sodbrennen

Ein Braten und dazu Wein, danach ein paar Kekse –

plötzlich rebelliert

der Magen und

rächt sich mit Sodbrennen.

FotoS: zvg, istockphoto: champja, elenabs

Wenn es im Rachen brennt

Sodbrennen wird unter anderem von nicht gut verträglichen Speisen verursacht. Nämlich dann, wenn die Verdauung mit dem Abarbeiten von zu vielen sauren Köstlichkeiten überfordert ist. Wir sprechen hier nicht im Sinne von „sauer“, wie wir das von Sa- lat oder Essiggurken kennen, sondern von Nahrungsmitteln, die gemäß pH-Wert „sauer“ sind, wie etwa Fleisch, Wurst, Nudeln oder Butter. Im Gegensatz dazu stehen basische Lebensmittel, wie etwa Erdäpfel und andere Obst- und Gemüsesorten (siehe Grafik Seite 37).

Wenn also der köstliche Festtagsbraten oder die süßen Weihnachtskekse Beschwerden hervorrufen, liegt das daran, dass unse- re Magensäure ihre Aufgaben sehr ernst nimmt. Das ist nicht nur die Verdauung der Nahrung, sondern auch das Abtöten schäd- licher Keime. Der Magen ist vor sauren Nahrungsmitteln geschützt, nicht aber die Speiseröhre.

Sodbrennen oder Aufstoßen sind erste Symptome, wenn die Magensäure in die Spei- seröhre zurückläuft. Dr. Reingard Platzer, Oberärztin für Innere Medizin, Gastroenterolo- gie und Hepatologie am Landesklinikum Wiener Neustadt, erklärt: „Reflux-Beschwer- den können sich unterschiedlich zeigen: Sie reichen von Sodbrennen über saures Auf- stoßen, Rückfluss von Nahrungsinhalt in den Mund, Brennen der Mundschleimhaut bis hin zu einem Druckgefühl vor dem Brustbein bis Halskratzen, Heiserkeit oder Reizhus- ten.“ Auch Rauchen, fette und stark gewürzte Speisen können Sodbrennen auslösen, sagt Platzer: „Wichtig ist es, die Beschwerden abzuklären und eine Umstellung der Er- nährungsgewohnheiten ins Auge zu fassen.“


Therapie

Üblicherweise sind Magen und Speiseröhre streng getrennt: Die Speiseröhre verläuft durch eine Öffnung im Zwerchfell und wird nach dem Schlucken von einem Schließ- muskel abgedichtet. Ist diese Funktion beeinträchtigt, kann Magensäure in die Speise- röhre gelangen und diese schädigen. Langfristig kommt es zu Schleimhautveränderun- gen, Entzündungen beziehungsweise zu einer gastroösophagealen Refluxkrankheit. Jede und jeder Fünfte in unseren Breiten ist davon betroffen.

Am wichtigsten ist im ersten Schritt das Arzt-Patientengespräch. Zunächst wird geklärt, wo und wann die Beschwerden auftreten, ob es beim Schlafen Probleme gibt oder ob diese mit spätem oder üppigem Essen in Zusammenhang stehen könnten. Dann wer- den in erster Linie sogenannte Magenschoner verordnet. Diese Protonenpumpenhem- mer verringern die Bildung von Magensaft und sollten innerhalb von zwei bis acht Wo- chen eine Besserung bringen. In Kombination mit einer Umstellung der Ernährung bes- sern sich die Beschwerden durchwegs, sagt die Fachärztin. Doch Vorsicht beim Essen ist auch nach einer erfolgreichen Therapie angebracht: Häufige kleine Mahlzeiten sind besser verträglich als ein üppiges Mahl. Außerdem empfiehlt die Expertin, mit erhöh-

tem Oberkörper zu schlafen und keine zu enge und abschnürende Kleidung zu tragen. Besteht Übergewicht, wirkt sich eine Gewichtsreduktion auch auf Sodbrennen positiv aus. „Bewegung ist dabei eine wichtige Säule. Also besser einen Verdauungsspaziergang anstatt eines Mittagsschlafes machen“, rät Reingard Platzer.


Begleiterscheinungen

Eine andere medikamentöse Variante ist die Einnahme von H2-Rezeptorblockern. Sie blockieren die Histaminbindung im Magen und werden für etwa zwei bis sechs Wochen eingenommen. Bringt diese medikamentöse Behandlung keinen Er- folg, können die Symptome auf eine andere Erkrankung hindeuten, wie etwa der Speiseröhre. Begleiterscheinungen wie Darmblutungen, Erbrechen oder Gewichtsverlust in Kombination mit Reflux müssen unbedingt abgeklärt werden. Dafür werden Methoden wie die Endoskopie oder die pH-Metrie herangezogen. Mithilfe der Endoskopie – einer biegsamen Son- de mit einer Kamera an der Spitze – kann man das Innere der Speiseröhre bis zum Mageneingang sichtbar machen und auch Gewebeproben entnehmen. Die pH-Metrie misst den Säuregehalt der Speiseröhre. Dabei wird über die Nase ein dünner Schlauch eingeführt, der mit einem Messgerät verbunden ist, das über 24 Stunden den Säuregehalt misst und aufzeichnet.


Operation

„Wenn eine medikamentöse Therapie keinen Erfolg bringt, der Betroffene zum Beispiel nicht ausreichend darauf anspricht oder eine Unverträglichkeit gegen säureblockierende Medikamente vorliegt, kann man chirurgische Therapieoptionen ins Auge fassen. Eine Operation ist dann nötig, wenn ein großer Zwerchfellbruch (Hiatushernie) mit Beschwerden vorliegt oder wenn sich große Anteile des Magens durch das Zwerchfell in den Brustraum verlagert haben. Ebenfalls Einfluss auf die Therapiewahl haben größere Voroperationen im Oberbauch und speziell am Magen“, erklärt Platzer.

Jede Operation hat ihre Risiken und Nachwirkungen. So können Symptome wie Blähungen, Aufstoßen oder Schluckbe- schwerden auftreten. In den ersten Tagen nach der Operation muss ein langsamer Nahrungsaufbau mit flüssiger und breiiger Kost erfolgen. Betroffene sollten generell auf fette Nahrungsmittel, Rauchen und übermäßigen Alkoholkonsum verzichten. Das ist die beste Prophylaxe.


Doris Simhofer

erschienen in GESUND & LEBEN 12/2020