Allergene

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Unliebsame Mitbewohner

Tierhaare, Hausstaubmilben, Schimmelpilze:

In unserem Zuhause fühlen sich auch zahlreiche Allergene pudelwohl.

Seit Ausbruch der Corona-Pandemie verbringen wir mehr Zeit als gewöhnlich in den eigenen vier Wänden. Dort haben wir es uns besonders gemütlich eingerichtet: Pölster, flauschige Teppiche, Vorhänge, Topfpflanzen und natürlich bestens isolierte Fenster und Türen. Was uns dabei oftmals nicht bewusst ist: Nicht nur wir Menschen fühlen uns in solch einer Umgebung pu- delwohl, auch für zahlreiche Allergene stellt sie eine ideale Lebensbedingung dar. „Die drei weitverbreitetsten Innenraum-All- ergene sind Tierhaare, Hausstaubmilben und Schimmelpilze“, erklärt Dr. Daniel Blagojevic, Ärztlicher Leiter des Allergieam- bulatoriums Rennweg in Wien. „Wie alle anderen Allergien auch können Innenraum-Allergien aufgrund der ständigen Entzün- dung der Schleimhäute chronische gesundheitliche Schäden verursachen. Bleiben sie unbehandelt, kann es zu einem soge- nannten ‚Etagenwechsel‘ kommen: Bei einem Drittel schlägt sich die Allergie auf die Lunge und es kann Asthma bronchiale entstehen.“


Hausstaubmilben

Die häufigsten Innenraum-Allergene sind die Hausstaubmilben. Sie gehören zur Gattung der Spinnentiere, sind mit einer Größe von 0,1 bis 0,5 Millimeter mit freiem Auge nicht zu erken- nen – und keine Frage der Hygiene, betont Bla- gojevic: „Man kann noch so reinlich sein: Haus- staubmilben wird man nie gänzlich eliminieren können.“ Sie ernähren sich allen voran von menschlichen und tierischen Hautschuppen, aber auch von Schimmelpilzen. Am wohlsten fühlen sie sich in Stoffmöbeln, Pölstern, Stofftie- ren, Bettwäsche und vor allem Matratzen. „Die allergischen Beschwerden werden durch Ei- weißstoffe im Kot sowie im Milbenpanzer aus- gelöst“, erläutert Blagojevic. „Vor allem in der Nacht atmen wir tausende solcher Stoffe ein.“ Eine am Morgen verstopfte Nase ist ein typi- sches Anzeichen einer Hausstaubmilben-Aller- gie, aber auch Nebenhöhlenbeschwerden und Husten sowie Hautausschlag sind möglich.


Tierhaare

Auch andere tierische Mitbewohner können zur Qual werden: „Die Tierhaar-Allergie ruft allen voran Bindehautentzündungen, Nasenfluss, Hautausschläge und Asthma-ähnliche Be- schwerden hervor“, erklärt der Facharzt. Die

wichtigsten allergieauslösenden Haustiere sind (in absteigender Reihenfolge): Katze, Hund, Pferd und Meerschweinchen. Streng genommen, gibt Blagojevic zu bedenken, ist die Tier- haar-Allergie eigentlich eine Überempfindlichkeitsreaktion gegenüber tierischen Eiweißen, die nicht nur auf Tierhaaren, sondern auch im Speichel, Hautschuppen und Urin des Tieres zu finden sind. „Die Übertragung erfolgt durch direkten Kontakt mit dem Tier oder durch Ein- atmen der Tierhaare oder der Hautschuppen.“


Schimmelpilze

Schimmelpilze sind mikroskopisch kleine Organismen, die sich durch Sporen vermehren. „Atmen wir diese Sporen ein, ist das für den menschlichen Organismus ungesund und be- sonders die Schleimhäute reagieren irritiert – auch dann, wenn man keine Schimmelpilz-All- ergie hat“, betont Blagojevic. „Ist man aber Allergikerin oder Allergiker, sind die Symptome noch stärker ausgeprägt.“ Schimmelpilze treten am häufigsten in feuchten, dunklen Berei- chen auf, prädestiniert sind vor allem Badezimmer, Küche und Keller, aber auch Holzverklei- dungen und Tapeten oder Räume mit Klimaanlage sowie Topfpflanzen. Auch verdorbene Le- bensmittel können betroffen sein, weshalb bei Unachtsamkeit Schimmelpilze auch mit dem Essen in unseren Körper gelangen können. „Bei kleinen Mengen ist das in der Regel unbe- denklich“, beruhigt der Arzt. Atmen wir die Sporen ein, können sie Entzündungen der Nasen- und Lungenschleimhaut hervorrufen.


Diagnoseverfahren

Bei Verdacht auf eine Allergie wendet man sich am besten an eine allergologisch geschulte Fachärztin oder einen Facharzt für Haut, HNO, Lunge, Kinder- und Jugendheilkunde. Oder an ein Allergie-Ambulatorium oder eine Allergie-Ambulanz. Die wichtigste Säule im Diagno- severfahren, betont Blagojevic, ist ein ausführliches Anamnesegespräch. Um die Diagnose zu bestätigen, gibt es mehrere Wege: Im Rahmen eines Bluttests werden IGE-Antikörper be- stimmt. Mittels der modernen Allergie-Komponenten-Diagnostik ist es möglich, nur die Haupt-Eiweiße herauszufiltern. Eine weitere Möglichkeit ist der sogenannte Pricktest: „Hier tropft man verschiedene Allergene in löslicher Form auf die Haut auf, in die man danach ei- nen klitzekleinen Ritz macht. Nach einer gewissen Zeit sieht man eine positive Reaktion – oder auch nicht.“ Wichtig ist, betont Blagojevic, dass „ein positiver Test nicht zwingend be- deutet, dass tatsächlich eine Allergie vorliegt. Deshalb müssen die Tests immer im Zusam- menhang mit der Vorgeschichte der Patientin, des Patienten gesehen werden.“


So wird behandelt!

Entscheidend ist, Allergien frühzeitig zu therapieren. Am wichtigsten ist das Vermeiden der Allergieauslöser. Menschen, de- ren allergische Beschwerden den Alltag nicht allzu stark beeinflussen, werden symptomatisch mittels Antihistaminika- und Kortisontropfen oder -sprays behandelt. Ist es notwendig, die Ursache und nicht bloß die Symptome zu bekämpfen, kommt eine allergenspezifische Immuntherapie („Allergie-Impfung“) zum Einsatz. „Hier soll das Immunsystem dahingehend trainiert werden, dass es die Allergene duldet und eine entsprechende Toleranz entwickelt.“ Dafür werden dem Körper über einen längeren Zeitraum kleine Mengen an Allergenen hinzugefügt – entweder in Form von Spritzen oder Schmelztabletten bezie- hungsweise Tropfen. Die Behandlungsdauer beträgt drei bis fünf Jahre. „Ziel ist es, eine möglichst lange Beschwerdefreiheit zu erreichen.“


Manuel Simbürger

erschienen in GESUND & LEBEN 06/2021