AUGE

Foto: adobe stock/ Sergey Pristyazhnyuk

Meisterwerk

Das Sehen ist unser wichtigster Sinn – und der Sehvorgang sehr komplex.

Das Auge ist ein Präzisionsinstrument. Doch wie funktioniert Sehen? Lichtstrahlen, die ins Auge fallen, regen lichtempfindli- che Rezeptoren und dadurch Nerven an, Signale ans Gehirn zu senden. Ins Auge gelangen die Lichtstrahlen durch die Pu- pille und die Linse. Letztere bündelt die Lichtstrahlen, und es kommt zu einem klaren Abbild der Umgebung auf der Netz- haut an der Rückwand des Auges. Die Netzhaut, eine Schicht überaus feiner lichtempfindlicher Rezeptoren und dünner Nervenzellen, leitet den Lichteindruck ins Gehirn weiter. Photorezeptoren reagieren nun auf das Licht und schicken Signale über die dünnen Nervenfasern zum Sehnerv, der von der Rückwand des Auges ins Gehirn führt. Dort empfangen und verar- beiten bestimmte Teile des Gehirns die Signale. Schließlich empfinden („sehen“) wir das Bild vor unserem Auge.


Was das Bild scharf macht

Hinter der Pupille liegt die Linse. Von ihr verlaufen feine Muskelfasern zu der festen, äußeren Haut des Augapfels, die die Di- cke der Linse verändern können. Das ist notwendig, damit sowohl von nahe gelegenen als auch von weiter entfernten Ge- genständen ein scharfes Bild auf der Netzhaut entsteht. Die Nervenzellen der Netzhaut sind so etwas wie ein kleiner Com- puter, der das Bild verbessert – den Bildkontrast optimiert, die Farben leuchtender macht und Bewegungen im Bild deutli- cher darstellt. Ober- und Unterlider schützen die Augen. Im Oberlid sitzt eine kleine Drüse, aus der die Tränen kommen. Sie halten die Augen feucht und sauber: 20 Mal pro Minute blinzeln wir, dadurch werden Staubteilchen von den Augen abgehal- ten und die Tränenflüssigkeit ständig über die Augenoberfläche verteilt.


Kontrolle wichtig

Augenerkrankungen sind auf dem Vormarsch: Fast 45 Prozent der Bevölkerung sind von Sehstörungen betroffen. Sehzellen und Sehnervenfasern, die einmal abgestorben sind, können nicht mehr repariert werden, der Sehverlust bleibt für immer. Gerade bedrohliche Augenerkrankungen verursachen häufig keine Schmerzen oder Auffälligkeiten, aber: Wenn man eine Sehverschlechterung bemerkt, ist es für ein effizientes Eingreifen oft schon zu spät!

Regelmäßige Kontrolluntersuchungen sind daher ein Muss, denn die Medizin ist heute in Diagnostik und Therapie so weit, dass  vieles „repariert“ oder zumindest entscheidend gebessert werden kann. Wie zum Beispiel die feuchte Makuladegene- ration, die vor rund 30 Jahren noch als nicht behandelbar galt. Oder die Volkskrankheit Grauer Star (Katarakt), die durch den Ersatz der natürlichen Linse durch eine Kunstlinse behandelt wird. Auch gegen den Grünen Star (Glaukom) gibt es The- rapien, ebenso gegen die Diabetische Retinopathie, die als Folgeerkrankung von Diabetes mellitus gilt. Regelmäßige jährli- che Kontrollen beim Augenfacharzt sind ab dem 40. Lebensjahr nötig, davor sollte man alle zwei bis drei Jahre eine Unter- suchung durchführen lassen, damit gefährliche Augenerkrankungen rechtzeitig behandelt werden können.

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 05/2019