FotoS:  istockphoto/ Happycity21, »Tut gut!«

ERNÄHRUNG

Die 7 Arten des Hungers

Wann braucht mein Körper tatsächlich Nahrung? Und wann bin ich satt? Mit Achtsamkeit lässt sich das leichter herausfinden.

Was sollen wir essen? Wann? Wie viel? Kaum ein Thema beschäftigt so viele Menschen. Vegeta- risch essen oder nur weniger Fleisch? Selber kochen oder schnell was snacken? Kaffee oder Tee? Mit oder ohne Zucker und Milch? Ernährung ist für viele Menschen eine tägliche Herausforderung. Ein Thema, das stresst. Dabei sollte es Genuss und Gesundheit bringen und uns leistungsfähig machen für den Alltag. Und das kann es auch, sagt die Ernährungsexpertin Christa Rameder, MA, von der Initiative »Tut gut!«: „Wenn wir uns aufs Essen konzentrieren, ist es ganz leicht. Wir müssen nur alle Ablenkungen weglassen.“

Rameder, die selbst Achtsamkeitstrainerin ist, hat sich mit dem Konzept der US-amerikanischen Ärztin und Zen-Meisterin Jan Chozen Bays auseinandergesetzt (siehe Buchtipp). Ein Schritt, sagt sie, ist es, genau zu prüfen, welche Art des Hungers man gerade hat.


Augen-Hunger: Sie sehen etwas Appetitanregendes wie ein Erdbeertörtchen oder Chips in der TV- Werbung – und wollen es essen, obwohl Sie eigentlich schon satt sind.


Nasen-Hunger: Es duftet, zum Beispiel nach Apfelkuchen oder Gegrilltem – und der Hunger meldet sich. Aber ist es wirklich Hunger?


Mund-Hunger: Cremige Nougat-Schokolade oder ein süßer Kaffee-Latte – das wär‘s jetzt? Wir sind auf einen bestimmten Geschmack konditioniert. Der Geschmack kann aber auch umtrainiert werden, zum Beispiel weniger Salz oder Kaffee ohne Milch und Zucker – und irgendwann mag man die gesün- dere Version lieber.


Magen-Hunger: Okay, jetzt ist es Zeit, etwas zu essen. Halten Sie beim Essen dennoch regelmäßig inne und versuchen Sie wahrzunehmen, wann der Magen angenehm gefüllt ist.


Zell-Hunger: Spüren Sie genau hin, was Sie wirklich brauchen. Dies können Sie im Supermarkt üben (wenn Sie nicht gerade hungrig sind): Lust auf Zitronen? Dann brauchen Sie vielleicht Vitamin C. Wel- ches Gemüse lacht Sie gerade an? Das enthält wahrscheinlich Stoffe, die Ihre Zellen jetzt brauchen.


Geistiger Hunger: „Unsere Gedanken sagen uns, was gesund oder ungesund ist“, weiß Rameder. Hören Sie entspannt in sich hinein, ob die Speisen, die Sie essen, wirklich jene sind, die Sie brauchen. Sagt Ihr Kopf jeden Morgen „Croissant“ und ist das Frühstückskiperl für Sie zur Gewohnheit gewor- den? Versuchen Sie auszuprobieren, ob Ihr Magen nicht mit etwas Leichterem zufrieden ist.


Herz-Hunger: Sie kommen nach einem stressigen Arbeitstag müde nach Hause – und essen, weil Sie sich von Ihrem Lieblingsessen Zuspruch erwarten. Vielleicht würde Ihnen eine Umarmung, ein Ge- spräch oder ein Spaziergang jetzt besser tun.


Christa Rameder rät dazu, immer wieder zu überprüfen, ob der Hunger nicht eigentlich Durst ist. Denn das könne man leicht verwechseln. „Achten Sie deshalb stets auf eine ausreichende Flüssigkeitszu- fuhr.“ Und generell: „Hören Sie gut auf Ihren Körper. Er ist sehr intelligent. Sie müssen ihm nur wirklich zuhören!“ Also, in Ruhe essen, alle Ablenkungen wie Handy und Radio ausschalten, gut kauen und genau hinschmecken, was Sie zu sich nehmen. Das ist der erste Schritt zu einem gesunden Umgang mit der Ernährung.


Riki Ritter-Börner

erschienen in GESUND & LEBEN 03/2020