SPORT

Erik Wöll arbeitet „mit Händen und Füßen daran, die Kinder auf den Schnee zu bringen und sie für den Wintersport zu begeistern“.

Snowboard-Weltcup Lackenhof am Ötscher

-5. Jänner 2020: Damen & Herren Parallelriesenslalom, ab 09:00 Uhr Qualifikationsläufe, ab 12:30 Uhr Hauptbewerb

-6. Jänner 2020: Teambewerb Parallelriesenslalom. Start: 12:30 Uhr Programmänderungen vorbehalten!

Informationen: www.snowboardweltcup.at

In seiner Freizeit liebt es Erik Wöll mit seinem Snowboard im Tiefschnee zu surfen.Das Erlebnis in der wunderschönen Natur steht für

ihn im Vordergrund.

FotoS: Georg Furtmüller,  fotolois.com/alois spandl

Surfen am Schnee

Ganz Österreich schaut in Sachen Snowboard auf Niederösterreich, wo sich Snowboard-Pionier Erik Wöll aus St. Pölten um den Nachwuchs kümmert: Er schafft die Basis für Erfolge wie jene von Benjamin Karl, Katharina Neussner oder Jakob Dusek.

Der Wintersport hat es derzeit alles andere als leicht: Der Klimawandel setzt den Skigebieten ordentlich zu. Ohne Beschneiung ist an einen geregelten Betrieb nicht mehr zu denken. Aber auch die Selbstverständlichkeit, im Winter regelmäßig auf die Piste zu gehen, schmilzt dahin: Immer mehr Menschen wollen oder können sich das Skivergnügen nicht mehr leisten, der Nachwuchs bleibt aus. Durch die Abschaffung der verpflichtenden Schulskikurse vor rund 20 Jahren geht die Zahl der Neueinsteiger kontinuierlich zurück.


Vom Wasser in den Schnee

Ein Problem, das auch Niederösterreichs Snowboard-Pionier Erik Wöll beschäftigt: „Wir arbeiten mit Händen und Füßen daran, die Kinder auf den Schnee zu bringen. Es wird immer schwieriger und es kostet sehr viel Energie!“ Der St. Pöltner hat vor 35 Jahren die Liebe zum Snowboarden entdeckt: „Als begeisterter Windsurfer war ich 1984 auf der Suche nach einer Alternative im Winter. Durch eine Anleitung in einem Surfmagazin bauten wir dann unsere eigenen Boards und surften am Schnee.“ Bald folgen die ersten Bewer- be. Am Hohenberger Gschwendt findet 1987 die erste Snowboard-Veranstaltung Niederösterreichs statt, wo neben einem Slalombe- werb auch der erste Halfpipe-Bewerb Europas über die Bühne geht.


Schuldienst statt Profi-Karriere

Nach den ersten Weltcupbewerben und als zweifacher Vizestaatsmeister beendet Erik Wöll früh seine sportliche Laufbahn. Er wählt den sicheren Weg und steigt 1988 als Lehrer in den Schuldienst ein. Ab diesem Zeitpunkt gilt sein Augenmerk voll und ganz dem Nachwuchs. Der St. Pöltner trainiert mit seinem Verein Union Trendsport Weichberger die Snowboarderinnen und -boarder von mor- gen. Die erfolgreiche Arbeit trägt große Früchte. „Das ganze Land schaut bei Snowboard-Talenten auf Niederösterreich, denn bei uns funktioniert die Nachwuchsarbeit sehr gut. Die Basis dafür sind die zahlreichen Kooperationen mit Schulen, dem Sportland NÖ, der Sportunion NÖ und dem Landesskiverband. Mit 350 Teilnehmenden bei Snowboard-Schulmeisterschaften sind wir absoluter Spitzen- reiter in Österreich“, freut sich Erik Wöll.


Talenteschmiede

Als erfolgreichster österreichischer Snowboardverein hat die Union Trendsport Weichberger viele tolle Athletinnen und Athleten in sei- nen Reihen. Der Bekannteste unter ihnen ist Benjamin Karl. Der 34-Jährige ist vierfacher Weltmeister und dreifacher Gesamtweltcup- sieger, einzig der Titel als Olympiasieger ist dem gebürtigen Wilhelmsburger bisher verwehrt geblieben. Seit dem letzten Winter dür- fen sich mit Katharina Neussner und Jakob Dusek auch zwei St. Pöltner Snowboard-Crosser Europacup-Siegerin und -Sieger nen- nen. Wie wichtig Vorbilder für Kinder sind, weiß Erik Wöll: „Typen wie Benjamin Karl sind große Idole für sie. Sie schauen ganz genau, was Benny macht oder welches Brett er fährt.“


Basis für den Leistungssport

Grundlage für eine erfolgreiche Karriere ist eine gute sportliche Ausbildung. Die „Michaela Dorfmeister Mittelschule Lilienfeld“ (MD Mittelschule) bietet als Schwerpunktschule die perfekten Rahmenbedingungen, um sich auf die Anforderungen eines späteren Leis- tungstrainings vorzubereiten.

Seit sieben Jahren gibt es hier auch eine eigene Sparte Snowboard, die von Erik Wöll geleitet wird: „Unser Ziel ist, die Schülerinnen und Schüler bestmöglich aufzubauen und ihnen eine gute Basis für ihre sportliche Laufbahn mitzugeben.“ Das ist oft mit großen Her- ausforderungen verbunden, die der Trainer nur allzu gut kennt: „Grundmotorische Fertigkeiten sind teilweise nicht mehr vorhanden, sprich wir müssen mit einfachen Grundlagen wie beispielsweise der Rolle vorwärts beginnen. Leichtathletik, Geräteturnen und Schwimmen sind meiner Meinung nach Grundvoraussetzungen für den Leistungssport. Nach vier Jahren bei uns können wir sie aber mit gutem Gewissen und bestens vorbereitet in weiterführende Schwerpunktschulen wie beispielsweise nach Schladming entlassen.“


Auf den Schnee bringen

Immer schwieriger wird es, Kinder für den Wintersport zu begeistern. Deshalb bietet das Sportland NÖ die Aktion „Skikids“ an: An- fänger absolvieren einen zweitägigen Einsteigerkurs für Ski und Snowboard und bekommen eine Saisonkarte für das jeweilige Skige- biet kostenlos dazu. Anschließend lädt die Sportunion NÖ alle Teilnehmenden zu einem weiteren kostenlosen dreitägigen Snow- board-Schnupperkurs ein. „Mit diesen Aktionen und Kursen versuchen wir Kinder für weitere Trainings zu begeistern“, sagt Erik Wöll. Ab Jänner 2020 findet in Annaberg jeden Mittwoch von 14:00 bis 16:00 Uhr das Gebietstraining für interessierte junge Boarderinnen und Boarder statt. Das Skigebiet Annaberg entwickelt sich immer mehr zum Snowboard-Mekka Niederösterreichs. Die neue Snow- boardcross-Strecke lockt für Trainings, zahlreiche Rennen und Veranstaltungen wie Landes- oder Schulmeisterschaften.


Snowboard-Weltcup am Ötscher

Eine ganz besondere Veranstaltung findet Anfang des neuen Jahres in Lackenhof am Ötscher statt: Am 5. und 6. Jänner 2020 sind die besten Athletinnen und Athleten beim Snowboard-Weltcup in den Ybbstaler Alpen zu Gast. Mit dabei auch Lokalmatador Benjamin Karl, der von zahlreichen Fans lautstark angefeuert und im besten Fall zum Sieg gepeitscht wird. Die mediale Präsenz eines solchen Events ist für den Snowboardsport enorm wichtig. „Wenn dann noch eigene Leute wie Ben- ny Karl beim Heimrennen mitfahren, löst das immer ganz besondere Emo- tionen aus. Mit Miriam Weiss und Dominik Burgstaller haben wir zwei große niederösterreichische Nachwuchshoffnungen, die künftig auch in die Fußstapfen von Benny treten können“, freut sich Erik Wöll auf den Weltcup am Ötscher.


Einstieg leicht gemacht

Erik Wöll ist auch nach all den Jahren immer noch vom Snowboarden fasziniert: „Ich liebe dieses Naturerlebnis und das Surfen am Schnee – dieses Feeling am Brett ist einzigartig. Privat bin ich meist mit meinem Split-Board unterwegs und genieße das Freeriden und Boarden im Tief- schnee.“ Um mit dem Snowboarden zu beginnen, sei es nie zu spät. Es sei zudem einfacher zu erlernen, als viele glauben, ist Wöll überzeugt. „Ich empfehle den Einstieg in einer Snowboardschule direkt in den Skige- bieten. Beim Snowboard reichen bereits relativ geringe Kenntnisse aus, um im Tiefschnee fahren zu können. Mit dem Brett ist dies um einiges le- ichter als auf Skiern“, so der Tipp vom Profi.


Werner Schrittwieser




Union Trendsport

Weichberger

erfolgreichster Snowboard-Club Österreichs,

rund 140 Mitglieder

Informationen: Erik Wöll,

Tel.: 0664/3128660,

www.uniontrendsport.at

Erik Wöll

Geboren: 29. Juni 1965

Wohnort: St. Pölten

Verein: Sportunion

Trendsport Weichberger

Hobbys: Sport & Reisen

Tätigkeiten:

Sportkoordinator der

Sportmittelschule St. Pölten (sportnmsst- poelten.ac.at), Leiter der Trainingsgruppe Snowboard an der MD Snowboard, Ski, Langlauf & Golf in Lilienfeld (nmslilien- feld.ac.at/md), Lehrbeauftragter der PHNÖ und der Sportakademie Wien (Diplomsportlehrer-Ausbildung), Obmann der Sportunion Trendsport Weichberger, Snowboard-Schulreferent NÖ, Snow- board-Ref.-Stv. bei Snowboard NÖ, Lan- desfachwart Snowboard Sportunion NÖ, Bundesfachwart Snowboard Sportunion

erschienen in GESUND & LEBEN 12/2019