auf die Spur gehen. Im Wasserleitungsmuseum Kaiserbrunn in Reichenau an der Rax können Sie den Weg des kostbaren Nasses von den Quellen im Schneeberggebiet bis zum Wasserhahn nachverfolgen.


Victoria Reichmann

erschienen in GESUND & LEBEN 07+08/2020