SERIE PFLANZEN

Kraftvoll heilender Lavendel

Lavendel ist eine der berühmtesten europäischen Heilpflanzen.

Seine positiven Wirkungen sind äußerst vielfältig.

Schon die alten Ägypter sollen mit Lavendel die Raumluft verbessert und die Krankenzimmer ausgeräuchert haben. Im Grab des Tutanchamun fand man Reste von Lavendel, der noch duftete. Die Römer nutzten die frische Pflanze für Baderituale, und im Christentum fand Lavendel auch bei

religiösen Feiern gemeinsam mit Weihrauch Anwendung. Im Volksglauben galt die Pflanze als ein Mittel gegen Geister, He- xen, den bösen Blick und den Teufel: Um missgünstige Geister abzuwehren, streute man Lavendelblüten auf die Fußböden. In Italien stand Lavendel gar im Ruf, jede Art von schwarzer Magie abzuwenden, und hierzulande gab es den Brauch, Kin- dern Lavendel in die Betten zu legen, um sie zu schützen. Im Christentum wurde die Lavendelpflanze zu einem Symbol der Unberührtheit der Jungfrau Maria – eine Muttergottespflanze – und Hildegard von Bingen empfahl Lavendel zur Vertreibung unkeuscher Gedanken und Gelüste.


Mächtige Heilwirkungen

Schon die Römer hatten die Heilwirkungen von Lavendel erforscht. So schrieb etwa Plinius der Ältere in seiner großen Natur- geschichte: „Das Kraut lindert den Trauerschmerz der Hinterbliebenen“, und er berichtet, dass Lavendel auch bei Menstrua- tionsschmerzen, Magenschmerzen, Nierenleiden, Gelbsucht und Insektenstichen gut einsetzbar ist.

Viele dieser Erkenntnisse finden heute wissenschaftliche Bestätigung. So weiß man etwa aus kontrollierten Versuchen, dass die Pflanze beruhigend und lindernd bei nervöser Anspannung und Unruhe wirkt. Wirksamkeit entfaltet Lavendel auch bei Anspannung vor und nach Operationen sowie bei Zahnbehandlungen. Bei Schwangeren und Hospizpatienten soll sie De- pressionen lindern und das Wohlbefinden steigern. „Die Wirkung des Antidepressivums Imipramin ließ sich durch Lavendel steigern“, berichten Nicolette und Elaine Perry im Buch „Heilpflanzen für Kopf und Seele“, in dem sie Heilpflanzen mit wis- senschaftlichem Hintergrund analysieren. Die Wirkung von Lavendel sei laut einer Studie mit der des Depressions-Medika- ments Paroxetin vergleichbar. Ihren Recherchen zufolge verbessern Lavendelkapseln auch den Schlaf: „In kontrollierten Stu- dien konnten Lavendel-Inhalationen den Schlaf bei Herzpatienten in Intensivpflege und bei Krebspatienten verbessern so- wie bei Studenten die subjektiv wahrgenommene Schlafqualität und Energie erhöhen.“ Weitere positive Wirkungen von La- vendel betreffen das Restless-Legs-Syndrom sowie das Kurzzeitgedächtnis bei und

nach Stresssituationen. Außerdem lindere das ätherische Öl Kopf- und Gelenkschmerzen, das Karpaltunnelsyndrom, Schmerzen während und nach Operationen sowie Muskelkrämpfe. Äußerlich kann man es zur Behandlung von Prellungen, Verbrennungen und Wunden anwenden.


Zitterblume, Nervenkräutlein

Lavendel stammt übrigens ursprünglich aus dem westlichen Mittelmeergebiet. Bekannt sind die Lavendelfelder der franzö- sischen Provence, doch auch in Spanien und Südosteuropa wird das Duftkraut in großem Stil kultiviert. Derzeit gibt es um die 28 Arten, die von den Kanarischen Inseln über das Mittelmeergebiet bis Somalia und Vorderindien verbreitet sind. Las- sen Sie sich von den  reizvoll klingenden Namen, die man dem Lavendel im Volksmund gibt, inspirieren: Schwindelkraut, Zit- terblume oder Nervenkräutlein ...


Gabriele Vasak

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 07+08/2019